Hagener Kirmes gestartet Traditionskirmes lockt nicht nur Hagener an

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Hagen. Bei bestem Kirmeswetter zogen am Samstag Hagener und Besucher von nah und fern vom Baby bis zum Senior über die Kirmes.

Die Musikkapelle Hagen spielte, das Kirschmonster und Kirschkönigin Jule standen schon parat und viele Besucher vor dem Festzelt am Fass warteten sehnsüchtig darauf, dass es endlich losging. In der ersten Reihe saßen einige Bewohner des St. Anna Stiftes im Rollstuhl. "Kirmeszeit ist für uns Hagener die schönste Zeit im Jahr. Sie ist neben Winter, Frühling, Sommer und Herbst die fünfte Jahreszeit", erklärte Bürgermeister Peter Gausmann, bevor er die Hagener Kirmes mit ihren 97 Ständen eröffnete.

Lutfballonwettbewerb

Zunächst stach Gausmann mit nur zwei Schlägen gekonnt das große Bierfass an, dann kam für die Kinder der große Moment: Der Luftballon-Wettbewerb. Nach gut gemeinten Tipps, wie dem, die Ballons möglichst nicht in die Bäume fliegen zu lassen, wies Gausmann noch darauf hin: "Es geht zwar auch darum, dass die Ballons möglichst weit fliegen, doch Luftballon-Karten von Gran Canaria zählen nicht." Und er wollte von einigen Kindern wissen, worauf sie sich schon besonders freuten. Während Amelie (5) gerne Karussell fahren wollte, freute sich Max (6) vor allem aufs Entenangeln, und Sarah (11) verkündetet: "Ich will alles mitmachen." Jemand im Publikum rief: "Korrekte Antwort."

Kirmes für Alt und Jung

Dann ging es endlich los: Die Kinder ließen ihre Luftballons unter dem Jubel der Zuschauer gen Himmel steigen. Damit war die Kirmes eröffnet. Gertrud Kreit, die mit ihrem Rollstuhl in der ersten Reihe stand, erklärte, sie freue sich bei der Kirmes vor allem auf die Musik. Josefine Spellmeyer neben ihr, war schon als junge Frau auf der Kirmes gewesen und fand: "Das Lustige an der Kirmes ist, das man so viele kennt - und die anderen lernt man kennen." Los gings. 

Kinder haben Spaß

Auftakt der Hagener Kirmes am Samstag. Foto: Michael Gründel


Max hatte sich nun doch  gegen das Entenangeln entschieden und das nächste Kinderkarussel angesteuert. Damit fuhr auch Amelie freudestrahlend mit, während ihre Mutter Christina Pietruschka aus Sutthausen berichtete: "Das hat Tradition, wir gehen immer mit Oma und Opa auf die Hagener Kirmes." Sie selbst mag daran, dass die Kirmes familiär ist und nicht so voll wie der Jahrmarkt in der Stadt. Zwar sei die Kirmes auch kleiner, dennoch gäbe es genug Aktionen für Kinder. Diesmal konnten Kinder zwischen vier Karussels und einer großen Trampolinanlage wählen. Und Entenangeln gab es gleich in verschiedenen Varianten. Bei einer waren Felix (5) und sein Bruder Moritz (3) konzentriert bei der Sache. Felix zielte gut und traf mit dem Magneten der Angel jede Ente, doch manche ging ihm wieder vom Haken. "Du musst langsam ziehen", erklärte sein Opa. 

Auftakt der Hagener Kirmes am Samstag. Foto: Michael Gründel



Ganz gemütlich genießen

Christina und Friederich Seipel. Auftakt der Hagener Kirmes am Samstag. Foto: Michael Gründel


Ganz ohne Enkelkinder und Familie waren Christel und Friedrich Seipel unterwegs. Die Osnabrücker hatten sich zwei der raren Sitzplätze gesichert und saßen vor dem Zelt der Lounge Corner. "Die Hagener Kirmes muss sein! Wir waren schon als junge Leute hier, da ging es lustig zu", so die beiden, die ihren Platz wunderbar fanden und die Kirmes nun richtig genießen wollten. 

