Große Feuerwehrübung am Gibbenhoff Von der Playstation zur Feuerprobe in Hagen

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Hagen. Inszenierter Hilfseinsatz: Zu einer größeren Übung rückten am Dienstagabend die Hagener Feuerwehr und benachbarte Einheiten an. Gut 80 Einsatzkräfte probten den Ernstfall anhand eines ausgewachsenen Hausbrandes.

Kurz nach 19 Uhr wählte Horst Igelbrink die Leitstelle am Schölerberg an. Der Gemeindebrandmeister brauchte nur Stichworte, um das nur mit der Leitstelle abgesprochene Szenario auslösen: „Fortentwickelter Gebäudebrand am Gibbenhoff in Hagen“. Auf die exakte Adressangabe verzichtete Igelbrink. „Wenn die Kameraden die genaue Stelle lesen, wissen sie sofort, dass es nur eine Übung ist“, erklärte er und lächelte wissend.

Aus dem Alltag gerissen

Den Testlauf hatte der Gemeindebrandmeister persönlich entworfen. Sein Sohn und dessen Kumpels schalteten eine Kunstnebelanlage an und zündeten nach dem Alarmruf die Rauchbomben im denkmalgeschützten Haus. Anschließend bereiteten sie sich auf ihre eigentliche Rolle vor: Sie mimten Menschen, die der simulierte Brand in den oberen Etagen eingeschlossen hatte.

Gut acht Minuten nach dem Alarmruf war die Hagener Feuerwehr als erste mit drei Fahrzeugen vor Ort. „Ich war gerade an der Playstation und wollte eigentlich noch zum Fußballtraining“, erzählte Feuerwehrmann Jannik Kuzma später im Einsatz. Ähnlich war es bei Jasmin Fißmann. Die Feuerwehrfrau war zu Hause gerade mit der Installation eines Fliegengitters beschäftigt als sie der Ruf via Funkmelder und Smartphone erreichte. Sie war innerhalb von fünf Minuten am Feuerwehrhaus. „Ich muss immer noch durch eine 30er-Zone und darf auch trotz Notfall nicht schneller fahren“, berichtete sie.

Erst der Mensch, dann der Brand

Einsatzleiter war diesmal Stephan Stromann. Da der stellevertretende Gemeindebrandmeister nicht da war, bestimmte der Ablaufplan ihn als nächst-ranghöchsten Feuerwehrmann zum Chef vor Ort. Anders als im Ernstfall, wurde Stromann von Horst Igelbrink kurz zur Lage gebrieft. Der Rest folgte nach vorab entwickelten Einsatzszenarien und der Erfahrung von Stromann: Da klar ist, dass immer Menschenrettung vor Brandbekämpfung erfolgt, schickte er zunächst nicht nur Kräfte zur Aufstellung von Leitern, sondern auch Helfer mit Atemschutz zur Rettung der immer wieder um Hilfe rufenden „Eingeschlossenen“.

Drehleiter aus Oesede

Schnell war zudem klar, dass eine Rettung über Leitern an der Westseite des Hauses nicht möglich war. Also musste die Drehleiter der Oeseder Feuerwehr zu Hilfe gerufen werden. Das war bereits durch die Leitstelle geschehen, die die Übung ja mit Igelbrink abgesprochen hatte. Als die Drehleiter ebenfalls fix vor Ort ist, gibt es wegen der engen Straßen am Gibbenhoff und an der Jahnstraße ein kleines Problem. Besser wäre es gewesen, die Drehleiter wäre über den Gibbenhoff Richtung Süden angefahren. So muss nun erst ein Löschfahrzeug der Hagener rückwärts beordert werden. „Solche Kommunikations-Probleme sind kurzzeitig der Chaosphase geschuldet, die es bei jedem Einsatz gibt“, erklärte Horst Igelbrink. Einsatzleiter Stephan Stromann ergänzte, dass der zeitliche Verlust durch das Rücksetzen sich dadurch egalisierte, weil die Oeseder Drehleiter so gleich richtig positioniert stand. „Wäre sie aus südlicher Richtung gekommen, hätte sie erst wenden müssen.“

Dem Feuer einen Riegel vorschieben

Noch während der Rettung der „Eingeschlossenen“, rollten andere Feuerwehrleute zig Meter Schläuche aus. Ihre Verlegung diente dem zweiten Teil der Übung – dem Aufbau einer Riegelstellung. Da der angenommene fortentwickelte Brand auf ein Nachbargebäude überzugreifen drohte – so Igelbrinks Szenario – sollte das durch den Einsatz von viel Wasser sozusagen verriegelt werden. Dazu schossen Löschtrupps der Wehren Hagen und GMHütte sowie aus der Niedermark Wasser aus druckstarken Strahlrohren von der östlichen und westlichen Seite über das Haus.„Die Übung war actionmäßig sehr realitätsgerecht und ist sehr gut verlaufen“, urteilte Igelbrink zum Ende der gut 90-minütigen Übung. „Besonders die Menschenrettung ist schneller geschehen als angenommen.“


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