Etwas bewegen war sein Antrieb Pfarrer Josef Ahrens verlässt Hagen

Von Werner Barthel

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Josef Ahrens zeigt in seinem kleinen Garten das Abschiedsgeschenk des Christopheruskindergartens. Wohl wissend um seine Liebe zur Natur hat ihm das Team um Leiterin Barbara Scholl eine Rose geschenkt, die sofort einen besonderen Platz im Garten gefunden hat. Foto: Werner BathelJosef Ahrens zeigt in seinem kleinen Garten das Abschiedsgeschenk des Christopheruskindergartens. Wohl wissend um seine Liebe zur Natur hat ihm das Team um Leiterin Barbara Scholl eine Rose geschenkt, die sofort einen besonderen Platz im Garten gefunden hat. Foto: Werner Bathel

Hagen. Pfarrer Josef Ahrens war 60, als er nach Hagen kam. In einem Alter also, bei dem so mancher schon mal häufiger an den nahen Ruhestand denkt und von all den Hobbies träumt, für die bald mehr Zeit zur Verfügung steht. Am Sonntag feiert er nun seine letzte „offizielle“ Messe in der Hagener St. Martinus-Gemeinde.

Vor zwölf Jahren, im 46. Jahr als Seelsorger, war er dem Ruf des Bischofs gefolgt und hatte die Stelle in der Kirschgemeinde angetreten. Bereits nach der Hälfte dieser Zeit übernahm er auch die Leitung in der Gellenbecker Mariä Himmelfahrt Gemeinde. „Ich habe diese Herausforderung ganz bewusst angenommen“, sagt er, „weil es für mich an der Zeit war, etwas Neues auszuprobieren.“

Aller Anfang ist schwer

Trotzdem macht er keinen Hehl daraus, dass ihm das erste halbe Jahr in St. Martinus sehr schwergefallen ist: „Ich kannte nur ein Gemeindemitglied, aber ansonsten war ich ganz allein auf mich gestellt. Und das hat mir arg zu schaffen gemacht.“ Was ihm half, dieses psychische Tief zu überwinden, war die intensive Vorbereitung auf Begegnungen und Gespräche mit Gemeindemitgliedern bei allen kirchlichen Anlässen. „Bei Taufgesprächen, bei Hochzeiten oder Beerdigungen spürte ich, wie ich den Menschen immer näher kam.“

So gelang ihm, wovon Seelsorger schon in den Jahren als Kaplan träumen: Einmal eine Gemeinde zu erleben, die aufblüht und in dem verbindenden Willen, die christliche Botschaft ins Alltagsleben einzubeziehen, ungeahnte Kräfte entwickelt. Seinen Anteil an dieser Entwicklung spielt er herunter: „Ich habe dabei ja nur die Leitung gehabt. Alles andere haben die Gemeindemitglieder organisiert und durchgezogen.“

Leitungserfahrung

Doch wie sah diese „Leitung“ aus? Viele Gemeindemitglieder sind sich einig: „Leitung bedeutete für Pastor Ahrens, etwas bewegen zu wollen, klare Ziele zu formulieren und bei der Umsetzung hilfreich zur Seite zu stehen.“ Und noch etwas zeichnete seine erfolgreiche Arbeit aus. Er selbst umschreibt seine „Verdienste“ so: „Ich hatte das Glück, immer wieder auf Gemeindemitglieder zu stoßen, die nicht nur für Ideen zu begeistern waren, sondern auch mit Einsatz und Begeisterung gemeinsam formulierte Vorhaben umsetzten.“

Seine „Leitungsqualitäten“ beruhen auf einem einfachen Prinzip: „In den langen Jahren in den unterschiedlichsten Gemeinden habe ich die Erfahrung gemacht, dass viele von den haupt- und ehrenamtlichen Kräften so manches besser beherrschen als ich. Also überlasse ich ihnen die Ausführung und begnüge ich mich mit Anstößen und Begleitung.“ Froh und dankbar äußert er sich diesen „Experten“ aus allen Generationen gegenüber: „Ich fühle mich reich beschenkt. Es gibt viele darunter, die noch voll im Berufsleben stehen und sich trotzdem in ihrer kargen Freizeit in den Dienst an der Gemeinde stellen.“

Und er zählt Beispiele auf: „Was Andrea Puke in der Gemeindekatechese auf die Beine gestellt hat, sucht seinesgleichen. Auch die Hospizbewegung des Ehepaars Schlautmann-Haunhorst ist über Hagens Grenzen hinaus anerkannt.

Hier muss ich auch unbedingt das Ehepaar Berger mit ihren Chören und Gruppen nennen. Auch in verschiedenen Arbeitskreisen wird hervorragende Arbeit geleistet, ob bei der Vorbereitung der Firmlinge oder der Gestaltung von Gottesdiensten zu bestimmten Anlässen. Und welche Kirchengemeinde schafft es Jahr für Jahr, vier Jugendfreizeiten – zwei in Hagen, zwei in Gellenbeck-zu organisieren?“

Selbst in Sachen Ökumene hat sich in den letzten Jahren etwas getan. So klingelt das Telefon. Ahrens evangelischer Kollege Stefan Wagner bittet ihn, die Ansprache im Abschlussgottesdienst an der Oberschule zu übernehmen, da er so schlimm erkältet sei, dass er kaum sprechen könne. Josef Ahrens sagt zu, bittet aber um die Übermittlung der Gedanken zum Wortgottesdienst. Pfarrer Ahrens: „Uns verbindet inzwischen ein freundschaftliches Miteinander.“

Ruhesitz mit Haushälterin in Icker

Das Hagener Pfarramt hat Josef Ahrens bereits geräumt. Nachdem er sich lange nach einem geeigneten neuen Domizil umgesehen hat. In Icker fand er schließlich ein kleines Haus, das er sich mit seiner Haushälterin Maria Brinkmann teilt. „Ein kleiner Garten ist auch dabei, und ich muss nur wenige Schritte tun, um in der herrlichen Natur zu sein.“

Wie es weitergeht, lässt er auf sich zukommen. Er weiß aber jetzt bereits, dass es in seinem selbst gewählten Ruhestand mit 72 nicht nur Muße und Erholung geben wird. Unter Umständen wird er in der Osnabrücker Domgemeinde aushelfen. „Aber das lasse ich alles auf mich zukommen.“


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