Kolping-Theatergruppe St. Martinus Plattdeutscher Schwank mit urigen Typen

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"Dat hälste im Kopp nich aus": Turbulenzen drohen, wenn in der Amtsstube des Bürgermeisters (von links) Amtsdiener Heini (Andreas Bolke), der Bürgermeister (Michael Bensmann), Leonore (Anne Plogmann), Heinz-Harald (Werner Kemper) und Sekretärin Hannelore (Ricarda Ehrenbrink) aneinander geraten. Foto: Horst Troiza"Dat hälste im Kopp nich aus": Turbulenzen drohen, wenn in der Amtsstube des Bürgermeisters (von links) Amtsdiener Heini (Andreas Bolke), der Bürgermeister (Michael Bensmann), Leonore (Anne Plogmann), Heinz-Harald (Werner Kemper) und Sekretärin Hannelore (Ricarda Ehrenbrink) aneinander geraten. Foto: Horst Troiza

Hagen . Ein Lustspiel mit allem Drum und Dran servierte die plattdeutsche Theatergruppe der Kolpingsfamilie St. Martinus dem Publikum mit der Premiere von „De Gedächnislücke“. Der Dreiakter bot urige Typen und komödiantische Feuerwerke – kurzum allerbeste Bühnenunterhaltung.

An Büroschlaf ist in diesen Amtsräumen nicht zu denken. Bereits am frühen Morgen herrscht im Amtszimmer von Bürgermeister Franz Kübel (Michael Bensmann) helle Aufregung. Leonore (Anne Plogmann) und Heinz-Harald (Werner Kemper), ein vornehmes Ehepaar, kommen wegen einer Beschwerde. „De Han kreiht, de Klocken sin lut un de Blaskapelle ok“. Was aber noch viel schlimmer ist: Ihr ebenso vornehmes Hundchen ist in der Nacht von einem Betrunkenen getreten worden, außerdem hat der Unhold noch in den Swimmingpool gepinkelt.

Radikal durchgreifen

Das ist dem Bürgermeister dann doch zu viel. Er hat einen Kater, weil er gestern mit Gemeindediener Heini (Andreas Bolke) auf Sauftour gewesen ist, und will nun ein Exempel statuieren: Der Hahn soll einen Kopf kürzer gemacht werden, im Glockenturm in Zukunft Ruhe herrschen und die Blaskapelle nicht mehr proben. Sein Aktionismus bringt ihm aber nichts ein, weil er vom Glockenschwengel am Kopf getroffen wird und sein Gedächtnis verliert. Daraufhin überschlagen sich die Ereignisse.

Lachsalven und Szenenapplaus

Was die Traditionstheatertruppe um die Spielleiterin Elisabeth Schönhoff mit „De Gedächnislücke“ von Bernd Gombold auf die Bühne brachte, war Volkstheater in seiner reinsten Form. Es gab zuhauf urige Typen mit markigen Sprüchen, serienweise Missverständnisse, die sich zu komödiantischen Feuerwerken auswuchsen, Dorfklatsch ohne Ende und, wie es sich gehört, auch Herzensdinge. Lachsalven und Szenenapplaus bei der Premierenaufführung im Saal Stock bewiesen eindrucksvoll, wie gut der Schwank beim Publikum ankam. Autor Gombold ist in seinem Zivilberuf Bürgermeister des kleinen schwäbischen Städtchens Inzigkofen, es bleibt nur zu hoffen, dass er in seinem Amtsbüro von solchen Turbulenzen verschont bleiben wird.

Der durchgeknallte Professor (Raphael Ehrenbrink) baggert Sekretärin Hannelore (Ricarda Ehrenbrink) an. Foto: Horst Troiza

Auch bei der Besetzung der Rollen ist alles richtig gemacht worden. Die des Amtsdieners Heini ist Andreas Bolke geradezu auf den Leib geschrieben. Schlitzohr und Schluckspecht in Personalunion ist er der Ausgangspunkt für manches Chaos und damit die Zugnummer des Abends. Die anderen Darsteller stehen nicht zurück. Michael Bensmann, der als verkaterter Bürgermeister von seiner Sekretärin Hannelore (Ricarda Ehrenbrink) permanent mit Pillen gedopt wird, hat einen herrlich komischen Dialog mit Anne Dillmann, die als Rosalinde die These „Wahre Liebe braucht keine Schönheit“ vertritt. Dann sind da noch der durchgeknallte Professor (Raphael Ehrenbrink), die Tratschtante Emma (Monika Börger), der sehr leicht erregbare Blaskapellenvorsitzende Anton (Albert Schönhoff) und die Bürgermeistersfrau Helene (Karin Mayland), ohne die der Schwank nur halb so gut wäre.


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