Spannende Suche nach Sonde Schüler der Oberschule Hagen starten Wetterballon

Von Andreas Wenk

Letzte Vorbereitungen vor dem wegen der Schlechtwetterfront vorgezogenen Ballonstart: Projektinitiator Rolf Schwake und Schüler bringen die Sonde an und bestücken ei n Styroporbox mit Kameras, GPS-Trackern und Akkus. Foto. Andreas WenkLetzte Vorbereitungen vor dem wegen der Schlechtwetterfront vorgezogenen Ballonstart: Projektinitiator Rolf Schwake und Schüler bringen die Sonde an und bestücken ei n Styroporbox mit Kameras, GPS-Trackern und Akkus. Foto. Andreas Wenk

Hagen. Einmal Stratosphäre und zurück hieß es für die selbst gebaute Sonde, die Schüler der Oberschule Hagen am Freitag mit einem Wetterballon gen Himmel schickten. Es war der Abschluss eines über ein Jahr lang akribisch vorbereiteten Wissenschaftsprojekts.

„Das ist genau das, was die später brauchen. Team- und Themenübergreifendes Arbeiten. Als wir vor einem Jahr den Förderantrag bekommen haben, hat uns das sofort überzeugt“, berichtet Christina Suthe von der VME-Stiftung am Rande des Sportplatzes hinter der Oberschule Hagen. Ihre Begeisterung gilt einem Projekt, das Rolf Schwake und Astrid Müller initiiert haben.

Ein Jahr Vorbereitung

Rund ein Jahr hat eine Arbeitsgemeinschaft aus 20 Schülern daran gearbeitet. Am Freitag hieß es dann „Leinen los“ für den Wetterballon und seine kostbare Fracht. Die Schüler hatten sich verschiedene Versuchsanforderungen ausgedacht und Berechnungen darüber angestellt, wie hoch der mit Helium gefüllte Wetterballon in die Stratosphäre fliegen soll, bevor er planmäßig zerplatzt und die daran hängende selbst gebaute Sonde an einem Fallschirm sicher zur Erde zurückkehren soll.

Aufgrund der komplexen Wind- und Wetterverhältnisse ließ sich das nicht exakt vorausberechnen. Die am Starttag favorisierte Prognose lautete: rund zwei Stunden Aufstieg und dann rund eine halbe Stunde Sinkflug. Landung voraussichtlich im Raum Bramsche.

Wetter und andere Risiken

Wegen einer herannahenden Schlechtwetterfront hatte Schulleiter Simon Borgers bereits am Vortag gewarnt, der Start werde womöglich vorgezogen. Statt um 12.30 Uhr begannen die Vorbereitungen eine Stunde früher. Um 12.22 Uhr war der Ballon bereits in der Luft, begleitet von einem Meer aus bunten Luftballons, von denen sich einer kurz nach dem Start in den Leinen der Sonde verfangen hatte. Auch galt es, den empfindlichen Ballon von den heißen Flutlichtstrahlern fern zu halten. Ein Fehlschlag hätte die Arbeit von einem Jahr zunichte gemacht. Klare Ansagen deshalb von Bio-, Chemie- und Mathelehrer Rolf Schwake bei den Startvorbereitungen: „Handschuhe an, Kabelbinder, Kombizange.“ Das klang wie „Schere Tupfer, Skalpell“ in einer Krankenhausserie. Aber die Erwartungen waren groß und ein rund 3500 Euro teures Projekt stand auf dem Spiel.

Rund 430 Schüler, Lehrer und die Sponsoren (neben VME-Stiftung die Sparkasse und das regionale MINT-Zentrum des Landkreises) wollten den Ballon aufsteigen sehen. Zuvor hatten Tobias Winter und Elias Rahe das Projekt noch einmal in der Pausenhalle vorgestellt und den Zusammenhang mit dem „Global Space Ballon Challenge“ mit 523 Mitstreiter-Gruppen in 65 Ländern erläutert.

Temperatur und Ozon im Fokus

An der Oberschule Hagen haben sich die Schüler dafür entschieden, Materialien unter dem Einfluss von Temperaturen genauer zu untersuchen. Kameras sollen nicht nur Luftaufnahmen liefern, sondern auch Bilder von der Kristallbildung verschiedener Flüssigkeiten beim Übergang in den festen Aggregatzustand. Außerdem galt es, den Einfluss von Ozon aufzuzeigen: „Oben hui, unten pfui“, lautete die Arbeitshypothese. Deshalb sollte beobachtet werden, ob Chloroform seine Farbe verändert oder sich die Struktur von Kleeblättern und Gummi durch Ozon verändert. Das Ziel: Aussagen über die Wirkung hoher Konzentrationen des Klimaschutzgases Ozon in Bodennähe machen zu können. Denn davor warnen Mediziner im Sommer regelmäßig.

Fächer- und klassenübergreifend

Naturwissenschaft fächerübergreifend erlebbar zu machen, das war die Grundidee, berichtet Schulleiter Borgers sichtlich stolz auf seine Schüler und Kollegen. Sie seien der Grund dafür, warum ihm sein Beruf so viel Spaß mache. Die Begeisterung ist ansteckend: Während der Powerpoint-Präsentation im Foyer ist es mucksmäuschenstill, obwohl nur die Hälfte der Schüler einen Sitzplatz ergattert hat und der Rest an den Geländern im Treppenhaus steht und auf die Leinwand blickt. Dann heißt es, hinaus auf den Sportplatz. Trotz der Aufregung sind alle hoch konzentriert. Die Hauptakteure bestücken ihre Styropor-Box mit Kameras, GPS-Trackern zur Satellitennavigation und kältebeständigen Akkus. Bevor der Countdown startet, bekommen die Schüler der 5. und 6. Klasse mit Gas gefüllte Ballons und Karten während an der Sonde außen noch zahlreiche Reagenzgläser vor den Kameraaugen befestigt werden. Die beiden Lehrer geben Anweisungen und unterstützen beim Betanken des empfindlichen Latex-Gummi-Ballons mit Helium. Alles läuft nach Plan.

Sonde in Fürstenau geortet

Um kurz nach 16 Uhr sollte die Sonde längst gelandet sein. Doch noch wartet die Bergungsmannschaft auf ein Signal. Eine Stunde später ist der Suchtrupp mit drei Autos auf dem Weg nach Fürstenau. Von dort haben sie ein Signal empfangen. Die schlimmsten Befürchtungen, die Sonde könne im Dümmer oder auf der Autobahn landen, haben sich damit nicht bestätigt.