Fruchtige Erfrischung Die Kirsche auf dem Kirscheis ist der regionale Ursprung

Von Andre Partmann

Kirscheis mit regionalen Kirschen gibt es im Eiscafé Rizzi. Darüber freuen sich (von links): Felicitas Wöhrmann, Gabi Völler und Kornelia Lauxtermann sowie Juniorchef Daniel Rizzi und Seniorchef Pietro Rizzi. Foto: Swaantje HehmannKirscheis mit regionalen Kirschen gibt es im Eiscafé Rizzi. Darüber freuen sich (von links): Felicitas Wöhrmann, Gabi Völler und Kornelia Lauxtermann sowie Juniorchef Daniel Rizzi und Seniorchef Pietro Rizzi. Foto: Swaantje Hehmann

Hagen. Die Kirsche auf dem Eis gibt es in diesem Fall nicht. Denn sie steckt schon drin. Das Tüpfelchen auf dem "i" ist ein anderes. Warum die Eissorte in einer Hagener Eisdiele eine Rarität ist – und diese womöglich schon bald vergriffen ist.

Da sind die verschiedensten Sorten Eis in der Vitrine von Juniorchef Daniel Rizzi. Die Klassiker. Vanille, Haselnuss und Schokolade. Die Fruchtbomben. Maracuja, Himbeere und Zitrone. Und dann sind da noch die Experimente: Cheese Cake, Crème Brulée, und Kirsche. Bitte was, Kirscheis? 

Nein, kein Fehler. Tatsächlich wahr. Daniel Rizzi experimentiert mit Kirschen. Vor dem Hintergrund, dass geschätzt mehr als jede zweite Eisdiele in Deutschland eine solche Sorte im Angebot hat, klingt das ziemlich schräg. Denn mal ehrlich: Was lässt sich schon optimieren, was eigentlich schon als perfekt angesehen wird? Oder würde heute noch jemand auf die Idee kommen, plötzlich das Rad neu zu erfinden? 

Eine Überlegung wäre es zumindest wert. Nämlich wenn, wie in diesem Fall, neues und zugleich erfolgversprechendes Material auf den Markt drängt. Während viele Eiscafés in Deutschland ihre Kirschen aus den südlich gelegenen Ländern und Eurasien beziehen, setzt Daniel Rizzi bei der Herstellung seines italienischen Gelatos bewusst auf Regionalität. Keine Sorten aus der Türkei. Stattdessen saftige Süßkirschen wie "Schneiders" und "Schubacks Frühe Kirsche" aus Hagen.


Seniorchef Pietro Rizzi reicht derzeit Kirscheis mit Hagener Kirschen üben die Vitrine. Foto: Swaantje Hehmann


Wie es dazu kam? "Hagen ist seit dem 16. Jahrhundert bekannt für den Anbau von Kirschen", erzählt Kornelia Lauxtermann. Sie bietet regelmäßig Führungen über den Kirschlehrpfad der Gemeinde an. Dieser entstand, weil die Kirschbäume über die Jahre schleichend von der Bildfläche verschwanden. Es war die Zeit vor der Jahrtausendwende, als sich eine Initiative formierte, um die Bestände zu zählen und zu erhalten. Seit 2004 ist Hagen mittlerweile anerkannter Standort der "Deutschen Genbank Obst für die Erhalten alter Süßkirschensorten". Am Lehrpfade wurden bislang 368 Bäume gepflanzt, der Bestand umfasst aktuell rund 120 Sorten.


Wir haben mit unserem überschaubaren Team von sechs Leuten mehrere Zentner geerntetKornelia Lauxtermann


Die Sommerernte fällt auf die Monate Mai, Juni und Juli. Genau bestimmen lässt sich das nie. "Das Wetter ist ein großer Faktor", erklärt Lauxtermann. In diesem Jahr sei die Ernte großzügig ausgefallen. "Wir haben mit unserem überschaubaren Team von sechs Leuten mehrere Zentner geerntet", sagt Lauxtermann. Die Menge hätte noch größer ausfallen können. "Nur gingen uns die Lagerkapazitäten langsam aus."

Die gepflückten Kirschen werden eingefroren, so sind sie mindestens bis zur nächsten Ernte haltbar. Anschließend werden sie weiterverarbeitet. Zu Brotaufstrichen. Oder zu Chutney. Zwei Betriebe aus der Gemeinde werten ihre Gerichte bereits mit der fruchtigen Sauce auf, die Restaurants "Zum Forellental" und der "Platzhirsch". Die Drohner Edelbrennerei Ey stellt zudem einen Likör aus den Hagener Kirschen her. Regionale Produkte für regionale Verbraucher und Betriebe – so hatten es sich die Ehrenamtlichen aus dem Team der Kirschlehrpfades vorgestellt. 


Ein Eis mit regionalen Kirschen, das gab es bislang noch nicht.Gabi Völler


Mit dem Eiscafé Rizzi ist nun ein weiterer Betrieb vom Hagener Kirschfieber infiziert. "Ein Eis mit regionalen Kirschen, das gab es bislang noch nicht", sagt Gabi Völler, die ebenfalls ehrenamtlich im Kirschlehrpfadteam engagiert ist. Sie habe daraufhin Kontakt mit Daniel Rizzi und Seniorchef Pietro Rizzi aufgenommen, um sie für die Idee zu begeistern. Und die zwei Hagener mit italienischem Blut in den Adern? Die waren Feuer und Flamme für die Idee, falls so etwas in einem Eiscafé ansatzweise möglich ist.


Daniel Rizzi verziert das Hagener Kirscheis für den Verkauf. Foto: Swaantje Hehmann


"Nicht jede Kirschsorte kommt für die Herstellung von Eis infrage. Wir brauchen Süßkirschen für unser Gelato", hatte Daniel Rizzi nach der ersten Kontaktaufnahme erklärt. Die Frucht dürfe keinen hohen Wasseranteil haben, stattdessen müsse sie einen umso höheren Zuckeranteil in Form von Fructose aufweisen. Gabi Völler verstand. Und sie lieferte die passenden Sorten. 

In diesem Jahr sind die Kirschen aus Hagen derartig günstig gereift, dass sie sich perfekt für die Herstellung von Eis anbieten. "Die Süße der Kirsche reicht schon fast aus"; sagt Daniel Razzi. Er müsse kaum Zucker noch dazugeben. Und das wirke sich gleich doppelt positiv aus: Zum einen ist das Eis dadurch weniger kalorienhaltig, zum anderen kommt der Geschmack der Kirsche noch deutlicher zum Tragen.


Hagener Schuhbacks Kirsche - und die Kunden im Eiscafé Rizzi wissen Bescheid. Foto: Swaantje Hehmann


"Das Feedback zum Kirscheis ist total positiv", sagt Daniel Razzi. Eben erst hat er bei Gabi Völler erneut neue Süßkirschen geordert. Für die Herstellung von einen Behälter voll Eis verwendet er rund zwei bis zweieinhalb Kilogramm Kirschen. Bislang sind noch genug Kirschen aus der Region verfügbar. "Aber die Bestände sind endlich", sagt Lauxtermann. Und auch die Produktion der Marmelade, des Chutneys und des Likörs stehen nicht still. 


An folgenden Orten lassen sich Produkte mit Hagener Kirschen kaufen:

  1. Rathaus Gemeinde Hagen
  2. Hofladen Ehrenbrink-Brockmeyer

sowie bei Führungen über den Kirschlehrpfad.

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