Die Nachfrage steigt rasant Hagen: „De Helpers“ helfen bei Kleinstreparaturen

Von Werner Barthel

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Hagen. Was vor vier Jahren als Versuchsballon gestartet war, hat sich längst zum Erfolgsmodell entwickelt: Die Einrichtung „Senioren helfen Senioren“ erfreut sich einer regen Nachfrage.

Mehr noch: Die Zahl der Einsätze von Hagens ehrenamtlichen Helfern bei Kleinstreparaturen – in Hagen „De Helpers“ genannt – steigt von Jahr zu Jahr.

Im Juni 2014 hatten „Das Lokale Bündnis für Familie Hagen a.T.W.“ mit seiner Koordinatorin Anke Igelbrink und die Seniorenbeauftragte Ruth Schulte to Bühne Interessierte und Vereine zur Gründungsversammlung eingeladen. Ihr Ziel: Nach dem Vorbild der Münsteraner Einrichtung „Anti Rost“ wollte man Rentner suchen, die zwar aus dem Berufsleben ausgeschieden sind, gleichwohl aber ihre erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten ehrenamtlich einsetzen wollten.

Wie in Münster sollten ihre künftigen Hagener Kollegen Kleinstreparaturen und kleine haushaltsnahe Dienstleistungen in den Wohnungen Hagener Senioren übernehmen. „Unser Projekt war mit der Handelskammer besprochen und von ihr abgesegnet worden“, weist Seniorenbeauftragte Ruth Schulte to Bühne auf die gesetzlichen Voraussetzungen hin, „es ist sichergestellt, dass die Helpers nur Reparaturen durchführen, für die kein Handwerksbetrieb bemüht werden kann.“

Um sicherzustellen, dass auch der echte Helfer vor der Haustür steht, müssen alle Anfragen zunächst an die Helpers-Zentrale im Rathaus der Gemeinde (Telefon 05401/97742 oder -25) gerichtet werden. Ruth Schulte to Bühne: „Wir schauen dann, welcher Helfer infrage kommt und benachrichtigen beide Seiten zwecks einer Terminabsprache.“

Der ehrenamtliche Helfer sieht sich dann das Problem vor Ort an. „Dabei kann es sich um eine lockere Glühbirne oder ein wackeliges Stuhlbein handeln“, so Schulte to Bühne, „es werden aber auch je nach Bedarf Fernbedienungen beim Fernseher eingestellt, das Flusensieb in der Waschmaschine gereinigt oder Gardinen abgenommen und aufgehängt.“

Kei9ne großen Reparaturen

Alle Helfer sagen bei größeren Problemen aber auch, dass sie eine Reparatur nicht übernehmen können. „Die Helpers richten wohl einzelne Dachpfannen oder befestigen eine Fliese, überlassen die Arbeit jedoch einem Betrieb, wenn ein Dach gedeckt oder ein Badezimmer neu gefliest werden muss.“ Solche oder ähnliche Problemfälle können auch auf den jährlich stattfindenden Zusammenkünften der Helfer in großer gemütlicher Runde erörtert werden.

Senioren froh und dankbar

Und was sagen die Helpers selbst? Überwältigend, so der allgemeine Tenor, sind Freude und Dankbarkeit ihrer Kunden, die sie bei ihren Kleinstreparaturen erfahren. Die alten Herrschaften, so berichten es übereinstimmend die Helfer, seien einfach nur glücklich, dass ein Schaden, der sie häufig über Jahre geärgert hatte, endlich behoben wurde.

Gelegentlich, so erzählt einer aus den Reihen der Helfer, der namentlich nicht genannt werden möchte, stünden sie auch vor schier unlösbaren Problemen. „Das Drehkippfenster im Wohnzimmer einer alleinstehenden älteren Dame ließ sich weder öffnen noch schließen“, erzählt er von so einem Fall, „der Grund war schnell gefunden: Das Endstück eines Scharniers war abgebrochen, sodass die Funktionen des gesamten Fensters blockiert waren.“

Scharnier nur noch im Internet erhältlich

Doch damit nicht genug: Die Nachfragen des Helfers bei verschiedenen Händlern und Betrieben nach einem Ersatzteil ergaben übereinstimmend nur eine Auskunft: Diese Scharniere gebe es nicht mehr. Da helfe nur der Kauf eines neuen kompletten Fensters. Mit dem Einbau hätte die alte Dame weit über 1000 Euro berappen müssen.

