Tipps vom Hagener Rutschprofi So kommt man auf jeder Wasserrutsche richtig in Fahrt

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Hagen/Georgsmarienhütte. Carsten Bücken ist Gründer und erster Vorsitzender des Deutschen Rennrutschverbandes. Eine seiner„Hausbahnen“ ist die Rutsche im GMHütter Panoramabad. Der Sitz des Verbandes: Hagen am Teutoburger Wald. Um zu erfahren, wie man in der Röhre auf Höchstgeschwindigkeit kommt, haben wir uns mit dem Rutschexperten getroffen.

Carsten Bücken geht in Startposition. Die Stange, an der er sich gleich, in die blaue Röhre schwingen wird, hat er fest im Griff. Auf der Treppe, die im Panorambad zum Startpunkt der 77 Meter langen Wasserrutsche führt, warten hinter ihm ungeduldig ein paar Kinder. Die geraten ins Staunen, als der 46-jährige sich mit ganzer Kraft die Rutsche hinunterstürzt. „Warum immer mehr Leute das Fieber packt, versteht man nur, wenn man es einmal selber ausprobiert“, sagt Bücken. Gesagt, getan. Unser Reporter traf sich mit dem Vorsitzenden des Deutschen Rennrutschverbandes im GMHütter Panoramabad, um herauszufinden, was den Reiz am Rennrutschen ausmacht.

Wenig Reibung ist die erste Regel

Die erste goldene Regel, um in der Röhre der Wasserrutsche richtig in Fahrt zu kommen: Möglichst wenig Reibung erzeugen. „Die meisten wenden die sogenannte Drei-Punkt-Technik an“, erklärt Bücken. „Dafür schlägt man in liegender Position die Beine übereinander, sodass nur noch eine Hacke den Untergrund berührt. Durch die richtige Körperspannung liegen davon abgesehen nur noch die Schultern auf.“ Geübte Rutschprofis steuern ihre Fahrt dann regelrecht mit den Schulterblättern oder durch Bewegungen mit den Füßen. Die Arme werden gerade nach oben gestreckt.

Schon nach dem ersten Anlauf ist klar: Die Tipps vom Rutschexperten zeigen eindeutig Wirkung. Bereits nach den ersten Metern in der Röhre ist es möglich mit der richtigen Körperspannung, ordentlich Geschwindigkeit aufzubauen. Nur mit dem Lenken klappt es noch nicht auf Anhieb, sodass doch ein paar Sekunden auf der Strecke bleiben. Elf Sekunden zeigt die Digitalanzeige am Ende der Rutsche. „Speziell die Rutsche im Panoramabad verzeiht keine Fehler. Wer hier einmal ins Trudeln gerät, verliert wertvolle Sekunden“, sagt der Rennrutscher.

Hundertstel Sekunden entscheiden

Der Rutschrekord im Panorambad liegt bei 7,75 Sekunden. Den konnte Bücken bisher allerdings nicht knacken. Seine Bestzeit beträgt 7,85 Sekunden. „Die Profis liegen zeitlich extrem nah beieinander. Da entscheiden teilweise Hundertstel, wer den Sieg einfährt“, sagt der Experte. Anfänger starten meist mit einer Zeit von zwölf Sekunden. Das könne man mit der korrekten Technik aber ziemlich schnell unterbieten. Bücken sieht beim Rennrutschen durchaus Parallelen zum Spitzensport: „Das Ganze ist vergleichbar mit dem Reiz, den ein Formel-1-Rennen für den Fahrer ausmacht. Mit jedem Durchlauf willst du besser werden und deine vorige Zeit schlagen“, sagt der Experte – und recht hat er. Hat man als Anfänger erst mal die grundlegenden Tricks raus, ist der Ehrgeiz geweckt und es geht geradewegs zurück zum Startpunkt der Rutsche.

Bücken selbst kam vor einigen Jahren durch einen Wettkampf im Osnabrücker Nettebad auf den Geschmack. Seitdem ist der Berufskraftfahrer Feuer und Flamme für sein Hobby. 2007 gründete er mit Freunden offiziell den Deutschen Rennrutschverband, ein eingetragener Verein mit derzeit 30 aktiven Mitgliedern. Zuvor hatte Bücken bei einigen Meisterschaften erlebt, wie Teilnehmer versuchten, bessere Zeiten zu erzielen, indem sie sich zum Beispiel mit Sonnenöl einrieben. Für den Verband stellte er dann klare Regeln auf: Es wird auf dem Rücken gerutscht und Hilfsmittel sind nicht erlaubt.

Masse versus Technik

Auf die Frage, ob Menschen mit weniger oder mehr Gewicht bessere Chancen auf gute Zeiten beim Rutschen haben, hat Bücken keine eindeutige Antwort: „Mit mehr Masse, kann man auf langer Strecke höhere Geschwindigkeiten entwickeln. Der Nachteil ist, dass man recht unbeweglich ist und in den Kurven stärker gegen die Fliehkräfte anarbeiten muss. Dünne Personen, müssen die fehlende Masse über eine ordentliche Technik wettmachen und dass Wasser möglichst effizient unter sich hindurchfließen lassen.“ Im Panoramabad kommen gute Rutscher auf diese Weise auf Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 50 Stundenkilometer, schätzt Bücken. Die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt bei 37 Kilometern in der Stunde.

Seit drei Jahren gibt es nun auch eine deutschlandweite Rangliste, die über ein Punktesystem sortiert wird. Bei einer Städtemeisterschaft, wie sie regelmäßig in Georgsmarienhütte stattfindet, kann der Sieger sich 150 Punkte sichern. Bei der Deutschen Meisterschaft, die seit 22 Jahren in Scharbeutz ausgetragen wird, winken dem Gewinner ganze 1000 Punkte, die in die Wertung fallen. Durch die Teilnahme an verschiedenen Wettkämpfen können die Rutscher sich einen Platz unter den besten zehn der Rangliste erkämpfen. Bücken belegt derzeit knapp dahinter Rang elf. Das Finale der Rutschprofis wird dann im Pyrmonter Welle Erlebnisbad entschieden. Antreten dürfen die Erstplatzierten vorangegangener Meisterschaften und die Top Ten der aktuellen Rangliste. Ist einer der Erstplatzierten ohnehin unter den Top Ten vertreten, darf der elfte auf der Liste ebenfalls an den Start gehen und so weiter.


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