Erlebnisse in Wald und Flur Eine Woche Sprachförderung für Zuwandererkinder in Hagen

Von Petra Pieper

Das Programm im Sprachcamp und die Naturerlebnisse rund um das Schullandheim Mentrup-Hagen gefallen den Zuwandererkindern bestens. Foto: Petra PieperDas Programm im Sprachcamp und die Naturerlebnisse rund um das Schullandheim Mentrup-Hagen gefallen den Zuwandererkindern bestens. Foto: Petra Pieper

Georgsmarienhütte/Hagen. Der Deutschunterricht gefällt Danya am besten, während ihre jüngere Schwester die Ausflüge in den Wald vorzieht: „Da ist es cool und gefährlich“, schwärmt Dunja. Für Sinar ist die ganze Woche ein „Mega-Spaß“. Die Kinder nehmen mit 13 weiteren Mädchen und Jungen am dritten Sprachcamp für Zuwandererkinder aus Hagen und Georgsmarienhütte im Schullandheim Mentrup-Hagen teil.

„Während ihre Klassenkameraden in den Urlaub fahren, erleben die Kinder aus Syrien, Irak und Serbien hier eine lehr- und abwechslungsreiche Ferienwoche mit Spiel, Sport und Naturerfahrung“, erläutert Christine Pohlmann, Vorsitzende des Trägervereins Schullandheim Mentrup-Hagen, aber gefährlich sei das Programm durchaus nicht. Jeden Morgen werden die zehn- bis sechzehnjährigen Teilnehmer per Bus abgeholt, zum idyllisch im Wald gelegenen Haus gefahren und abends wieder zurückgebracht. Der Vormittag steht im Zeichen von Unterricht, der den Kindern ganz offensichtlich gut gefällt. In den ersten beiden Stunden gibt es ungezwungenen Deutschunterricht in zwei Kleingruppen: „Heute mussten wir uns Wörter merken und wer die meisten hatte, bekam ein kleines Geschenk“, berichtet Dunja. Nach einer kurzen Pause geht es jeweils mit interessantem Sachunterricht - Bio, Erdkunde oder Mathe - weiter, den pensionierte Lehrer ehrenamtlich durchführen. „Vorgestern haben wir ganz viele ausgestopfte Tiere kennengelernt“, erzählen die Kinder. Und als sie am nächsten Tag einen lebenden Eichelhäher sahen und ihn benennen konnten, war das ein schönes Erfolgserlebnis für sie.

Halal gekochtes Mittaghessen

Mittags gibt es ein frisch und halal gekochtes Mittagessen. Zwei Mädchen wischen anschließend freiwillig den Essraum. „Natürlich Mädchen!“ entfährt es einer Besucherin. „Nun, wir können nicht alles auf einmal erreichen“, antwortet Christel Pohlmann, die gemeinsam mit ihren Vorstandskolleginnen Monika Brinkwerth-Heuer und Christel Steinkamp das Projekt als sehr erfolgreich einschätzt. Sie unterstreicht, dass sich die Kinder inzwischen untereinander zumeist auf Deutsch unterhalten, obwohl mit Alin Louksa, einer angehenden Sozialassistentin, auch eine arabisch sprechende Dolmetscherin zur Verfügung steht.

Wandern und spielen

Die Nachmittage verbringen die Kinder in der Natur. Wanderungen und Spiele im Wald, teils unter Anleitung eines Erlebnispädagogen, machen die Woche unvergesslich. „Ich bin schon zum zweiten Mal hier, weil es so toll ist“, ruft Janja und Handa stimmt zu: „Die Schatzsuche, der Ausblick von der Almhütte und die Spiele mit Luftballons an der Wassertretstelle, das alles hat richtig viel Spaß gemacht“. Auch der Ausflug zur Landesgartenschau mit einer geführten Rallye und den abschließenden Wasserspielen kam bei den Kindern gut an. Dem heutigen Programm mit Nico Moucec, der Kooperationsspiele mit Abenteuercharakter vorbereitet hat, sehen sie schon mit Spannung entgegen. „Mal schauen, vielleicht können wir klettern oder etwa anderes Aufregendes machen“, stellt der Erlebnispädagoge in Aussicht. Für den letzten Nachmittag ist ein Projekt mit der Kunstschule Paletti geplant.

Finanziert von der Stahlwerkstiftung

Die anregende Ferienwoche ist für die Teilnehmer kostenlos; die Kosten in Höhe von 3600 Euro trägt die Stiftung Stahlwerk Georgsmarienhütte, die Deutschlehrer kommen von Volkshochschule des Landkreises Osnabrück und viele Aufgaben werden von Ehrenamtlichen und vom Trägerverein des Schullandheims Mentrup-Hagen übernommen. „Das ist eine gute Sache, ein Integrationsprojekt, bei dem mit wenig Geld viel bewirkt werden kann“, unterstreicht Beate-Maria Zimmermann, Vorstandsmitglied der Stahlwerkstiftung. Für den Herbst planen die Verantwortlichen eine vierte Auflage des Sprachcamps.


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