Stimmgewaltige Jutta Weinhold live „Velvet Viper“ rockt den Hagener Saal Stock

Von Rolf Habben


Hagen. Harte Kost für entwöhnte Ohren, Mythen, Legenden und jede Menge schwerer Sounds, verpackt in großartigen Vocals, die Dramatic-Metalband „Velvet Viper“ um Ausnahmesängerin Jutta Weinhold stellte am Wochenende ihr brandneues Album „Respice Finem“ im Saal Stock vor. Damit setzt die Rockröhre die Geschichte von Velvet Viper eindrucksvoll und unüberhörbar fort. Das Ganze gibt es jetzt nicht nur auf Konserve, sondern auch live auf ihrer Tour quer durch die Republik.

Im Vorprogramm hatten die Osnabrücker Lokalmatadoren „Agentpunch“ als Support den Saal bereits auf Temperatur gebracht, ja überheizt, denn alle Regler der Beschallungsanlage standen scheinbar auf „Take off“, die Boxen schleuderten Dezibel in Stadionstärke in den überschaubaren Saal. An den Instrumenten waren durchaus Könner ihres Genres, was vor allem für Gitarrist Roman Felde galt, konnten Triebwerke von Düsenjets dagegen als wohlklingende Streicher-Partituren empfunden werden.

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Eine der prägenden Metal-Bands der 90er-Jahre

Nach jahrelanger Ruhephase betrat mit „Velvet Viper“ im Anschluss eine der prägenden Metal-Bands der 90er-Jahre die Bühne. Mit ihrem jüngsten Album ist die samtene Natter von Vokalistin Jutta Weinhold und dem Gitarristen Holger Marx zu neuen Taten erwacht. Elf neue Songs in klassischer Heavy-Metal-Manier entstanden, die die großen Geschichten und jahrhundertealten Mythen in unsere heutige Zeit befördern. Mit ihrem neuen Songmaterial schließt die Band nahtlos an die Songs von Weinholds Vorgängerband „Zed Yago“ an.

Drittes Velvet Viper-Album

Es ist das dritte Velvet Viper-Album. Mit Weinhold und Marx, sowie Ron Oberbandscheid, Bass und Micha Fromm, Drums, blicken vier zornig dreinschauende Musiker den Betrachter irritierend vom Album Cover an. Eigenwillig auch der philosophisch anmutende CD Titel „Respice Finem“ als Teil eines alten lateinischen Ausspruchs, der auf eine noch ältere griechische Fabel zurückgeht: Quidquid Agis Prudenter Agas et Respice Finem: „Was immer du tust, tue es klug und bedenke das Ende“.

Schon Gastmusikerin bei Udo Jürgens

Nach der Auflösung der Band „Zed Yago“ wollte Weinhold, die schon als Gastmusikerin bei Udo Lindenbergs erstem Live-Album „Livehaftig“ sämtliche weiblichen Gesangsparts eingesungen hatte, an deren musikalische Leistung anknüpfen. Vor drei Jahrzehnten mit „Zed Yago“ begonnen, nimmt die Nachfolge-Formation Velvet Viper den Fantasy-Faden wieder auf. Nicht von ungefähr heißt es daher im Untertitel der CD-Tour „The return of the Spirit of Zed Yago“, unmissverständlich auch gleich mit zwei Rufzeichen versehen.

Wenn sich Heavy Metal und Klassik paaren

Zusammen mit ihrem Gitarristen Marx wurden elf neue Songs geschrieben. Damit macht Velvet Viper dort weiter, wo sie aufgehört hatten: mit klassischem Metal voller unkonventioneller Extras und Fantasie, die Heavy Metal mit Elementen der Klassik zu Dramatic Metal paart. Epische Geschichten verbinden sich auf dem Album mit klassischer Musik und Poesie. Schon Richard Wagners „Walkürenritt“ als spektakuläres Intro des Konzerts machte eingangs deutlich, wohin die musikalische Reise im Saal gehen wird. Es folgten mit Parzivals Sohn Lohengrin oder der schottischen Königin Mary Stewart weitere, teils mystische Figuren der Zeitgeschichte.

Enorme Bühnenpräsenz

Das Ergebnis ist ein Heavy-Metal-Epos, das eine der besten Sängerinnen des Genres vorträgt. Die agile Frontfrau überzeugte vor allem durch ihre enorme Bühnenpräsenz und ihren stimmgewaltigen Vortrag mit ausdrucksstarker, kräftiger Stimme, voller Energie und Leidenschaft. Unglaublich, wie die 1947 geborene Powerfrau, die sich selbst als „alte Indianerin“ bezeichnet, als wahres Energiebündel über zweieinhalb Stunden die Szenerie beherrschte. Marx virtuoses Fingerspiel an der Gitarre dagegen inspirierte etliche Luftgitarristen im Saal, zumeist in abenteuerlicher Kluft von „Motörhead“, „Kiss“ oder „AC/DC“ gewandet.

Wurzeln der harten Rockmusik

„Es geht wie damals um Musik und Texte, die sich den starken Roots der harten Rockmusik und den klassischen, poetischen Inhalten widmen“ ist Weinholds Credo, und das ihrer Bandkollegen natürlich ebenso.