Hagener Imker über Insektensterben Wer soll in Zukunft die Kirschblüten bestäuben?

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Hagen/Badbergen. „Die Bienen im Osnabrücker Land haben schon bessere Zeiten erlebt“, wissen die Imker Bernhard Hehmann aus Hagen und Holger Fuchs-Bodde-Gottwald aus Badbergen. Landwirtschaftliche Monokulturen, Pestizide und der Mangel an blühenden Naturflächen und Gärten schwächen die Bienen und andere Insekten, lassen sie nicht genug Nahrung finden und anfälliger für Krankheiten werden.

Das Summen von Wild- und Honigbienen, von Käfern, Libellen und anderen Insekten ist deutlich leiser geworden. Ihre Population ist, so weisen es Forscher des Entomologischen Vereins aus Krefeld und zahlreiche weitere Wissenschaftler nach, in den letzten 27 Jahren um 75 Prozent zurückgegangen. Einen intensiven Blick auf das kleine Getier haben auch die Imker, denen der Insektenschwund und das Bienensterben ebenfalls große Sorge bereitet, denn Biene und Co. spielen eine Schlüsselrolle in unserem Ökosystem, sind Bestäuber unserer Obst- und Gemüsepflanzen.

In seinem Garten in Gellenbeck zieht Imker Bernhard Hehmann probeweise zwei Pflanzen, die sich „Durchwachsende Silphie“ nennen. „Diese Energiepflanze kann bis zu drei Meter hoch werden. Sie stellt für Landwirte, die dem Insektensterben entgegenwirken wollen, eine mögliche Alternative zum Mais dar, kann ebenso gut für Biogasanlagen genutzt werden“, erklärt der Imker. Die riesigen Maisflächen in unserer Landschaft seien ein großes Problem für die Insekten, da Mais keine richtige Blühpflanze ist und somit keine Pollen und Nektar liefert.

Wichtig, dass Bienen Blütenstaub sammeln können

Holger Fuchs-Bodde-Gottwald, Inhaber der Bioland-Imkerei Honigsüß, der ab dem Beginn der Vogelkirschblüte am Hagener Kirschlehrpfad vertreten ist, hat einen weiteren Vorschlag, um den Insekten zu helfen: „Es fehlt an blühenden Dauerbiotopen. Hier am Kirschlehrpfad bis hinauf über den Jägerberg wäre das Einsäen von mehrjährigen Blühsäumen entlang der Wanderwege ideal“. Fuchs-Bodde-Gottwald bringt seine Bienen jedes Jahr im Frühsommer nach Brandenburg. Aus folgendem Grund: Im Frühling, wenn der Raps sowie Obstbäume und Weiden blühen, seien die Bienen im Raum Osnabrück gut versorgt. Ab dem späten Frühjahr herrsche dann aber Flaute bis zum Herbst, wenn der Senf blüht. Über den gesamten Sommer gäbe es im Osnabrücker Land Mangelversorgung. „In Brandenburg hingegen finden die Bienen Nahrung in ausgedehnten Akazienwäldern, großen Lindenbaumbeständen und Heidearealen. Auch Korn- und Sonnenblumenfelder gibt es dort noch“, sagt der Imker. Für die Gesundheit von Bienenvölkern sei es enorm wichtig, dass sie ununterbrochen Blütenstaub sammeln können.

Pestizide sind große Gefahr

Auch der Einsatz von Pestiziden ist eine große Gefahr für alle Insekten. Die 15 Imker aus Hagen sind gut vernetzt und informieren sich gegenseitig, wenn sie erfahren, dass ein Feld mit Spritzmitteln bearbeitet werden soll. Besonders problematisch sei es, wenn Landwirte mittags oder nachmittags anstatt abends chemische Mittel auf die Felder sprühen, denn zu dieser Zeit sind die meisten Insekten aktiv. „Einige von uns Imkern schließen dann am Abend die Bienenkästen, damit die Tiere am nächsten Tag während des Pestizideinsatzes nicht hinausfliegen können“, berichtet Bernhard Hehmann. Bienen reagieren wesentlich sensibler auf Spritzmittel als Wirbeltiere und würden sich, so weiß sein Imker-Kollege Fuchs-Bodde-Gottwald, deswegen heute in der Stadt wohler fühlen als auf dem Land, wo der Pestiziddruck höher ist. Obwohl 90 Prozent der Stadtflächen versiegelt seien, gäbe es dort auf den übrig gebliebenen Grünflächen mehr Blühpflanzenvielfalt als auf dem von Monokulturen durchzogenen Land.

Insektenschutz leicht gemacht

Man muss weder Biologe noch Imker sein, um das Insektensterben zu bemerken: „Als ich 1968 meinen Führerschein machte, musste ich noch alle 200 Kilometer die Scheibe meines VW-Käfers von Insektenschmutz reinigen, um sicher weiterfahren zu können“, erinnert sich Fuchs-Bodde-Gottwald. „Vergleichen Sie das mal mit heute!“ Und man muss weder Biologe noch Imker sein, um Insekten helfen zu können. Die Imker empfehlen, Gärten naturnah, mit blühenden Pflanzen wie zum Beispiel Korbblütlern, Salbei oder Majoran zu gestalten. Die in Mode gekommenen, vollgepflasterten Steingärten seien völlig kontraproduktiv für den Naturschutz. Den in Deutschland mit über 500 Arten vorkommenden Wildbienen könne man Brutplätze anbieten: Sieben bis neun Zentimeter tiefe Löcher in einen Holzklotz bohren und schon können die solitär lebenden Wildbienen ihre Eier hinein legen und sich darin das Jahr über entwickeln. Auch Schneckenhäuser oder Bambusstäbchen, gebündelt in einer Dose an einem trockenen, sonnigen Platz im Garten oder auf dem Balkon werden gerne von den Wildbienen angenommen.


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