Vortrag von Rainer Rottmann Der Dreißigjährige Krieg im Kirchspiel Hagen

Von Horst Troiza

Die dunkle Zeit des Dreißigjährigen Krieges im Kirchspiel Hagen war Gegenstand des Vortrags von Heimatforscher Rainer Rottmann. Foto: Horst TroizaDie dunkle Zeit des Dreißigjährigen Krieges im Kirchspiel Hagen war Gegenstand des Vortrags von Heimatforscher Rainer Rottmann. Foto: Horst Troiza

Hagen. Selbst das kleine Kirchspiel Hagen blieb von den Wirren des Dreißigjährigen Krieges nicht verschont. Das wechselnde Wüten von kaiserlichen Truppen der Liga und denen der protestantischen Union dezimierte die Bevölkerung um ein Viertel. Heimatforscher Rainer Rottmann beleuchtete während eines Vortrags im Alten Pfarrhaus das Kriegsgeschehen auf Hagener Boden.

Auf den Tag genau 400 Jahre nach Beginn des großen europäischen Schlachtens trat der bekannte Heimatforscher mit seinem Bericht über das Geschehen vor die Öffentlichkeit. Dazu hatte er einen historischen Ort gewählt, denn der Grundstein des Alten Pfarrhauses rührt noch aus der Zeit von 1630/31 her. Geschätzte 60 interessierte Hörer hatten sich zu dieser Veranstaltung des Heimatvereins Hagen eingefunden.

Hagen – Europa im Kleinen

Rottmann breitete vor ihnen ein umfassendes Bild über die damaligen Zustände im Kirchspiel aus. Hagen war ein Spiegelbild des europäischen Geschehens im Kleinen. Die Besetzer kamen und gingen, die politisch-religiöse Landkarte wurde wie überall sonst von Jahr zu Jahr neu gemalt. Schon 1620 wurde allen Einwohnern des Kirchspiels drastisch die Bedeutung von Krieg vor Augen geführt, als 2000 „staatische Reiter“ der Liga ins südliche Osnabrücker Land einfielen und raubten, plünderten und mordeten. In Hagen wurde selbst die Kirche geplündert.

„Trotzdem wollten die Bewohner ihrem Leben in jener Zeit einen normalen Anstrich geben und bauten sich neue Häuser“, machte er aufmerksam. Als Beispiel zog er den Hof Rottmann heran, der 1622 von einem seiner Vorfahren errichtet worden war und verquickte somit europäische Geschichte mit der seiner Familie.

Kirche und Bevölkerung leiden unter Plünderungen

Ganz schlimm kam es für die Bewohner der Region im Jahr 1623, als zuerst die protestantischen Heerführer Ernst von Mansfeld und Christian von Braunschweig-Wolfenbüttel und danach der kaiserliche General Tilly mit ihren Truppen einfielen. „Wieder wurde die Kirche in Hagen ausgeraubt. Die Fenster wurden zerschlagen, um aus dem Blei Kugeln für die Musketen zu gießen. Die Holzbänke wurden ebenfalls zerstört“, zitierte Rottmann die Quellen.

Die Plünderungen sorgten für große Not bei den Menschen. Hunger herrschte allerorten, Brot aus Eicheln kam auf die Tische der Landbevölkerung. Und doch herrschte Überlebenswille. 1630/31 wurde das Pfarrhaus neu gebaut und das Richtfest wurde „mit einem Rind, Tanz und Musik und rund 800 Litern Bier gefeiert“. Doch konnte das natürlich nicht über die Not und die Armut der durch die Soldateska Drangsalierten hinwegtäuschen. Rottmann hat Kirchenbücher und Steuerlisten durchforstet, die eine eindeutige Sprache sprechen: Die Bevölkerung schrumpfte in den Kriegsjahren von 800 auf 600 Menschen und kaum ein Vollerbe, Halberbe oder Kötter konnte noch Steuern zahlen. Die Felder waren verwüstet, die Ernte und das Vieh konfisziert. Einzig den Pottbäckern im Kirchspiel ging es gut, waren sie doch ohne Ende damit beschäftigt, zerschlagenes Geschirr zu ersetzen.

Noch 1652, vier Jahre nach Ende des Schlachtens, zog ein Bauer namens Pötter aus Gellenbeck, der alles verloren hatte, „als Vagabundi“ mit seiner Familie durch das Kirchspiel. Dann schließlich sammelten andere Saatgut für ihn, so dass er seine Arbeit auf den Feldern wieder aufnehmen konnte.

Protestantismus setzte sich in Hagen nicht durch

„Das Kirchspiel Hagen wurde nach Kriegsende wie alle anderen Gemeinden in das Osnabrücker Alternat einbezogen. Katholische Pfarrer wechselten sich mit protestantischen Pastoren ab, doch der Katholizismus setzte sich letztendlich durch“, schloss der Heimatforscher seinen Vortrag.


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