Erst Schüler, dann Schulleiter Gellenbecker Schulleiter Jürgen Witte in den Ruhestand verabschiedet

Von Werner Barthel


Hagen. Er ist „seiner“ Schule immer treu geblieben: Als Kind besuchte er die Volksschule in Natrup Hagen, nach dem Studium unterrichtete er als Lehrer in Gellenbeck, 2005 wurde er dort Konrektor, vier Jahre später Schulleiter. Jetzt verabschiedeten Kinder und Kollegium Jürgen Witte in den Ruhestand.

Es war ein prächtiger Rahmen für den scheidenden Schulleiter Jürgen Witte und seine Frau Andrea: Durch das Spalier von Schülern und Lehrern gelangten sie in den Festraum. Dort vermittelte ein riesiges farbenfrohes Tuch an der Decke der kleinen Gellenbecker Turnhalle vermittelte den Eindruck einer Zirkuskuppel. Clowns und wilde Tiere, in die sich ein Großteil der 180 Schüler verwandelt hatte, erfüllten die „Zirkusarena“ mit fröhlichem Leben.

Schulzirkus

„Zirkusdirektor“ Jakob Kretzschmar, ein Viertklässler, begrüßte alle Anwesenden , denn die Redebeiträge waren eingebettet in Zirkusnummern und sportliche Darbietungen der Schüler.

Nachdem Schuldezernentin Sandra Castrup die schulische Laufbahn Jürgen Wittes nachgezeichnet und ihm eine vorbildliche Schulführung“ attestiert hatte, ergriff Bürgermeister Peter Gausmann das Wort. „Mit dir verlieren wir einen ‚Alleskönner‘, der sozusagen das pädagogische ‚Leadership‘ beherrscht hat, der aber auch Ideengeber und Motivator war.“ Vielen Veränderungen und neuartigen Problemen habe er sich stellen müssen. Dabei sei er eher ein „unauffälliger, leiser Dirigent“ gewesen, dessen Reaktionen „unaufgeregt, verständnisvoll, lebenserfahren und warmherzig“ ausgefallen wären.

Ob Vertreter der benachbarten Schulen, Elternratsvorsitzende Katharina Schlothauer oder Pastor Langemann für die Hagener Kirchen, alle waren sich bei der Geschenkauswahl einig gewesen. Als wenn sie sich abgesprochen hätten, gingen sie dabei auf Jürgen Wittes Leidenschaft ein – das Kochen. So „hagelte“ es ausgefallene kulinarische Gutscheine, Peter Gausmann vermittelte Jürgen Witte gar den Auftritt eines Gastkochs. Den Vogel schoss das Kollegium ab, das ihrem scheidenden Schulleiter eine Sammlung wenig bekannter Rezepte vermachte, die ohne Ausnahme von seinen (ehemaligen) Kollegen zusammen getragen wude.

Jürgen Witte nutzte seine Ansprache, allen Dank zu sagen, die mitgeholfen hätten, die Grundschule Gellenbeck zu einem Aushängeschild zu machen. Dann ließ er die wichtigsten Meilensteine der letzten Jahre Revue passieren. Dazu gehört für ihn an erster Stelle die Erhaltung des Sprachförderbereichs am Standort Gellenbeck. „Er ist unter meinem Vorgänger Gregor Wulftange 2007 ins Leben gerufen worden“, berichtet er, „und stand nach Einführung der Inklusion lange Zeit auf der Kippe.“

Es sei ein hartes Ringen gewesen, erinnerte er sich: „Gemeinsam mit unserem Partner, dem Kollegium der Comeniusschule, der Unterstützung von Eltern und vor allem durch Führsprache von örtlichen Politikern erhielten wir schließlich die Zusage, Kinder mit sprachspezifischen Defiziten aus allen umliegenden Grundschulen auch weiterhin an unserer Schule unterrichten zu können.“ Dass die Landesschulbehörde, die sich nicht ausreichend eingebunden fühlte, verärgert reagierte, nahmen alle an diesem Coup Beteiligten in Kauf.

Stolz ist Jürgen Witte, der selbst begeisterter Sportler ist, auf den Ausbau der Bereiche Sport und Gesundheit, die alle Grundschüler weit über das übliche Maß hinaus in „Bewegung“ bringt. Mit Sportlehrern und in Zusammenarbeit mit örtlichen Vereinen werden immer wieder Schnupperkurse zum Kennenlernen neuer Sportarten und Events angeboten, bei denen es darum geht, mit Spaß und Abwechslung in Bewegung zu bleiben.

Seit 2017 Jahr darf sich die Gellenbecker Grundschule zudem mit einer neuerlichen Auszeichnung schmücken: Als „bewegte Schule“ gehört es jetzt zum Schulalltag, den Mathe- oder Sprachunterricht zu unterbrechen, um Müdigkeit oder nachlassender Konzentration durch ein kurzes Bewegungsintermezzo wirkungsvoll zu begegnen.

Seit einigen Jahren sind die Gellenbecker Grundschüler auch für die Indienhilfe aktiv: Bei vielen Aktionen sind sie als Paten bemüht, für Basteleien und Vorführungen Geld zu verdienen, das dann nach Indien überwiesen wird.

Zweites Leben

Dass Gellenbecks Schulleiter in diesen Tagen den achten Geburtstag seines „zweiten“ Lebens gefeiert hat, wird den wenigsten bekannt sein, obwohl viele Weggefährte und Freunde um seinen Sieg über die Leukämieerkrankung wissen und auch als Spender bei der Aktion „Hilfe für Jürgen“ beteiligt waren. Ein gutes Jahr kämpfte er 2007 um sein Leben, bis endlich ein geeigneter Knochenmarkspender gefunden war.„Ich feiere diesen Tag jedes Jahr“, erzählt er, „er hat mein Leben nachhaltig verändert.“

Diese neue Haltung wird auch bei seiner Antwort auf die Frage nach der Gestaltung der nächsten Tage und Wochen deutlich: „Erst einmal werde ich ganz bewusst nichts tun. Dann werde ich mein Tennisspiel wieder aufnehmen, vielleicht auch ein wenig Wintersport treiben, und im Sommer wollen wir der Sonneninsel Madeira einen Besuch abstatten.“