Fernab ausgetretener Pfade Junger Chor mit musikalischem Kontrastprogramm

Von Petra Ropers

Wandelte zur Sonntagsmusik in der Ehemaligen Kirche auf frischen, teils ungewohnten Klangpfaden: der Junge Chor Hagen. Foto: Petra RopersWandelte zur Sonntagsmusik in der Ehemaligen Kirche auf frischen, teils ungewohnten Klangpfaden: der Junge Chor Hagen. Foto: Petra Ropers

Hagen. Ein in Optik und Klangfarben gleichermaßen buntes Bild bot der Junge Chor Hagen in der Ehemaligen Kirche dar. Zur Sonntagsmusik wandelten die Sänger unter der Leitung von Donald Weiss souverän zwischen Renaissance und Moderne.

Im Spätsommer vergangenen Jahres übernahm der Osnabrücker die Leitung des Chores, der bei der beliebten Sonntagsmusik ein immer wieder gern gehörter Gast ist. Für die Musikfreunde stellte Weiss ein Programm zusammen, das in nur einer knappen Stunde die breite Vielfalt des Chor-Repertoires hörbar machte. Denn die Sänger fühlen sich in der klassischen Musikliteratur ebenso wohl wie in Gospel oder Jazz. Und auch bekannten Volksliedern verleihen sie gerne ein ansteckend-frisches Klanggewand.

Musikalische Frühlingsgefühle

Passend zur beginnenden Jahreszeit weckte der Chor, der seine Wurzeln in der Jugendmusikschule hat, zum Auftakt mit Werken aus der Renaissance heitere Frühlingsgefühle. Dabei hat Thomas Morleys bereits 1595 veröffentlichtes „Now is the month of Maying“ in der dynamischen, launigen Interpretation des Jungen Chores auch nach Jahrhunderten seinen Reiz nicht verloren. Mit einem kräftigen Augenzwinkern und musikalischem Humor fasste der französische Renaissance-Komponist Pierre Passereau den Tratsch einiger Frauen über ihre Ehemänner in quirlige, vom Chor flott intonierte Klangbilder.

Das Volkslied gilt längst als plattdeutscher Klassiker. In der Ehemaligen Kirche erhielt „Dat du min Leevsten büst“ ein ausdrucksvoll vielschichtiges Klanggewand. Doch der Junge Chor versteht sich auch auf die geistliche Musik. Zu einem eindringlich dargebotenen Höhepunkt des Konzertes avancierte deshalb Anton Bruckners 1869 komponierte Motette „Locus iste“, die ebenso schlicht wie ergreifend die Brücke zu den Grundfesten der Ehemaligen Kirche schlug.

Frostiger Nordwind in der Kirche

Der Kontrast zum Ausklang in ruhigem, hoffnungsvollen Dur-Akkorden kam in frostigen Dissonanzen mit Harald Genzmers „Steh auf, Nordwind“. Als „Bildungsauftrag“ bezeichnete Chorleiter Weiss scherzhaft den kleinen Exkurs ungewohnter Hörerlebnisse, der nach einem Abstecher nach Finnland versöhnlich mit einem südafrikanischen Wiegenlied endete. Dass der Junge Chor auch bei den Gospels nicht auf ausgetretenen Pfaden wandelt, verstand sich angesichts des zuvor Gehörten beinahe von selbst.

Energisch und fast getrieben von dem Drang, die gute Nachricht zu verbreiten, verkündeten sie „I can tell the world“. Spannungsvoll setzten sie mit „Peter’s Walk“ die Schritte des Petrus über das Wasser des See Genezareth in Szene. Ob peppig mit „Ding-a-Dong“ oder jazzig-eingängig mit „Mercy, mercy, mercy“: Der Junge Chor machte zur Sonntagsmusik seinem guten Ruf alle Ehre. Und der anhaltende Beifall bewies: Das kleine Konzert im Rahmen der Sonntagsmusik machte Lust auf mehr.