Auch Rosalotta machtlos Hagener Narren erobern das Rathaus

Von Werner Barthel


Hagen. Gut 150 Hagener Närrinnen und Narren und 50 Kinder feierten gemeinsam mit dem Karnevalskomitee des Musikvereins Wiesental und vielen erwartungsvollen Zuschauern den Sturm auf das Rathaus im Jahr Eins nach „Pensionierung“ des langjährigen Präsidenten Johannes Blömer.

Das Zepter schwang jetzt erstmals Martin Grba vom Musikverein Wiesental, der sogleich mit dem Ruf „Hagener Karneval-Helau!“ die Hagener Närrinnen und Narren auf den Rathaussturm einstimmte. Er hatte auch das Prinzenpaar Manfred I. (Grave) und Amelie I. (Dallmöller) mitgebracht, die ebenfalls dem Musikverein Wiesental angehören.

Prinz Manfred I. begrüßte sein närrisches Volk mit einer pointenreichen Ansprache, in der er in launigen Worten unter anderem Erlebnisse aus der „guten alten Zeit“ zum Besten gab. Wenn man seinen Worten Glauben schenken darf, erhielten früher alle Hagener bei der Geburt einen Bürgerbrief, in dem ihnen amtlich erlaubt wurde, kostenlos die gesunde Hagener Landluft einatmen zu dürfen.

Während der Musikverein Wiesental mit Tambourmajorin Anja Grba die Zuschauer immer wieder zum Schunkeln animierte, waren die Kleinen meistens auf „Tauchstation“. Es regnete nämlich so viele Karamellen aus den Fenstern des Rathauses, dass Taschen und Tücher bald mit Leckereien gefüllt waren.

Die „Goldbachlerchen“ sind weder bei den Hagener Karnevalsfeiern der Vereine und Verbände noch bei dem jährlichen Rathaussturm wegzudenken. Nach der Melodie von „Eviva Espana“ schmetterten die Sechs: „Die schlechte Laune lassen wir zu Haus, wir feiern heute nacht in Saus und Braus!“

Hagens „Klatschweiber“ Liesbeth (Karin Frese) und Irmgard (Andrea van der Veen) sorgten sich um die Zukunft der Ortsmitte, die Dorfstraße: „Datt da wieder Geschäfte hinkommen. Können se ja die Straße überdachen, nennen dat Ganze Shopping Mall und schon haste ein ganz anderes Einkaufserlebnis.“

Und für den nächsten Kreisel hatten sie ebenfalls einen überlegenswerten Vorschlag: „Dem Nikolaus von Hagen, dem Blömers Hannes, dem könnten se auch mal ein Denkmal setzen, so lange wie der datt getan hat.“

Mit dem Rammbock

Inzwischen hatte sich auch die Abordnung der Sudenfelder Landjugend mit dem riesigen Rammbock vertraut gemacht. Zum letzten Stück des Musikvereins Wiesental nahmen sie Aufstellung und richteten den Rammbock Richtung Rathauseingang. Dort hatte sich inzwischen Bürgermeister Peter Gausmann verbarrikadiert, der sich vorsichtshalber Unterstützung aus dem benachbarten Bad Iburg geholt hatte. Doch auch Rosalotta, das Maskottchen der diesjährigen Landesgartenschau, musste schnell die Waffen strecken. Die Übermacht der Hagener Karnevalisten war doch zu groß. Schnell wurde die weiße Fahne gehisst. Unter dem Jubel der Hagener Karnevalisten übernahmen die Närrinnen und Narren die Schlüsselgewalt für die tollen Tage. Bürgermeister Peter Gausmann setzte alle Hoffnung in die „neue Regierung“: „Wir wünschen uns, dass ihr schneller zu guten Ergebnissen kommt – anders als wir es gerade in Berlin erlebt haben!“