Hoch hinaus und viel gekreiselt

Auftakt der Hagener Kirmes am Samstag. Foto: Michael Gründel


Während die Osnabrücker es ruhig angingen, war die Kirmes für Teenager vor allem eines: Aufregend. Tuschelnd standen einige vor dem Beach Jumper, der nichts für schwache Mägen war. Die, die mitfuhren hatten dennoch sichtlich Spaß: Viele kreischten vor Vergnügen, und die langen Haare der Mädchen flogen. Gekreischt wurde auch gegenüber beim Avenger Royal. Während beim Beach Jumper kreiselnde und hüpfende Bewegungen angesagt waren, ging es mit dem Avenger hoch hinaus - bis zum Überschlag in 24 Metern Höhe. Madleine (14) war begeistert: "Das ist so cool. Ich bin schon vier Mal damit gefahren." Auch ihre Freundin Marie (14) war schon vier Mal im Avenger gewesen, während Brandon (11) erklärte: "Das ist nix für mich." Sein Ding waren der Musikexpress oder die Raupe. Außerdem konnten die drei Crepe und Pizza empfehlen sowie den Brezelstand. "Ich liebe die Brezeln", so Madline. Einig waren sich die Drei, was den Kirmesbesuch anging: "Das ist hier Tradition." 

Auftakt der Hagener Kirmes am Samstag. Foto: Michael Gründel


Das hat Tradition

Auftakt der Hagener Kirmes am Samstag. Foto: Michael Gründel


Ebenfalls Tradition ist, dass die Kirmes in Hagen nicht nur auf einem Kirmesplatz startet, sondern sich durch den Ort zieht, und die Buden auch schon mal in Häusereinfahrten neben frisch geharkten Vorgärten stehen. Stummers Creperie beispielsweise steht schon rund 25 Jahre jedes Jahr vor dem gleichen Wohnhaus, und noch länger kommt Feldmanns Raupe nach Hagen. Gerade waren Alfons Elixmann und seine Enkelin Kim (6) eine Runde mitgefahren: "Das machen wir jedes Jahr", erklärt Kim, und ihr Opa nickte. "Das ist herrlich", fand Elixmann, der mit 15 oder 16 Jahren das erste Mal Raupe fuhr und seit dem jedes Jahr eine Runde dreht. Ansonsten sei für ihn das Beste an der Kirmes, das "Rübergehen": "Ich habe schon viele Bekannte getroffen." 

Auftakt der Hagener Kirmes am Samstag. Foto: Michael Gründel


Dunkelfahrt für Teenie-Paar


Fahrgeschäft von 1947. Jürgen Urban bestimmt Geschwindigkeit und stülpt die Plane über die Kabinen. Foto: Michael Gründel


Dann startet die nächste Runde zu Rock´nRoll-Oldies, und Dirk Lotte von Feldmanns Raupe berichtete, Elixmann sei nicht der einzige, für den eine Runde Raupe fahren, einfach zur Kirmes mit dazu gehöre: "Es gibt eine Dame, die ist jetzt 82 Jahre alt, und fährt immer noch jedes Jahr mit." Dann griff Lotte zum Mirko und verkündete: "Jetzt eine lange Dunkelfahrt für Wagen neun." Darin saßen zwei Teenager, jeder in seiner Ecke und mit möglichst unbeteiligtem Blick. Doch Lotte hatte die zwei fest im Blick, und Jürgen Urban, der Buchstäblich am Hebel für das Verdeck saß, erzählte: "Ich habe hier vor 18 Jahren auch meine Frau kennengelernt." Nicht nur er, auch so mancher Senior erinnerte sich an erste Küsse in der Raupe. Dann ging das Verdeck wieder auf, die Fahrt war vorbei, die Teenager blickten möglichst cool. Und Urban verkündet: "Die Kirmes hier ist einzigartig, der Hammer." 

Fahrgeschäft von 1947. Jürgen Urban bestimmt Geschwindigkeit und stülpt die Plane über die Kabinen. Auftakt der Hagener Kirmes am Samstag. Foto: Michael Gründel



Unruhige Nacht für die Einsatzkräfte

Während die Kirmes für die meisten ein Vergnügen ist, hatten Polizei, Deutsches Rotes Kreuz (DRK) und die Malteser am ersten Kirmesabend viel Arbeit: "Gegen 22 Uhr fing das mit diversen Körperverletzungen an", berichteten die Malteser, und die Polizeiwache Georgsmarienhütte, die für die Hagener Kirmes zuständig ist, bestätigte am Sonntag: "Gestern war es sehr unruhig: Wir hatten zehn Anzeigen wegen Körperverletzungen." Bei der Oeseder Kirmes zuvor sei "gar nichts" gewesen, gestern in Hagen dagegen gab es mehrere Strafanzeigen. Die Malteser fanden zwar, dass "nicht mehr los war, als in den vergangenen Jahren", dennoch reichte die Bandbreite der Verletzungen, die sie versorgten von kleinen und großen Schnittverletzungen bis zu Bänderrissen und Augenverletzungen. Einige Krimesbesucher mussten ins Krankenhaus gebracht werden. Nicht alle Verletzungen stünden jedoch mit den Körperverletzungen in Zusammenhang, so die Malteser. Manche Besucher seien beispielsweise auch alkoholbedingt gestolpert oder gestürzt.

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