Konzert in Alter Kirche Hagen Orchester Osnabrücker Musikfreunde überrascht

Von Thomas Hitzemann

Starke Farben für eng verschlungene Klanglinien: Frühjahrskonzert des Orchesters Osnabrücker Musikfreunde (OOM) in der ehemaligen Kirche in Hagen. Foto: Michael GründelStarke Farben für eng verschlungene Klanglinien: Frühjahrskonzert des Orchesters Osnabrücker Musikfreunde (OOM) in der ehemaligen Kirche in Hagen. Foto: Michael Gründel

Hagen a.T.W. Im diesjährigen Frühlingskonzert zeigt das Orchester Osnabrücker Musikfreunde ganz verschiedene Facetten der Orchesterliteratur. Vertraute und doch nie ausgeschöpfte Töne präsentieren sie mit Johannes Brahms. Fast vergessener Musik von Paul Hindemith dagegen, verhelfen sie zu neuem Glanz. Schon der erste Abend in der Alten Kirche Hagen überzeugt.

Die freundliche Tonart D-Dur, in der Brahms seine zweite Sinfonie op. 73 geschrieben hat, passt bestens zum voll aufgeblühten Lenz. Verhalten gleitet eine sehnsuchtsvolle Melodie durch das erste Allegro. Die Melodik des Adagio ma non troppo sequenziert und begibt sich auf eine Wanderung durch alle Register des Orchesters. Holzbläser eröffnen pastoral das Allegretto grazioso und die Streicher antworten tänzerisch. Die einzelnen Instrumentalgruppen spielen locker und beweisen viel Selbstständigkeit.

Im Allegro con spiritu werden die Hauptthemen durch Unisono Passagen unterstrichen und wirkungsvoll aneinander gefügt. Dirigent Reinmar Neuner drängt sein Orchester in ein elegantes Finale.

Unerwartet, wie ein Gewitter im Frühling, bricht Paul Hindemiths Sinfonie „Mathis der Maler“ über das Publikum herein. Zu diesem dreisätzigen Werk ließ sich Hindemith seinerzeit durch Bilder aus dem Isenheimer Altar von Matthias Grünewald inspirieren. Die glühenden Farben und den dramatischen Figurenaufbau der Altartafeln verwandelt Hindemith in Töne von unerhörter Kraft.

Im ersten Satz „Engelskonzert“ hört man ein sanftes Flügelschwingen der musizierenden Engel, das jedoch häufig in heftiges Flügelschlagen übergeht. Bei der „Grablegung“ erklingen Flöte und Oboe hell und rein. Sie scheinen über kriechend langsamen Passagen im Tutti zu schweben.

Grünewalds „Versuchung des Heiligen Antonius“ zeigt die stärksten Farben und eine sehr bewegte Figurengruppe. Multimotivisch und stark rhythmisiert setzt die Musik dies um. Eng verschlungene Klanglinien verdeutlichen das grauenvolle Gewimmel auf der Bildvorlage. Obwohl das Orchester oft im Forte spielt, lassen sich die Strukturen und alle Feinheiten gut heraushören.

Hilfreich für das Publikum ist auch die gleichzeitige Projektion der Bilder auf Breitleinwand. Selten hat man den Dirigenten Reinmar Neuner nach einer Aufführung so zufrieden erlebt, wie diesmal. Zurecht!


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