„Internet erschüttert Einzelhandel in Grundfesten“ Podiumsdiskussion über verkaufsoffene Sonntage in Hagen

Von Andreas Wenk

Keine Insel der Glückseligen sei Hagen, so Jenny Menkhaus vom Unternehmerverband. Trotzdem würden andere Kommunen den Ort um seine Einzelhandelsstruktur beneiden. Gemeinsam mit KAB-Sekretär Frederik Heidenreich (links) und dem CDU-Landtagsabgeordneten Martin Bäumer (Mitte) nahm sie an einem von Rainer Apke moderierten Streitgespräch um verkaufsoffene Sonntage teil. Foto: Andreas WenkKeine Insel der Glückseligen sei Hagen, so Jenny Menkhaus vom Unternehmerverband. Trotzdem würden andere Kommunen den Ort um seine Einzelhandelsstruktur beneiden. Gemeinsam mit KAB-Sekretär Frederik Heidenreich (links) und dem CDU-Landtagsabgeordneten Martin Bäumer (Mitte) nahm sie an einem von Rainer Apke moderierten Streitgespräch um verkaufsoffene Sonntage teil. Foto: Andreas Wenk

awen Hagen. „Das haben wir zugegebenermaßen schleifen lassen“, stellte Martin Bäumer in seinem Eingangsstatement am Montagabend bei der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) im Pfarrhaus St. Martinus fest. Gemeint waren klare gesetzliche Regeln für verkaufsoffene Sonntage. Ob darin die einzige Chance liegt, den örtlichen Einzelhandel vor dem Niedergang zu bewahren, darüber zu diskutieren, hatte die KAB am Montag zu einer gut besuchten Podiumsdiskussion eingeladen.

Das Streitgespräch drehte sich vor allem um die Frage, ob es immer eines besonderen Anlasses bedarf, um Geschäfte sonntags öffnen zu dürfen. Frederik Heidenreich verteidigte die bestehenden Regelungen und die strengen Kriterien des Bundesverfassungsgerichts. Das urteilte, der Sonntag habe eine besondere Bedeutung, etwa für Ehe und Familie. Ausnahmen vom Verkaufsverbot an Sonntagen seien deshalb an besondere Anlässe gebunden.

Großzügige Auslegung

Genau hier hakte Jenny Menkhaus ein. Sie verlangte eine großzügige Auslegung. Verkaufsoffene Sonntage zur Kirmes, brächten dem Einzelhandel nichts, erklärte sie. Der Einzelhandel müsse sich seine eigenen Anlässe schaffen dürfen. Unterstützung erhielt sie von Cordula Plogmann-Gausmann. „Natürlich brauchen wir ein Rahmenprogramm“, erklärte die Schuh-Einzelhändlerin. „Einfach die Ladentür zu öffnen, reicht nicht.“ Zugleich trat sie Bestrebungen entgegen, verkaufsoffene Sonntage zu streichen oder zu hohe Hürden für einen geeigneten Anlass zu errichten. Die sollen traditionell, ortsüblich, räumlich eng begrenzt und auf vier Sonntage im Jahr pro Kommune begrenzt sein oder auf acht Sonntage in Kurorten. Der Angst vor eine Inflation verkaufsoffener Sonntage trat sie energisch entgegen: „Ich will doch nicht jeden Sonntag arbeiten.“ Dem stimmte Ihr Kollege Jonas Sieckmann vom gleichnamigen Bettenhaus zu.

Werbefachfrau Nina Raffelt warnte davor, den verkaufsoffenen Sonntag allein als Umsatz-Rettungsanker zu sehen. Vielmehr gehe es um Image-Werbung und die Chance, sich bei Familien in entspannter Stimmung in Erinnerung und als Alternative zum Einkauf in Osnabrück in Stellung zu bringen.

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Einzige Möglichkeit für Familien

Bäumer räumte ein, dass ein verkaufsoffener Sonntag tatsächlich manchmal die einzige Möglichkeit sei, als Familie einkaufen zu gehen, um größere Anschaffungen zu tätigen. Er bezweifelte allerdings, dass längere Öffnungszeiten und verkaufsoffene Sonntage wirtschaftlich immer sinnvoll sind. Die Politik sei dennoch in der Pflicht, verlässliche Rahmenbedingungen für die derzeit möglichen Ladenöffnungen an Sonntagen zu schaffen. Dass mit 10.000 Flyern beworbene Aktionen abgeblasen und die Werbebroschüren nach erfolgreichen Klagen von Gewerkschaften oder Verbänden eingestampft werden müssen, das dürfe es nicht mehr geben.

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Konsens herrschte beim Thema Online-Handel, der laut Menkhaus den lokalen Einzelhandel „in seinen Grundfesten erschüttert.“ Bäumer mahnte, ein jeder möchte sich überlegen, wo er einkauft. Der Vater von vier Kindern räumte ein, er selbst kenne das Phänomen der Digital Natives und deren Hang zum Onlineshopping von zuhause. Dennoch rufe er dazu auf, den lokalen Einzelhandel durch bewusstes Einkaufen zu unterstützen. Als Beispiel dafür, dass sich das lohnt, führte er einen Laden in Glandorf an. Dort bekomme er genau die vier Schrauben, die er brauche ohne gleich ein 50-Stück-Gebinde abnehmen zu müssen.

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