Biss- und Brandverletzungen Polizist auf Hagener Kirmes angegriffen – Mann und Frau verurteilt

Von Heiko Kluge

Auf der Hagener Kirmes 2017 hatten ein 34-jähriger Mann und eine 45-jährige Frau einen Polizisten durch Bisse und eine glühende Zigarette verletzt. Archivfoto: Stefan LangerAuf der Hagener Kirmes 2017 hatten ein 34-jähriger Mann und eine 45-jährige Frau einen Polizisten durch Bisse und eine glühende Zigarette verletzt. Archivfoto: Stefan Langer

Bad Iburg/Hagen . Wegen tätlichen Angriffs auf einen Polizeibeamten verurteilte das Amtsgericht Bad Iburg einen 34-jährigen Mann und eine 45-jährige Frau zu Geldstrafen. Sie hatten während der Hagener Kirmes im vergangenen Oktober einen Polizisten durch Bisse und eine glühende Zigarette verletzt.

Im Großen und Ganzen zeigten sich die beiden Angeklagten geständig. „Er übernimmt die Verantwortung für das, was passiert ist“, erklärte der Verteidiger des 34-Jährigen. Sein Mandant könne sich sein Verhalten nicht erklären und es tue ihm leid. Allerdings sei der Mann zum Tatzeitpunkt mit mindestens 1,26 Promille alkoholisiert gewesen und habe wegen einer psychischen Erkrankung auch unter dem Einfluss verschiedener Psychopharmaka gestanden.

Der aus Osnabrück stammende Mann hatte gemeinsam mit seiner Mutter und der mitangeklagten Bekannten aus Ladbergen am 2. Oktober des vergangenen Jahres die Hagener Kirmes besucht. Gegen 18 Uhr hätten sie seine Mutter dann zum Bus bringen wollen, erklärte er. Offenbar um den im Bereich der Schulstraße gerade an einer Ampel anfahrenden Linienbus zu stoppen, war der 34-Jährige mit ausgebreiteten Armen vor das Fahrzeug gesprungen, sodass der Fahrer daraufhin stark abbremsen musste. Eine Zeugin berichtete, dass der Angeklagte gegen die Frontscheibe geschlagen und einen Passanten, der ihn von der Straße ziehen wollte, weggeschubst hatte.

In Oberschenkel und Schulter gebissen

Eine zufällig vorbeikommende Polizeistreife hielt an, um den Sachverhalt zu klären. Der 34-Jährige habe von Anfang an eine „polizeifeindliche Stimmung“ an den Tag gelegt, berichtete einer der Beamten. Als er die Personalien des Mannes feststellen wollte, sei der unvermittelt weggerannt. Dabei übersprang der 34-Jährige eine Mauer und rannte über den Schulhof der Sankt Martin Grundschule. Beim Versuch, eine Hecke zu überspringen, war der Mann in die Hecke hereingerutscht und von dem Polizisten gestellt worden. Dort habe ihm der halb auf dem Rücken liegende Mann gegen das Knie getreten. Als der 34-Jährige gemerkt habe, dass die über Funkgerät abgegebene Anforderung von Verstärkung des Polizisten offenbar nicht erfolgreich war, habe er sich halb erhoben und ihn hasserfüllt angeblickt. Mit den Worten „Kommt wohl keiner“ habe ihm der Angeklagte dann den Kragen seines Uniformhemdes zugedreht, erinnerte sich der Polizist. Als er den Mann schließlich auf dem Boden fixiert habe, habe der angegeben, wegen seines Asthmas keine Luft mehr zu bekommen. Daraufhin habe er ihm erlaubt, das Asthmaspray aus der Hosentasche zu ziehen. Doch als der Mann das Spray in der Hand hatte, „hat er mir unvermittelt ins Handgelenk gebissen“, berichtete der Beamte. Zweimal habe ihn der Mann während des folgenden Gerangels noch gebissen. Ein Biss ging in den Oberschenkel, mit einem weiteren habe er ihn durch die Jacke die Schulter blutig gebissen, so der Zeuge.

Zigarette unters Auge gedrückt

Mittlerweile seien auch die beiden Begleiterinnen des Mannes nachgekommen. Die 45-Jährige hätte an ihm gezerrt, um den 34-Jährigen zu befreien. Dabei habe sie ihm auch eine glühende Zigarette kurz unters Auge gedrückt. „Ich bin seit 15 Jahren im Dienst“, resümierte der Polizeibeamte, „das war das Heftigste, was ich bisher erlebt habe.“ Durch die Glut der Zigarette hatte der Geschädigte Hautrötungen davongetragen. Aufgrund der Bisswunden und Prellungen war er für eine Woche krankgeschrieben.

Die 45-jährige Frau behauptete, dem Polizisten nur versehentlich mit der brennenden Zigarette durch das Gesicht gewischt zu haben, weil sie in dem Moment von hinten ergriffen und zurückgerissen worden sei. Keiner der Zeugen bestätigte allerdings diese Version. Die Frau habe sich später noch über die Verletzungen des Kollegen lustig gemacht: So etwas gehöre zum Berufsrisiko, berichtete eine der Polizistinnen, die schließlich mit weiteren Beamten am Ort des Geschehens eingetroffen war.

Er sei geflohen, weil der Polizist ihn angefasst habe, behauptete der 34-Jährige: „Die Situation war mir unangenehm.“ Der Mann entschuldigte sich im Gerichtssaal bei dem Beamten und überreichte ihm 200 Euro als erste Anzahlung eines Schmerzensgeldes.

Polizist habe sich angemessen verhalten

Augenzeugen widersprachen der Einlassung des Angeklagten. Der Polizist habe den Mann zunächst nicht angefasst. Er habe sich angemessen verhalten, während der 34-Jährige patzig reagiert habe. Noch während des Gerangels habe der Polizist versucht, zu schlichten und die Situation zu beruhigen, berichtete eine Zeugin.

Der Staatsanwalt attestierte dem Polizisten ein „schulbuchmäßiges Vorgehen“, das vollkommen verhältnismäßig gewesen sei. „Er hat alles unternommen, um zu deeskalieren.“ Der 34-Jährige hingegen habe sich militant verhalten. Die Einlassung der 45-Jährigen hielt er für eine Schutzbehauptung.

Geldstrafen

Das Gericht verurteilte die 45-jährige Frau wegen tätlichen Angriffs gegen Vollstreckungsbeamte in Tateinheit mit Körperverletzung und versuchter Gefangenenbefreiung zu einer Geldstrafe von 110 Tagessätzen zu jeweils 10 Euro. Der 34-Jährige wurde ebenfalls wegen tätlichen Angriffs in Tateinheit mit Körperverletzung verurteilt. Zusätzlich wurde er für das Stoppen des Busses der Nötigung für schuldig befunden. Der 34-Jährige bekam eine Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu je 10 Euro. Beide Angeklagte waren bis dahin strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten.

Der Richter habe keinerlei Hinweise darauf, dass sich die Polizei irgendein Vergehen zuschulden habe kommen lassen. Der Beamte habe vielmehr „sehr besonnen gehandelt“. Auch war der Richter überzeugt, dass die Frau den Polizisten vorsätzlich mit der Zigarette verletzt hatte, gestand ihr aber zu, dass sie ihn primär damit habe erschrecken wollen.

Dem Mann hielt das Gericht eine alkoholbedingte Enthemmung zugute. Eine verminderte Schuldfähigkeit habe aber nicht vorgelegen, so der Richter: „Sie wussten genau, worum es ging.“