Win-Win-Situation Hagen will Wasserwerk veräußern

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Kostenfaktor Wasser:Die Gemeinde Hagen überlegt, das Wasserwerk Schollbruch zu verkaufen. Das Geld für dringend nötige Sanierungsmaßnahmen ist knapp, und unterm Strich hätte jeder etwas davon. Foto:dpa/ Ralf HirschbergerKostenfaktor Wasser:Die Gemeinde Hagen überlegt, das Wasserwerk Schollbruch zu verkaufen. Das Geld für dringend nötige Sanierungsmaßnahmen ist knapp, und unterm Strich hätte jeder etwas davon. Foto:dpa/ Ralf Hirschberger

Hagen. Die Kirschgemeinde beabsichtigt, das Wasserwerk mit Brunnen und Hochbehälter zum Jahreswechsel an den Wasserbeschaffungsverband (WBV) Osnabrück-Süd zu verkaufen. Das Leitungsnetz und die Abrechnung verbleiben bei dieser Lösung weiter in Gemeinderegie. Auch der Wasserpreis wird sich nach Angaben der Verwaltung nicht ändern.

Aus Sicht von Bürgermeister Peter Gausmann und Kämmerin Christine Möller sowie der Mitglieder des Finanzausschusses, in dem das Thema am Mittwochabend beraten wurde, ergibt sich durch die geplante Veräußerung eine Win-Win-Situation. Denn Hintergrund der angestrebten Änderung bei der Wasserversorgung ist, dass der Eigenbetrieb nicht über die Rücklagen für die notwendigen Sanierungskosten in Höhe von 965000 Euro verfügt.

Verbesserung der Wasserqualität

„Natürlich könnten wir das auch alleine stemmen. Aber für die Finanzierung müsste der aktuelle Wasserpreis von einem Euro netto für die ans Wasserwerk angeschlossenen Haushalte, also vor allem für die Niedermark, nahezu verdoppelt werden“, machte Hagens Bürgermeister die Auswirkungen deutlich. Durch die Vertragslösung mit dem WBV-Süd sei es aber möglich, dass bisherige Gebührenniveau trotz der notwendigen Investitionen zu halten.

Für die Bürger ergebe sich zudem der Vorteil, dass sich die Wasserqualität verbessern wird. Gausmann: „Durch die Sanierung von Wasserwerk, Brunnen und Hochbehälter wird sich der Eisen- und Mangananteil verringern.“ Die bräunlichen Wasserverfärbungen, die bisher zum Teil bei Reparaturarbeiten aufgetreten sind, wird es durch die größeren Leitungsmengen wohl nicht mehr geben.

Auch für den WBV-Süd ergeben sich durch die Übernahme Vorteile. Die Hagener Wasserförder- und Speicheranlagen ermöglichen eine höhere Versorgungssicherheit. Zudem wird es durch die Übergabestation am Bahnhof für den WBV-Süd möglich, einen weiteren Zulieferer, die Wasserversorgung Tecklenburger Land, zu nutzen.

Auch finanziell gibt es einen Vorteil für den Wasserbeschaffungsverband Osnabrück-Süd: Der teuere Zukauf von Wassermengen zur Abdeckung der Verbrauchsspritzen in den Sommermonaten kann deutlich reduziert werden.

Rat beschließt im Dezember

Auch nach dem beabsichtigten Verkauf bleibt es bei den unterschiedlichen Frischwasserpreisen in der durch das Wasserwerk der Gemeinde versorgten Niedermark mit einem Euro netto und Altenhagen, wo der dortige Wasserverband 20 Prozent günstiger ist. Ursachen sind die komplett ehrenamtliche Struktur des Altenhagener Verbands, und die geringeren Kosten, da hier kein Wasserwerk unterhalten werden muss.

Die unterschiedliche Belastung der Bürger wird jedes Jahr im Finanzausschuss diskutiert, wenn der Jahresabschluss der Wasserwerke auf der Tagesordnung steht. Hier bestätigen die Zahlen der Bilanz 2017 jetzt noch einmal die problematische Situation im Hinblick auf die Finanzierung notwendiger Sanierungen. Das ordentliche Ergebnis weist für das vergangene Jahr einen Verlust von 516,47 Euro aus. Der aufgelaufene Fehlbetrag beläuft sich damit aktuell auf22.224,53 Euro.

Kämmerin Christine Möller: „Wir konnten den Wasserverkauf zwar zuletzt um 2,5 Prozent steigern, aber die Verbrauchsentwicklung bewegt sich weiter deutlich hinter den Bedarfsprognosen.“ So könnten wir zwar kleinere Reparaturen finanzieren, aber die Bildung von Rücklagen für größere Investitionen sei nicht möglich.

Deshalb ist für die Verwaltung das Ergebnis der Vertragsverhandlungen mit dem WBV-Süd auch „sehr positiv“. Im Finanzausschuss erfolgte am Ende keine Beschlussempfehlung zum Wasserwerkverkauf, da die SPD-Fraktion hier noch keine abschließende Beratung vornehmen konnte, da die letzten Unterlagen erst kurzfristig zugeschickt wurden. Ende September kommt das Thema auf die Ratstagesordnung.


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