Für Tempo 30 nicht laut genug Lärmschutz an Hagens vielbefahrenen Straßen nicht in Sicht

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Im Schnitt 8000 Fahrzeuge fahren täglich über die L95 – doch der Lärmpegel überschreitet Untersuchungen zufolge nicht den kritischen Wert.Foto: Michael GründelIm Schnitt 8000 Fahrzeuge fahren täglich über die L95 – doch der Lärmpegel überschreitet Untersuchungen zufolge nicht den kritischen Wert.Foto: Michael Gründel

Hagen Alle fünf Jahre werden nach der EU-Umgebungslärmrichtlinie an Straßen mit mehr als drei Millionen Fahrzeugen jährlich sowie Bahnstrecken mit mehr als 30.000 Zugbewegungen die sich daraus ergebenden Belastungen für die Anwohner ermittelt. In Hagen gilt dies für die Landesstraßen L95 und L89 sowie die Schienenverbindung zwischen Osnabrück und Münster.

Planer Ralf Pröpper vom Osnabrücker Gutachterbüro rp Schalltechnik hat bei der jetzt anstehenden Fortschreibung der von der EU vorgegebenen Lärmaktionsplanung den Mitgliedern des Wege- und Verkehrsausschusses keine Hoffnung auf eine Verbesserung der Situation an den viel befahrenen Straßen machen können. Seine klare Aussage: „Die berechneten Werte reichen nicht für Lärmschutzmaßnahmen.“

Werte nicht ausreichend

Dies gilt auch für den Bereich der Osnabrücker Straße (K301) im Ortszentrum, der diesmal ebenfalls in den Fokus genommen wurde. Dort klagen die Anwohner seit Langem über den Verkehrslärm der zwischen 7100 und 7400 Fahrzeuge, die hier im Schnitt täglich gezählt werden. Die Ausschussmitglieder hatten sich erhofft, dass die Werte hier im Zentrumsbereich eine Geschwindigkeitsreduzierung auf Tempo 30 ermöglichen.

Doch die Zahlen geben dies nicht her. Schallschutz-Fachmann Ralf Pröpper: „Die vorgegebenen Werte der hier geltenden deutschen Lärmschutzvorgaben, um die Belastung zum Beispiel durch eine Tempo-30-Regelung zu reduzieren, werden nicht überschritten.“ Dies gilt sowohl für den 24-Stunden-Wert, der bei 62 bis 70 Dezibel liegt, als auch die mit 49 bis 57 Dezibel ermittelte Schall-Belastung in den acht Nachtstunden.

Laut nationaler Richtlinie ist für Lärmschutz Voraussetzung, dass die Belastungen 72 (Tagesdurchschnitt) oder 62 (Nacht) Dezibel für den Bereich von Mischgebieten sowie 70 beziehungsweise 60 Dezibel für „Allgemeine Wohngebiete“ betragen. Gutachter Pröpper: „Entweder ist der Verkehr an der Stelle zu gering, oder es sind zu wenig Lkw in dem Abschnitt unterwegs.“

Insgesamt sei hier ein Problem, dass die ermittelten Zahlen auch nicht auf vor Ort gemessenen Werten basierten, sondern es sich um Berechnungen anhand von Modellen handele. Keine Zweifel gibt es für Pröpper an den Verbesserungen, die durch eine Tempo-30-Regelung für die Betroffenen erreicht würden: „Als Faustformel gilt, dass dies eine zwischen 2,5 und 3 Dezibel geringere Belastung bringt.“

Auf den beiden Landesstraßen im Gemeindegebiet bewegt sich die Zahl der Gesamtfahrzeuge unterhalb der eigentlich für eine Lärmaktionsplanung vorgesehenen durchschnittlich 8200 motorisierten Verkehrsteilnehmer täglich. Dies ergibt dann insgesamt ein Verkehrsaufkommen von drei Millionen Autos, Lastern und Motorrädern pro Jahr.

Aber bei entsprechenden Lärmwerten werden auch Teilbereiche untersucht, die eine Belastung ab 7500 Fahrzeuge pro Tag aufweisen. Dies ist sowohl auf der L95 (8000 Fahrzeuge) als auch der L89 (7500) gegeben. Aber auch hier wird der Auslösewert, der nach der EU-Richtlinie bei 70 Dezibel (Zeitraum 24 Stunden) beziehungsweise 60 Dezibel (Nachtstunden) liegt, nicht überschritten.

Belastung an Bahnstrecke in Natrup-Hagen

Anders ist die Situation im Bereich der Bahnstrecke zwischen Osnabrück und Münster in Natrup-Hagen. Hier liegt die Gesamtzahl der betroffenen Anwohner bei rund 900. Von ihnen wohnen 30 Personen an Standorten, an denen tagsüber der Lärmpegel den Auslösewert übersteigt. In den Nachtstunden steigt diese Zahl auf 50 Fälle, in denen die Belastung über dem kritischen Wert liegt. Das Eisenbahnbundesamt hat Hagen deshalb in die Lärmschutz-Planungen aufgenommen.

Die Zwischenergebnisse der Lärmaktionsplanung werden jetzt im Rathaus öffentlich ausgelegt, um den Bürgern die Möglichkeit für Anregungen und Bedenken zu geben. In einer der nächsten Sitzungen des Wege- und Verkehrsausschusses dürfte dann der Lärmaktionsplan erneut auf der Tagesordnung stehen.


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