„500 Deckel gegen Polio“ Kolpingsfamilie Hagen sammelt Kunststoff, der Leben rettet

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Kleiner Aufwand, große Hilfe: Werner Obermeyer von der Kolpingsfamilie Gellenbeck sammelt Plastikdeckel zugunsten von Polioimpfungen. Foto: Stefan BuchholzKleiner Aufwand, große Hilfe: Werner Obermeyer von der Kolpingsfamilie Gellenbeck sammelt Plastikdeckel zugunsten von Polioimpfungen. Foto: Stefan Buchholz

Hagen. Erneut hat die Kolpingsfamilie Gellenbeck eine gut gefüllte Tonne mit Hartplastikdeckeln gesammelt. Sie landen beim Rotary Club, der den wertvollen Kunststoff verkauft. Von dem Erlös lassen sich Impfungen gegen Kinderlähmung finanzieren.

Am Gustav-Görsmann-Haus nahe der katholischen Kirche stand der sogenannte Eventbehälter nur vier Tage. Als Werner Obermeyer danach den Deckel lüftete, zeigte sich der Vorsitzende der lokalen Kolpingsfamilie mehr als zufrieden. „Das sind wieder tausende Plastikdeckel“, schätzt Obermeyer den Inhalt der zu mehr als zwei Drittel gefüllten Tonne.

Sein Job ist nun, die Plastikdeckel in Kartons zu schütten und zu einem Freund aus der Doppelkopfrunde zu fahren. Das ist dort aber nur ein Zwischenlager, denn das wertvolle Plastik wird später noch nach Ostercappeln kommen.

Gegen Kinderlähmung

„500 Deckel gegen Polio“ so nennt sich die Initiative. Dahinter steht in der Region der Osnabrücker Rotary Club. Seit einigen Jahren kämpfen er und andere Rotarier gegen Poliomyelitis, kurz als Polio, oder im Deutschen auch als Kinderlähmung bekannt. Die Viruskrankheit trifft Kinder unter fünf Jahren. Je nach Krankheitsverlauf kann der Erreger, der die Atemmuskulatur lähmt, für die Betroffenen tödlich sein. In Deutschland und den allermeisten Ländern dieser Welt, ist die Krankheit nicht mehr anzutreffen. Afghanistan und Pakistan sowie einige Länder in Afrika haben noch mit der Krankheit zu tun. Mit einer Impfung lässt sich eine Erkrankung jedoch verhindern. (Weiterlesen: Kriege verhindern die Ausrottung von Polio)

500 der gesammelten Deckel aus Hartplastik – sie müssen von Flaschen und Getränkebehältern mit dem Aufdruck HDPE oder PP stammen – entsprechen dem finanziellen Aufwand einer Impfung. Mit dem Sammeln leistet man zugleich auch einen ökologischen Pluspunkt: Die Kunststoffdeckel werden zu Granulat zerkleinert und dann zu neuen Produkten wie Rohren, Gartenbänken oder neuen Kunststoffdeckeln gemacht.

Sammelpunkt für Helfer

Nachdem der Kolpinger Werner Obermeyer die Deckel bei seinem Freund aus der Doppelkopfrunde abgeliefert hat, gelangen sie dann zu Thomas Nülle. Er ist nicht nur Rotarier, sondern hat auch eine große Scheune in Osnabrück. Dorthin liefern unzählige Initiativen aus Osnabrück und Umgebung die hilfreichen Kunststoffdeckel. (Weiterlesen: Mit Deckeln Kosten decken – Belmer Schüler sammeln Recyclingstoff für Polio-Impfungen)

Hat Nülle genug Deckel gesammelt, ruft er beim Dualen System an. Von dort schickt man einen 40-Tonner nach Ostercappeln. „Beim letzten Mal hatten wir 32 Big-Packs voll, die gut 17 Tonnen wogen. Das entspricht ungefähr sieben Millionen Deckeln“, sagt Nülle. Ein Wertstoffhändler vom Dualen System schreibt den Geldbetrag - abhängig vom Ölpreis bis zu 600 Euro pro Tonne - den Rotariern in Euros gut, die ihn dann für die Impfungen einsetzen.  Die Sammelaktion ist laut Nülle noch für ein Jahr gedacht. Der Arbeitsaufwand werde immer größer. „Für die Kolpingsfamilie in Gellenbeck bedeutet das, dass wir in diesem Jahr weiter regelmäßig in unregelmäßigen Abständen sammeln“, beschreibt Werner Obermeyer das weitere Vorgehen. Das nächste Mal wird das anlässlich der Kleidersammlung durch die Kolpingsfamilie Mitte April passieren. (Weiterlesen: Wechsel im Leitungsteam – Kolpingsfamilie Gellenbeck wirbt um Nachwuchs)


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