Interview mit Bürgermeister Gausmann Hagen hat weitere 50 Wohneinheiten in Planung

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Hagen. Diese Woche geht in der Kirschgemeinde mit der ersten Ausschuss-Sitzung die traditionelle Politik-Pause zwischen den Jahren zu Ende. Bürgermeister Peter Gausmann hat nach Weihnachten einen Kurzurlaub eingelegt, um die Batterie wieder aufzuladen: Wichtige Themen wie Sicherstellung eines Wohnraumangebots mit bezahlbaren Mieten, Ausbau der Krippenplätze, Verbesserung des Nahverkehrs-Angebots oder die Aufwertung Gellenbecks stehen auf der Agenda 2019. Außerdem stellt sich Gausmann Ende Mai zur Wiederwahl.

Im vergangenen Jahr ist in Hagen viel passiert: Knapp 40 Punkte hat Bürgermeister Gausmann Mitte Dezember in der letzten Ratssitzung in seinem Verwaltungsbericht als Leistungsbilanz von Politik und Verwaltung aufgelistet – von Erwerb und Umbau des für die Zentrumsentwicklung wichtigen Gebäudes Jahnstraße 4 und einem Ideenwettbewerb zum Gibbenhoff, über Sanierung der Sporthalle bis zur Erstellung einer Pflegebedarfsplanung oder einer umfangreichen Mietpreisumfrage. Im neuen Jahr gleich mit hoher Frequenz weiter. So sollen zum Beispiel Mitte Februar jeweils die Krippenanbauten an Christopherus- sowie Melanchton-Kindergarten beginnen oder im Frühjahr die Bürgerbeteiligung hinsichtlich möglicher Projekte eines Dorferneuerungsprogramms Niedermark starten.

Dank der „erfolgsorientierten Zusammenarbeit“ in den Ratsgremien läuft es in der Gemeinde – so gut, dass der Vorstand des SPD-Ortsverbands entschieden hat, auf einen Gegenkandidaten bei der Bürgermeisterwahl zu verzichten. Da ist kein Wunder, dass dem Amtsinhaber der Job nach wie vor wie am ersten Tag Spaß macht.

Herr Gausmann, mit welchen guten Vorsätzen gehen Sie ins neue Jahr?

Rat und Verwaltung unserer Gemeinde sollten weiterhin sachlich, konstruktiv und erfolgsorientiert in den unterschiedlichen Bereichen an einer positiven Entwicklung Hagens arbeiten. Ziel sollte dabei für uns sein, dass sich alle Altersgruppen in ihrem Wohnumfeld wohlfühlen und mit ihren Lebensbedingungen zufrieden sind.

Die Gemeinde hat im vergangenen Jahr viel auf den Weg gebracht. Welche für Sie wichtige Punkt sind unerledigt geblieben?

Neben den Erfolgen bei zahlreichen Maßnahmen, Sanierungen und Neubauprojekten ist in der Jahresbilanz auch zu erwähnen, dass es aufgrund der geringen Anmeldezahlen an der Oberschule nicht gelungen ist, ein gymnasiales Angebot einzurichten. Für das Schuljahr 2020/21 werden wir erneut einen gymnasialen Zweig anbieten. Eine weitere Enttäuschung hatten wir bei den Schutzmaßnahmen gegen Starkregenereignisse zu verzeichnen. Leider sind auch 2018 keine Landessubventionen zum Bau des Forellentaldamms zur Erstregulierung des Goldbaches bewilligt worden. Die Planungen mit entsprechendem Grunderwerb sind abgeschlossen und der gemeindliche Eigenanteil steht zur Verfügung. Hier hoffen wir jetzt auf eine Bewilligung in 2019 und eine zügige Umsetzung zum Schutz vor Überschwemmungen.

Was hat Sie 2018 am meisten geärgert?