Doch damit wollte sich der Hagener Helfer nicht zufriedengeben. Im Internet machte er sich auf die Suche nach dem entsprechenden Scharnier, dessen Fabriknummer sich noch beim alten Teil ablesen ließ. Und siehe da, er fand, was er suchte. „Das Scharnier kostete 3,15 Euro, und ich hatte es in einer Viertelstunde eingebaut.“

Suche nach Lösungen

Dieses Beispiel zeigt exemplarisch, was die Hagener Helfer wohl durch die Bank auszeichnet: Sie sind nicht nur Könner auf ihrem Fachgebiet. Sie bemühen sich auch dann noch um Lösungen, wo sie auf den ersten Blick mit ihrem Latein am Ende scheinen. Denn fast alle, die befragt wurden, können von solchen Erfahrungen berichten.

Und noch etwas anderes ist bemerkenswert: Eigentlich sollen diese Helfer bei Reparaturen in ihrem Spezialgebiet eingesetzt werden. Sie versuchen aber auch dann zu helfen, wenn plötzlich bei einem Besuch ganz andere Probleme auftauchen. Besagter Helfer, von dem oben die Rede war, ist zum Beispiel IT-Fachmann und hatte die alte Dame wegen der Einstellung ihrer Fernsehsender aufgesucht.

Überrascht von der Resonanz

Die Verantwortlichen im Rathaus sind selbst überrascht, wie rasant die Nachfrage im Laufe der Jahre gestiegen ist: Im Gründungsjahr waren es bereits 15 Aufträge. Eine beachtliche Zahl, wenn man bedenkt, dass diese in knapp einem halben Jahr zusammen gekommen war. Dann stieg die Nachfrage von Jahr zu Jahr kontinuierlich. 2017 wurden bereits 59 Kleinstreparaturen ausgeführt.

Qualifizierte Senioren gesucht

Da ist es nicht verwunderlich, dass man sich nicht mit den im Augenblick 15 Helfern begnügen möchte, sondern stets auf der Suche nach weiteren qualifizierten Senioren ist. Bei ihren Einsätzen sind sie über die Gemeinde versichert. „Das mussten wir klären, bevor wir loslegen konnten“, sagt Anke Igelbrink vom Lokalen Bündnis, „jetzt verfügen wir unter anderem über ehemalige Tischler, Telekommunikationsfachleute, Elektriker und Bank- und Verwaltungsangestellte.“

Sie bringen ihr Wissen und Können ein; die Materialkosten tragen die Auftraggeber. Dazu kommt eine Aufwandsentschädigung, die pauschal fünf Euro beträgt. Anke Igelbrink: „Ob ein Helfer sie annimmt, ist ihm selbst überlassen.“ Wichtiger als dieses Geld ist ohnehin etwas anderes: „Die älteren Menschen haben mal wieder jemanden zum Reden. Da wird nach dem Aufhängen eines Bildes schon gern ein ausführlicher Plausch bei Kaffee und Kuchen gehalten.“

Gutschein für fünf Euro

Die Helpers-Zentrale hat in diesem Zusammenhang übrigens zwei zusätzliche Angebote entwickelt. Da ist zum Einen der Gutschein über einen Einsatz eines Helpers. Dieser ist bei der Seniorenbeauftragten Ruth Schulte to Bühne im Rathaus der Gemeinde, Zimmer 15, erhältlich und kostet fünf Euro, exakt die Summe also, die ein Auftraggeber für eine Reparatur bezahlen muss: „Eine kleine Aufmerksamkeit, die sich bei jedem Geburtstag gut macht.“ Dieser Gutschein ist übrigens auch fester Bestandteil bei Präsenten, die Bürgermeister Peter Gausmann oder einer seiner Vertreter älteren Geburtstagskindern überreicht.

Dann gibt es auch noch einen Magnet in der Größe etwa eines Personalausweises. Auf die Kühlschranktür gepappt, garantiert er genau den beabsichtigten Effekt: Er wird auf jeden Fall wieder gefunden. Auf gelbem Hintergrund, der an ein Ortsschild erinnert, steht kurz und bündig: „De Helpers in Hagen a.T.W. 05401/9770“. Weitere Informationen sind auch auf der Homepage unter dehelpershagenatw.de nachzulesen.


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