Folge des Sommers Apfelbaum in Hagen erlebt seinen zweiten Frühling

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Der Apfelbaum des Hageners Christian Schlie blüht zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres.Foto: Christian SchlieDer Apfelbaum des Hageners Christian Schlie blüht zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres.Foto: Christian Schlie

Hagen. Da traute NOZ-Leser Christian Schlie aus Hagen seinen Augen kaum, als er in seinem Garten entspannte: Sein Apfelbaum hat erneut Blüten gebildet. Steht dem Hagener nun der zweite Apfelsegen innerhalb eines Jahres bevor?

Die weißen Blüten mit violettem Farbstich lassen sich an zwei Händen abzählen, aber sie sind unübersehbar, hier an der Wilopstraße. Der Apfelbaum in Christian Schlies Garten erlebt gerade seinen zweiten Frühling innerhalb eines Jahres. Das Phänomen hatte Schlie zuvor noch nicht gesehen. Darf sich der Hagener nun auf Winteräpfel aus eigenem Anbau freuen?

Die nüchterne Antwort: Wohl eher nicht. „Die Chancen, dass es zu einer zweiten Ernte kommt, dürften gegen Null gehen“, erklärt Michael Ruhnau. „Selbst wenn die Blüten erneut bestäubt werden, die Witterung in den kommenden Monaten würde den Reifeprozess zunichtemachen.“

Keine Seltenheit

Ruhnau kommt aus Bülstedt, nordöstlich von Bremen. Als Pomologe ist er Fachmann, wenn es um Äpfelbäume und ihre Phänomene geht. Derartige Fälle wie in Hagen sind nach diesem Sommer allerdings keine Seltenheit. Als Sprecher des Pomologenvereins Niedersachsen-Bremen habe er von vergleichbaren Geschichten schon häufiger gehört.

Normalerweise setzt im April oder Mai die Blütephase der Apfelbäume ein. Dass sie innerhalb eines Jahres gleich zweimal blühen, kommt unter normalen Umständen eher selten vor. „Das Phänomen lässt sich gelegentlich bei kranken Bäumen beobachten. Häufig liegt eine Störung der Energieversorgung vor“, so der Pomologe. „Wenn der Baum nicht ausreichend Wasser aufnehmen kann und das Gefühl hat, er stirbt, dann bildet er Notblüten.“ Der Apfelbaum versuche, ein letztes Mal Äpfel zu bilden, um seinen weiteren Fortbestand zu sichern.

Extrem-Sommer ein Faktor

Doch bei Christian Schlies Apfelbaum ist das nicht der Fall. Er ist kerngesund. „Welche Signale nun für die erneute Blütezeit verantwortlich sind, das lässt sich aus pomologischer Sicht nicht eindeutig beantworten“, sagt Ruhnau. Der Fachmann ist sich jedoch sicher, dass der Extrem-Sommer ein wichtiger Faktor gewesen sein muss. Und auch die Apfelsorte sei in solchen Fällen nicht unbedeutend: „Der Boskop ist für derartige Phänomene offener als andere Sorten.“


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