Außerordentlich ärgerlich waren die Zahlen, die unter der Schlagzeile „Mietwohnungen in Hagen sind am teuersten im Landkreis - Spitzenreiter bei den Mieten im Landkreis ist Hagen mit 7,01 Euro“ im November veröffentlicht worden sind. Bei der Auflistung „So stark ziehen die Mieten in der Region Osnabrück an“ sind wir da aufgrund der Daten von Immobilien-Scout plötzlich Spitzenreiter unter den Umlandgemeinden gewesen. Dabei haben wir wenige Wochen zuvor die Ergebnisse einer repräsentativen Mietpreisbefragung vorgestellt, wonach in Hagen eine durchschnittliche Miete in Höhe von 5,34 Euro pro Quadratmeter erhoben wird. Bei dem ImmoScout-Wert sind aber wohl nur wenige neue, hochpreisige Mietangebote zugrunde gelegt worden. Mit einer derart überzogenen und meiner Meinung nach unverantwortlichen Darstellung von Mietpreisen wird nur erreicht, dass die öffentliche Meinung negativ beeinflusst wird, Ängste für Mieter geschürt werden und Vermieter Argumente bekommen, eine Mietpreiserhöhung vorzunehmen. Sozial bezahlbare Mietpreise sind ein wichtiges politisches Beratungsthema – aber bitte auf der Grundlage repräsentativer belastbarer Daten!

Die Wohnraumsituation ist derzeit in allen Kommunen ein großes Thema. Welche Aktivitäten plant die Gemeinde, um ein ausreichendes Angebot sicherzustellen?

In der Planungsausschusssitzung am Donnerstag, 10. Januar, werden auf der Grundlage des vorhandenen Datenmaterials Möglichkeiten und Alternativen zur Verbesserung des Wohnraumangebotes mit sozial bezahlbaren Mietpreisen vorgestellt. In den letzten sechs Jahren sind in Hagen rund 160 Wohneinheiten und 21 Wohnplätze im Rahmen der Jugendpflege neu geschaffen worden. Weitere 50 Wohneinheiten befinden sich in der Planung. Die Verbesserung der Wohnraumsituation in Hagen ist eine stetige Aufgabe für Rat und Verwaltung.

Vom Rathaus geht es ins Ortszentrum. Wie in anderen Umlandkommunen gibt es hier auch an der Dorfstraße einige Leerstände und Angebotslücken. Doch es tut sich einiges. So schreiten Umbau und Sanierung des von der Gemeinde im vergangenen Frühjahr erworbenen Gebäudes Jahnstraße 4 am Gibbenhoff sichtbar voran. Im Mai soll hier eine Frauenarzt-Praxis einziehen und auch der obere Bereich für eine bedarfsgerechte Wohngemeinschaft für junge Menschen mit Handicap fertiggestellt sein. Gausmann verspricht sich viel von der vorgesehenen Neugestaltung des Gibbenhoffs und sieht weitere positive Entwicklungen.

Wie sehen Sie die aktuelle Lage des örtlichen Einzelhandels?

Im sogenannten „Speckmantel des Oberzentrums“ und unter dem zunehmenden Einfluss des Onlinehandels wird der Einzelhandel in einem Grundzentrum wie Hagen durchaus belastet. Erfreulicherweise zeichnen sich dennoch positive Tendenzen ab, wonach bestehende Einzelhandelsbetriebe gute Umsätze erzielen und weitere Leerstände in nächster Zeit wiederbelebt werden. So wird am Ex-Standort Schuhhaus Ossege ein Spielzeughandel eröffnen, in die früheren Reisebüro-Räume zieht ein Barbier und auch für das ehemalige Wäscheparadies zeichnet sich eine Lösung ab. Durch die Ortskernsanierung im Zentrum und zukünftig auch durch die Dorferneuerung in den anderen Ortsteilen werden die äußeren Rahmenbedingungen weiter verbessert. Hagen bietet alle Möglichkeiten für einen attraktiven Einzelhandel.

Vor allem das örtliche Gastro-Angebot ist hier mittlerweile ein Markenzeichen.

Die Hagener Gastronomie hat sich zu einem Aushängeschild entwickelt. Verschiedene Restaurants und Gaststätten laden mit unterschiedlichen Angeboten ein und sorgen für ein hervorragendes gastronomisches Spektrum zum Verweilen. Auf einen Punkt gebracht: In Hagen isst es sich gut! Ich bin optimistisch, dass wir in Zusammenarbeit mit dem Unternehmerverband weiterhin für eine pulsierende Entwicklung unserer Betriebe sorgen können.

Auch in der Niedermark will die Gemeinde in diesem Jahr Zeichen des Aufbruchs setzen. Nachdem es drei Mal nicht mit der Aufnahme ins Dorferneuerungsprogramm des Landes geklappt hat, ist zum Jahresende jetzt ein positiver Bescheid im aus Hannover im Rathaus eingegangen – nachdem zuvor der Antrag noch einmal optimiert worden ist. Doch bis erste Fördermittel fließen, wird es noch etwas dauern.

