Bildungsabend des Bezirksverbands KAB Hagen spricht über Digitalisierung der Arbeit

Von Stefan Buchholz

Digitalisierung spielerisch bewusster machen: Darum ging es beim Bildungsabend der Hagener KAB, Foto: Stefan BuchholzDigitalisierung spielerisch bewusster machen: Darum ging es beim Bildungsabend der Hagener KAB, Foto: Stefan Buchholz

Hagen. Die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) beschäftigte sich bei ihrem monatlichen Bildungsabend mit den Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeitswelt. Das Thema gehört mit in die aktuelle Kampagne „Arbeit.Macht.Sinn“, die bis 2021 in vielen KAB-Gruppen bundesweit diskutiert und mit Inhalt gefüllt werden soll.

Eine Einführung gab es von Frederick Heidenreich, dem Bezirkssekretär der KAB. Er schilderte, warum der christlich geprägte Arbeitnehmerverband dem Begriff „Industrie 4.0“ das Konzept „Arbeit 4.0“ entgegenhält.

Verwirrenderweise würden Digitalisierung und Industrie 4.0 oftmals in einen Topf geworfen. Doch Digitalisierung sei ein vom technischen Fortschritt getriebener Prozess, der sich nicht aufhalten lasse. Der Begriff „Industrie 4.0“ hingegen sei ein reines Marketingprodukt, meinte Heidenreich. Politik und Großkonzerne strebten eine Modernisierung der deutschen Wirtschaft. Industrie 4.0 bedeute neue hochqualifizierte Jobs, aber auch Wegfall von einfachen Tätigkeiten, vielleicht gar ganzer Stammbelegschaften, so der KAB-Sekretär.

Arbeit muss Sinn machen

Demgegenüber stelle die KAB das Konzept „Arbeit 4.0“. Dahinter stehe eine Bejahung der Chancen der Digitalisierung. Um sie richtig zu nutzen, brauche es Orientierung. Als „Leitplanken“ dienten Bibel und katholische Soziallehre. Wichtig sei auch, die Sinnhaftigkeit von Arbeit weiter zu betonen. „Welchen Sinn hat meine Arbeit, wenn ich, einfach gesprochen, nur noch auf Bildschirme starre und Parameter überwache?“, fragte Heidenreich.

Auch ein bedingungsloses Grundeinkommen ist Teil des KAB-Konzeptes Arbeit 4.0. Für den Arbeitnehmerverband eine Konsequenz, wenn künftig durch digitalisierte Produktionsprozesse keine oder weniger Arbeit für die Menschen bleibt. Eine reine „Alimentierung der Leute“ lehne die KAB aber ab, sagte Heidenreich.

Erwerbsarbeit ist nicht alles

Stattdessen müsse der Fokus künftig nicht mehr nur auf der Erwerbsarbeit liegen. Vielmehr brauche es die gleichrangige Bezahlung von Privatarbeit (Familie) und Arbeit für die Gemeinschaft. Finanziert werden könnte das durch eine Grundsicherung sowie eine Wertschöpfungs- und Maschinensteuer.

Spiel als Diskussionsanreiz

Um sich dem Thema der Digitalisierung weiter zu nähern, galt es nun für die Teilnehmer, das Karten- und Figurenspiel „Schöne Neue Arbeitswelt 4.0“ zu absolvieren. Darin ging es durch Ziehen von Wissens und Aktionskarten um den Gewinn eines Arbeitsplatzes in der neuen Arbeitswelt. Je vier KAB-Mitglieder spielten in einer Gruppe zwar gegeneinander, mussten aber stets über die Vorgaben auf den Karten miteinander sprechen. Derjenige, der eine Karte gezogen hatte, durfte je nach Kartenvorgabe auf den Feldern weiterrücken.

Beispielkarte zum Thema Home Office: „Die Arbeitszeit in deiner Wohnung ermöglicht dir die bessere Organisation deines Alltags. Familie und Arbeitsplatz kannst du gut aufeinander abstimmen.“ Konkrete Erfahrungen hatte damit zwar keiner am Tisch. Wünschenswert sei die bessere Vereinbarkeit schon, hieß es. „Aber ich habe eine Bekannte, die sagt: Ich wünsch‘ mir lieber den Arbeitstag mit festen Zeiten zurück“, erzählte eine Mitspielerin. Übrig blieben manche Fragen, die in einer Schlussrunde besprochen wurden. Zum Beispiel Bildung. Was braucht es dafür in digitalisierten Zeiten? „Der Umgang mit modernen Medien in der Schule“, meinte einer. „Mehr Empathie und die sogenannten leisen Töne, was Maschinen nicht kennen“, ein Anderer.


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