Sonnenbrand und Pflanzenstress Saison der Freiland-Erdbeeren stark verkürzt

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Durch die heißen Temperaturen in den vergangenen Wochen war das Erdbeer-Angebot schon zum Erntestart riesig. Das hat nicht jedem Anbauer in der Region Osnabrück geschmeckt. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpaDurch die heißen Temperaturen in den vergangenen Wochen war das Erdbeer-Angebot schon zum Erntestart riesig. Das hat nicht jedem Anbauer in der Region Osnabrück geschmeckt. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Hagen. Ein erfrischender Erdbeerbecher oder eine Portion frischer Früchte mit einem Klacks Sahne obendrauf erfreut Herz und Gaumen, besonders wenn es die Sonne gut mit uns meint. Den süßen Früchten aber machen hohe Temperaturen zu schaffen. Von Sonnenbrand und Pflanzenstress spricht Erdbeerbauer Martin Rhotert aus Hagen.

Die hochsommerlichen Temperaturen haben auch bei den Früchteanbauern Stress ausgelöst. Die Blüte kam auf einen Schlag, als es nach einem kalten März so richtig warm wurde. Das hatte zur Folge, dass die Erdbeerpflanzen später voller Früchte waren, so dass die Saisonhelfer mancher Erdbeerbauern kaum mit dem Pflücken nachkamen.

Pflücken mittags eingestellt

Klaus Toppheide in Glandorf hat bei den hochsommerlichen Temperaturen der letzten Wochen das Pflücken mittags eingestellt: „Je kühler es ist, desto fester wird die Frucht, je wärmer desto weicher“. Vollreife Früchte bekommen beim Pflücken leicht Druckstellen, die die Verbraucher gar nicht mögen. „In manchen Läden sahen die Erdbeeren nach einem Tag unansehnlich aus“, hat Toppheide festgestellt. Sie wurden schnell zum Ladenhüter, trotz einiger Preisnachlässe.

In Normaljahren dauerte die Freiland-Erdbeersaison sechs bis acht Wochen, in diesem Jahr endet sie bereits nach etwa vier Wochen in wenigen Tagen. Martin Rhotert konzentriert sich traditionell ausschließlich auf den Freilandanbau. „Suboptimal“ ist sein Fazit, wenn man den Hagener Landwirt auf die Saison anspricht. In Zahlen will es der Erdbeerbauer nicht verdeutlichen, spricht aber von „weniger verkaufsfähigen Früchten als in den letzten Jahren“. Und wie zeigt sich der Sonnenbrand auf der Erdbeere: Keine Rötung, sondern bräunliche Flecken auf den Früchten, die auch nicht lecker aussehen, erklärt Rhotert.

Böckmann pflanzt immer wieder neu

Die ungewöhnliche frühsommerliche Hitzeperiode hat auch auf den Plantagen von Heinz A. Böckmann in Belm ein schnelles Wachstum ausgelöst. Inzwischen sind die Flächen abgeerntet, auf denen die Früchte unter Kunststofftunnel früh herangereift waren. Dennoch ist weiter für Nachschub gesorgt. Böckmann setzt in der Saison alle drei Wochen neue junge Erdbeerpflanzen auf seine Flächen. Nach sechs bis acht Wochen sind hier die Früchte reif: „So stellen wir sicher, dass wir bis Oktober immer qualitativ hochwertige Erdbeeren anbieten können“.

Die Arbeit auf seinen Feldern übernehmen zu 90 Prozent Pflücker aus Rumänien, der Rest – überwiegend langjährige Saisonkräfte – kommt aus Polen. Den hohen Erntedruck im Juni konnte Böckmann nur durch zusätzliche Helfer aus Rumänien auffangen. Insgesamt, bestätigte der Erdbeerbauer, seien kaum noch Saisonkräfte aus Polen zu bekommen. Er führt es auf die bessere Wirtschaftslage im Heimatland zurück, die Arbeitsplätze hervorgebracht hat, die eine leichtere Arbeit im Vergleich zum Pflückjob versprechen. Der Minderverdienst würde in Kauf genommen, weil das Erdbeerpflücken eine schwere Arbeit sei, unterstreicht Böckmann. Morgens um fünf Uhr sei es kühl und taunass, in der Mittagssonne auf dem Feld dagegen sehr heiß.

In Münsterland am Strauch vergammelt

Der Früchtelawine, die auf seinen Feldern heranrollte, konnte Klaus Toppheide gerade noch begegnen, indem er ebenfalls zusätzliche Saisonhelfer aus Rumänien engagieren konnte. So wurde beste Tafelware gerettet, die in anderen Regionen, so auch im Münsterland am Strauch vergammelte, weil Pflücker fehlten. Dies sei auch der Tatsache geschuldet, dass immer weniger Saisonkräfte aus Polen und Rumänien nach Deutschland kommen.

Dass der vermeintlich niedrigere Mindestlohn in Deutschland (8,84 Euro) gegenüber Belgien und den Niederlanden mit 9,50 bis 9,70 Euro damit etwas zu tun hat, bezweifelt Heinz Böckmann. In Deutschland würde der Stundenlohn netto ausgezahlt, solange die Pflücker sozialversicherungsfrei sind. In den beiden Nachbarstaaten müssten die Stundenlöhne aber versteuert werden.

Auf dem Hof Toppheide endet die Freilandsaison für Erdbeeren ebenfalls in diesen Tagen, doch auch hier gibt es keinen Mangel an süßen Früchten. Die bis Mai eingefrorenen und dann ausgebrachten Pflanzen beginnen jetzt Früchte zu tragen. Dank der Pflanzstrategie, ähnlich wie bei Böckmann, können die süßen Früchte bis Oktober gepflückt werden.


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