Trauer schwingen lassen Vortrag in Hagen: Wie trauern Männer?

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Wie trauern Männer? Dem ging der Trauerbegleiter und Autor Thomas Achenbach bei einem Vortrag in Hagen nach. Foto: Stefan BuchholzWie trauern Männer? Dem ging der Trauerbegleiter und Autor Thomas Achenbach bei einem Vortrag in Hagen nach. Foto: Stefan Buchholz

Hagen. Trauern Männer anders? Ja, meinte der Trauer-Experte Thomas Achenbach bei einem Vortrag auf Einladung des Hospizvereins Hagen.

Wann ist der Mann ein Mann? Der Klischees sind da einige: Männer sprechen nicht viel, sind hart gegen andere und sich selbst. Dafür können Männer nichts, heißt es oft weiter. Evolutionär hätten sie kaum anderes mitbringen können: Erfolgreiches Jagen versprach nur Erfolg, wenn der Mann möglichst schweigsam dem Wild nachzustellen verstand und es eben mit entschlossener Kraft tötete. 

Klischees korrigiert

„Ich halte diese evolutionär-psychologische These für zu spitz und simpel“, sagte Achenbach. Als zertifizierter Trauerbegleiter, Blogger, demnächst auch Autor eines Bandes über Männertrauern, rückte der 43-Jährige manches Zerrbild zurecht.

Erstens: Männer haben durchaus Gefühle, zu denen sie aber keinen Zugang finden oder schlicht davor zurückschrecken, zitierte Achenbach. Zweitens: Männer sprechen laut Untersuchungen genauso viel wie Frauen, nur halt über andere Themen. Nicht über Mode, Freunde, Beziehungen, viel eher stehen Technik, Sport und Finanzen im Vordergrund.

Männer trauen im Innern

Mangels fehlender Studien näherte sich Achenbach dem Männertrauern-Thema aus seiner Erfahrungsarbeit mit Männergruppen. „Männer trauern geheim, mehr in sich hinein.“ Ein Ausloten der Gefühle finde statt, suche statt Öffentlichkeit vielmehr Schutzzonen und Möglichkeiten des Hinhörens, so Achenbach.

Eine weitere Erkenntnis: Die eine Art zu Trauern gibt es nicht für Männer. Dafür aber manches, was sie während der Trauerphase etwa tun: in den Dialog mit den Gestorbenen gehen, Machtlosigkeit erleben, sich wirksam machen, durch Aufnahme seltsam anmutender Hobbys, ja, auch Flucht in exzessiv ausgeübte Sportarten oder gar eine Sucht.

"Trauer schwingen lassen"

Als mehrjähriger, nebenberuflicher Trauerbegleiter listete Achenbach beispielhaft auf, was Männern während des Trauerns gut tut: Dezente Begleitung von Männern, Bewegungsangebote und Orte, um Emotionen herauszulassen.

Kann man sich auf das Trauern vorbereiten, fragte jemand aus dem gut 40-köpfigen Besucherkreis. „Wenn, macht die Trauer etwas mit einem“, verneinte Thomas Achenbach. Klar wurde durch die Schilderung eines weiteren Besuchers zudem: Besser, sich möglichst bewusst den eigenen Emotionen stellen und „die Trauer ins Schwingen bringen“ (Achenbach) – denn verdrängen lässt sich hilfreich nichts.


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