Handlungsalternativen vorgestellt Hagen will bezahlbaren Wohnraum schaffen

Eins der derzeit rund 50 Wohnbauprojekte in Hagen: die Sanierung des von der Gemeinde erworbenen Gebäudes Jahnstraße 4, wo Räume für zwei Wohngemeinschaften für Menschen mit Handicap entstehen. Foto: Jörn MartensEins der derzeit rund 50 Wohnbauprojekte in Hagen: die Sanierung des von der Gemeinde erworbenen Gebäudes Jahnstraße 4, wo Räume für zwei Wohngemeinschaften für Menschen mit Handicap entstehen. Foto: Jörn Martens

Hagen. Im August hat sich der Hagener Planungsausschuss zuletzt mit Möglichkeiten beschäftigt, den sozialen Mietwohnungsbau vor Ort zu fördern. Jetzt sind Handlungsansätze vorgestellt worden, die teilweise in anderen Kommunen zum Zuge kommen. Es gibt aber noch einigen Diskussionsbedarf, um bei dem Thema zu mit einem breiten Konsens getragenen Grundsatzbeschlüssen oder Spielregeln zu kommen.

Dass auch in Hagen das Angebot an bezahlbaren Mietwohnungen überschaubar ist und Handlungsbedarf besteht, wird von allen Rats-Fraktionen gesehen. Die offene Frage: Welche Möglichkeiten hat eine rund 13500 Einwohner zählende Kommune wie die Kirschgemeinde, um auch ohne eine eigene Wohnungsbau-Gesellschaft aktiv zu werden.

„Heftiger Anstieg“ bei Neubauprojekten

Die aktuelle Situation: In Hagen gibt es rund 3500 Gebäude mit insgesamt um die 6000 Wohneinheiten. Zahl der Wohnungen mit Zweckbindung: 104, von denen knapp 40 Prozent mit öffentlichen Baudarlehn gefördert sind. In den kommenden drei Jahren bis 2022 läuft bei 15 Wohneinheiten, die an Menschen mit Wohnberechtigungsschein vermietet sind, die Zweckbindung aus.

Im Mai beziehungsweise August vergangenen Jahres hat der Ausschuss zuletzt über die Wohnungssituation vor Ort diskutiert. Da stand unter anderem das aktuelle Mietpreisniveau im Mittelpunkt, dass sich nach einer repräsentativen Erhebung der Verwaltung, bei der mehr als ein Drittel des lokalen Angebots erfasst worden ist, derzeit bei einem durchschnittlichen Preisniveau von 5.34 Euro pro Quadratmeter bewegt. Doch bei den Neubauprojekten hat es auch in Hagen einen „heftigen Anstieg“ gegeben, der neben der allgemeinen Kostensteigerung im Baubereich auf die inzwischen einzuhaltenden energetischen Vorgaben zurückzuführen ist.

So machen es andere Kommunen: In der Sitzung ist die Verwaltung beauftragt worden, einen Überblick über die möglichen Handlungsansätze zu geben, die in anderen Städten und Gemeinden zum Tragen kommen oder sich in Hagen eignen würden, das Mietwohnungs-Angebot zu verbessern. Die Ergebnisse sind jetzt präsentiert worden.

Als „sozial bezahlbarer Wohnraum“ werden hier Mieten bezeichnet, die zwischen 5,60 Euro pro Quadratmeter, der derzeitigen Obergrenze für Personen, die Transferleistungen beziehen oder über einen Wohnberechtigungsschein verfügen, und 7 Euro bewegen. Letzteres ist die Unterstützungsgrenze, die zum Beispiel beim Wohngeld für Ältere oder Menschen mit Handicap besteht.

Mögliche kommunale Handlungsansätze sind zum Beispiel die Förderung gemeinschaftlicher Wohnformen, die vor allem für Senioren eine Alternative ist, oder die Berücksichtigung von Einliegerwohnungen in Neubaugebieten. Letztere Variante könnte in Form einer entsprechenden Förderrichtlinie in Hagen zum Beispiel dazu beitragen, den bestehenden Mangel an kleineren Wohnungen für junge Erwachsene zu beheben.

Mögliche Objekte vor Ort: Außerdem bietet sich an, dass die Gemeinde aktiv wird, um ungenutzte Gebäude in Wohnimmobilien umzuwandeln oder leer stehende Büroflächen zu Wohnungen umzubauen. Hier gäbe es in Hagen drei mögliche Beispiele: eine aufgegebene Gastwirtschaft im Erdgeschoss der Natruper Straße 107 (ehemals Lenjer) und ehemalige Geschäftsräume an der Natruper Straße 108, wo zuletzt eine Fußpflege ansässig war, sowie ein Objekt am Ziegeleiweg 1a (Ex-Vogelflug).

Vorgestellt wurden außerdem Modelle aus Münster, München und Osnabrück, um sozial gerechtere Nutzungen zu realisieren. In der westfälischen Friedensstadt wird dabei zum Beispiel die Möglichkeit genutzt, bei privaten Baulandentwicklungen einen Zielwert von bis zu 30 Prozent der Nettowohnfläche für Mietwohnungsbau vorzusehen.

München schreibt regelmäßig ein „wohnpolitisches Handlungsprogramm“ fort. Ein Instrument, um den Wohnungsmarkt zu entlasten: Städtische Bauflächen werden mit einer im Kaufvertrag festgelegten Bindung veräußert, durch die Mieten begrenzt oder eine jahrzehntelange Bindung als Mietwohnung vorgegeben wird. Und in Osnabrück sind in einem Zehn-Punkte-Plan zur Sicherstellung eines bedarfsgerechten Angebots sogenannte Leuchtturmprojekte für altersgerechten, integrativen oder sozial-innovativen Wohnungsbau festgelegt.

Gausmann: hervorragender Aufschlag

Die vorgestellten Alternativen werden jetzt zunächst in den Fraktionen diskutiert. Bürgermeister Peter Gausmann sprach am Ende der mehr als halbstündigen Präsentation von einem „hervorragenden Aufschlag“, damit auf dem jetzt gegebenen Informationsstand in die Beratung eingestiegen werden kann.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Reinhard Wittke lobte den Überblick als deutliches Zeichen, dass „wir in Hagen etwas machen müssen“. Es gebe vor Ort zwar aktuell 50 Projekte, die in Bau oder in der Planung sind, aber das entspreche nur etwa 1,5 Prozent des derzeitigen Bestands bei einem deutlich steigenden Bedarf an bezahlbarem Wohnraum.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Bastian Spreckelmeyer bezeichnete den Überblick der Verwaltung als „Rahmen, wie wir das Thema angehen können“, und „guten Ansatz“. Jetzt müssten die Fraktionen die notwendige Abwägung der Vor- und Nachteile der vorgestellten Punkte vornehmen.

Im Frühjahr dürfte die Schaffung bezahlbaren Wohnraums wieder im Planungsausschuss auf die Tagesordnung kommen.


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