Erfolg auf dem Jugendhof Obermeyer Tierische Pädagogen helfen in Hagen

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Hagen. Draußen ist es kalt und regnerisch. Janina Liekam, Expertin für Tiergestützte Pädagogik auf dem Jugendhof Obermeyer in Hagen und eine Gruppe von Kindern und Jugendlichen trotzen dem Schietwetter. Eingepackt in warme Jacken und mit Gummistiefeln laufen sie zur Weide um die Pferde zu holen, mit denen nun gearbeitet werden soll.

„Die Beschäftigung mit den Tieren findet größtenteils draußen statt“, erklärt Janina Liekam. Schon das sei für manche Kinder eine Herausforderung, an der sie nur wachsen könnten. Sie sollen Verbindung zur Natur spüren, im Gras sitzen, in Pfützen patschen und sich auch mal dreckig machen. Emily (9) und Kimberly (8) stehen dicht neben Haflinger Nico und Tinker Leo. Die zwei stattlichen Pferde sind doppelt so groß wie die Mädchen. Dennoch, keine Spur von Angst bei den Freundinnen. Sie striegeln die Rösser, kratzen ihnen Hufe aus und führen sie am Halfter zum Reitplatz des Jugendhofs. Manchmal geht es auch zum Ausritt in den nahe gelegenen Wald. „Geritten wird ohne Sattel, nur mit Haltegurt und Trense“, berichtet Janina Liekam. Auf diese Weise könne Bewegung und Wärme des Pferds besser gespürt werden. Viele Kinder und Jugendliche kämen so zur Entspannung und fördern ihre Motorik.

Tierisches Wachstum

Seit 14 Jahren ist Tiergestützte Pädagogik Teil des Programms der privaten Erziehungshilfe-Einrichtung Jugendhof Obermeyer. Angefangen hatte alles mit zwei Ponys, die auf den Weiden des idyllisch gelegenen Hofs grasten und sinnvoll in das Konzept der Einrichtung eingebracht werden sollten. Schnell wurde klar, dass Tiere als Therapeuten eine Bereicherung sind. Heute gibt es zwölf Pferde, einen Esel, zwei Ziegen und sieben Kaninchen auf dem Jugendhof. Minischwein Emil, mit dem die Kinder früher liebend gerne im Wald spazieren gingen, ist nicht mehr ganz so beliebt. „Emil entwickelt im Alter so seine Tücken, zwickt gerne in Füße“, meint Janina Liekam lachend. Auch die zehn Hunde des Mitarbeiter-Teams werden in die Tiergestützte Pädagogik integriert.

Zwischen Toben und Ruhe

Mischlingshündin Pulga begleitet Janina Liekam jeden Tag. „Pulga, da bist Du ja“, freut sich Julian (8), breitet die Kuscheldecke aus, legt sich auf den Bauch und möchte am liebsten mit der kleinen Hündin schmusen. Doch Pulga will sich wohl zuerst mit Sylvana (18) austoben. „Ich mache mit ihr immer ein Suchspiel. Das weiß sie ganz genau“, sagt Sylvana. Für die Hunde bedeute der Kontakt zu den Kindern und Jugendlichen Auslastung für Kopf und Körper. Deswegen seien Ruhephasen wichtig. „Pulga hat ihr Körbchen als Rückzug. Alle Kinder kennen die Regel: Wenn sie dort liegt, muss man Pulga in Ruhe lassen“, so Janina Liekam.

Nicht alle Tiere sind geeignet

Seit Oktober 2015 leitet sie die Tiergestützte Pädagogik auf dem Jugendhof Obermeyer, der Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder unterstützt und Jugendlichen Hilfestellung auf dem Weg in die Selbstständigkeit gibt. Zunächst als Erzieherin arbeitend, absolvierte sie eine berufsbegleitende Weiterbildung zur „Fachkraft für Tiergestützte Intervention“ im Zentrum für Tiergestützte Pädagogik und Therapie „Helfende Tiere“ nahe Bremen. Janina Liekam weiß, dass sich nicht alle Tiere für den Einsatz als „Pädagoge“ eignen, die meisten könnten aber durch entsprechende Ausbildung dorthin gebracht werden. Voraussetzung sei, dass das Tier aggressionsfrei ist, von Vorteil sei ein ruhiges und ausgeglichenes Wesen.

Positiver Einfluss

So verschieden die Tiere, so unterschiedlich sind auch die Charaktere der Kinder. Eine Tier-Stunde pro Woche steht jedem Kind auf dem Jugendhof zur Verfügung, dabei kann es selbst entscheiden, mit welchem Tier es spielen und arbeiten möchte. So hat Nico (11) großen Respekt vor Pferden, umso mehr Freude und Ausdauer hingegen beim Füttern der Kaninchen. Egal mit welchem Tier sie sich beschäftigen, positive Auswirkungen zeigen sich in jedem Fall. Der tierische Freund kann trösten, Vertrauen schenken, das Selbstbewusstsein stärken. „In ihrer Beziehung zum Tier werden die Kinder nicht enttäuscht“, weiß Janina Liekam. „Sie können Nähe erfahren, vor der sie, aufgrund schlechter Erfahrungen im menschlichen Umfeld, Angst haben“. Zudem lernen sie, Grenzen zu akzeptieren. Ein „Nein“ der Tiere, etwa in Form von nicht weitergehen oder knurren, habe eben noch eine ganz andere Wirkung als ein „Nein“ des Betreuers. Da Tiere sehr sensibel sind, spüren sie die Probleme des Kindes und spiegeln diese wieder. „Manchmal erkenne ich zuerst am Tier, wo der Knackpunkt liegt, wenn der Mensch versucht seine Schwierigkeiten zu verschweigen oder zu unterdrücken“.


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