Einspruch verworfen Angeklagte aus Hagen stürmt schimpfend davon

Von Heiko Kluge

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Ein geordnetes Verfahren schien von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Der Einspruch der Angeklagten musste verworfen werden, nachdem diese wutentbrannt den Saal verlassen hatte. Symbolfoto: Michael GründelEin geordnetes Verfahren schien von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Der Einspruch der Angeklagten musste verworfen werden, nachdem diese wutentbrannt den Saal verlassen hatte. Symbolfoto: Michael Gründel

Bad Iburg/Hagen. Nach einem turbulenten Verfahrensauftakt verwarf das Amtsgericht kurzerhand den von einer 45 Jahre alten Frau aus Hagen eingelegten Einspruch gegen einen Strafbefehl. Die Angeklagte hatte sich innerhalb kürzester Zeit in Rage geredet und war dann laut schimpfend einfach aus dem Verhandlungssaal gestürmt.

Laut Anklage soll die 45-Jährige im März vergangenen Jahres für 1500 Euro einen gebrauchten Minivan von einer Privatperson gekauft haben. Allerdings soll sie die vereinbarte Ratenzahlung von monatlich 200 Euro nicht geleistet haben. Lediglich drei Mal sollen Raten von einmal 150 und zweimal 100 Euro erfolgt sein. Aus diesem Grund war gegen die Frau ein Strafbefehl wegen Betruges ergangen, gegen den sie Einspruch eingelegt hatte.

Rechtfertigung für Zahlungssäumigkeit

Schon während der Verlesung der Anklage brodelte es sichtlich in der 45-Jährigen. In einem atemlosen Redefluss begann sie unmittelbar darauf, sich zu rechtfertigen, sodass der Richter sie mit Nachdruck zur Ruhe ermahnen musste, um die Beschuldigtenbelehrung ungestört vornehmen zu können. „Der Wagen war von vornherein Schrott“, betonte die Angeklagte. Der Verkäufer habe ihr versichert, das Auto sei in Ordnung, dabei seien im Motor Reparaturen zum Teil mit Gartenschläuchen vorgenommen worden. Auf der Autobahn sei der Motor dann „explodiert“, es sei nur Glück, dass sie nicht ums Leben gekommen sei, so die Angeklagte.

Angeklagte in Rage

Während ihrer Schilderung ereiferte sie sich immer mehr und erging sich auch in Beschimpfungen gegen den Verkäufer des Wagens. Um den ungehemmten, erbosten Redefluss zu unterbrechen und zur eigentlichen Verhandlung zurückkehren zu können, sah sich der Richter genötigt, die Frau schließlich selber mit scharfen Worten und erhobener Stimme zu bremsen.

Doch der brüchige Friede hielt nicht lange. Als das Gericht den Verkäufer des Wagens als Zeugen hören wollte, war die vor Entrüstung bebende 45-Jährige zunächst nicht bereit, im Saal zu bleiben. Erst nach einer weiteren Auseinandersetzung mit dem Vorsitzenden blieb sie zunächst im Raum. Doch kaum hatte der Zeuge seine Aussage begonnen, kochte das Temperament der Frau erneut über: Nach einem geharnischten Redeschwall stürzte sie plötzlich aus dem Saal. „Sowas ist mir in 27 Jahren Berufserfahrung noch nicht passiert“, staunte der Staatsanwalt fassungslos. Kurz darauf riss die 45-Jährige die Tür zum Saal noch einmal auf, beschimpfte den Zeugen unter anderem als „verlogenes Stück“ und verließ dann endgültig die Verhandlung.

Richter und Staatsanwalt ratlos

Auch für den Richter war dieses Verhalten offensichtlich ein Novum. „Ich muss erst mal im Gesetz nachlesen, ob wir jetzt weiter verhandeln müssen“, sagte er. Die Antwort fand sich in einem Absatz des Paragrafen 329 der Strafprozessordnung, demzufolge das Gericht eine Berufung des Angeklagten ohne Verhandlung zu verwerfen hat, wenn dieser sich ohne genügende Entschuldigung entfernt hat. Auf Antrag des Staatsanwaltes wurde der Einspruch der Frau gegen den Strafbefehl kurzerhand verworfen. Gegen das Verwerfungsurteil kann die 45-Jährige erneut Rechtsmittel einlegen.


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