Wie schnell ist mit der schon lange beabsichtigten weiteren Aufwertung des Bereichs vom Dorfplatz bis zur Kirche in Gellenbeck zu rechnen?

Dies wird sicherlich eins der ersten Projekte sein, da die Gemeinde Hagen bereits die Haltestelle und dessen Umfeld an der Natruper Straße neugestaltet hat. Das Verfahren für die Dorferneuerung sieht zunächst die Erstellung eines Dorfentwicklungsplanes vor. Ein Arbeitskreis soll sich zu Beginn des Prozesses im Rahmen einer Auftaktveranstaltung konstituieren. Die Mitglieder des Arbeitskreises, bestehend aus engagierten Bürgern vor Ort – das sind im Idealfall Mitglieder lokaler Vereine oder sonstiger bürgerschaftlich engagierter Gruppen – wirken im Rahmen der Erarbeitung des Dorfentwicklungsplans als Multiplikatoren und stellen den öffentlichen Informationsfluss sicher. Die Gesamtplanung wird anschließend mit den entsprechenden Maßnahmen und Projekten in den jeweiligen Ortsteilen umgesetzt.

Die Gemeinde verfolgt seit Längerem auch das Ziel, die Nahverkehrsanbindung der Bereiche Gellenbeck und Sudenfeld zu verbessern. Wie weit sind die Gespräche mit der PlanOS, der Planungsgesellschaft Nahverkehr Osnabrück, die für das Busangebot in der Region zuständig ist, hier gediehen?

Zusammen mit der PIaNOS haben wir die Einführung eines Bedarfsverkehrs in den Außenbereichen geprüft. Aufgrund der Voraussetzungen liegen die Kosten von Taxi- und Busunternehmen hier recht hoch. Im Vergleich dazu ist die Angebotsverbesserung für den Fahrgast wegen der langen Vorlaufzeit zum Beispiel bei einem Anrufbus-System eher unattraktiv. Die PIaNOS prüft daher aktuell, ob und mit welchen Kosten es möglich ist, nach der Spitzenlastzeit durch den Schulbusverkehr mit den gleichen Fahrzeugen weitere Umläufe anzubieten. Die Ergebnisse sowie alternative Möglichkeiten als Zuschussmodell je Fahrt oder die Einführung eines E-Car-Sharing Modells werden in einer der nächsten Sitzungen im Wege – und Verkehrsausschuss vorgestellt und beraten.

Rechnen Sie damit, dass es zum Fahrplanwechsel nach den Sommerferien schon zu Verbesserungen kommt?

Der gemeindliche Haushaltsetat enthält bereits eine Erhöhung zur Verbesserung des Personennahverkehrs in diesem Jahr, sodass wir für die zweite Jahreshälfte eine Erweiterung des Angebotes für den Bereich der Niedermark anstreben.

In Hagen steht im Mai die Bürgermeisterwahl an. Warum haben Sie längere Zeit überlegt, bevor dann im Spätsommer feststand, dass Sie erneut antreten?

Naja, das ist eine Einschätzung, die von der Perspektive abhängt. Meine laufende Legislaturperiode endet am 31. Oktober 2019, und die Bürgermeisterwahl findet gemeinsam mit der Europawahl am Sonntag, 26. Mai statt. Ich habe mit der Anfang September erfolgten Ankündigung meiner Kandidatur zur Wiederwahl rund ein dreiviertel Jahr vor dem Wahltermin für Klarheit gesorgt – nach einem umfassenden Gesundheitscheck und Rücksprache mit meiner Familie. Anschließend sind unser Verwaltungsteam, der Gemeinderat und die Hagener Parteien öffentlich darüber informiert worden, dass ich die erfolgreiche Arbeit als unabhängiger Bürgermeister mit vollem Einsatz und hoch motiviert fortsetzen möchte. Eine längere Zeit zum Überlegen ist das nicht wirklich gewesen.

Was hat Sie bewogen, diesmal als Unabhängiger zur Wahl zu stellen, nachdem Sie vor acht Jahren als Parteiloser offiziell als CDU-Bewerber angetreten sind?

Das Amt des Bürgermeisters in einem Grundzentrum wie Hagen sollte meines Erachtens unabhängig wahrgenommen werden. Die Kommunalverfassung sieht für amtierende Bürgermeister eine Kandidatur ohne Parteienvorschlag oder Unterstützer-Unterschriften vor, die ich wahrnehme.


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