„Bratwurst Delüx“ knackiges Vergnügen Plattdeutscher Schwank in Hagen prächtig in Szene gesetzt



Hagen. Ganz nach dem Geschmack des Publikums waren am Wochenende die beiden Aufführungen der Theatergruppe der Kolpingsfamilie St. Martinus. „Bratwurst Delüx“, so der Titel des Schwanks von Jürgen Weemeyer, bot allerbestes plattdeutsches Volkstheater mit Irrungen und Wirrungen, die von prächtig agierenden Darstellern in Szene gesetzt wurden.

Vor einer Woche schon hatte eigentlich die Premiere über die Bühne gehen sollen, doch die war kurzfristig abgesagt worden, nachdem direkt vor Beginn ein Zuschauer einen Herzanfall erlitten hatte. Das beherzte Eingreifen von zwei Mitgliedern des Ensembles und der rasch eingetroffenen Rettungskräfte hatte Schlimmes verhütet. Der Patient erholt sich jetzt von den Folgen in einem Krankenhaus. „Wir waren an jenem Tag natürlich vorbereitet zu spielen, doch angesichts des Zwischenfalls haben wir die Aufführung aus nachvollziehbaren Gründen abgesagt“, hatte Spielleiterin Elisabeth Schönhoff erklärt. Die Premierenkarten behalten ihre Gültigkeit, die Vorstellung wird am 17. Januar um 19 Uhr nachgeholt.

Schenkelklopfen

Das Hingehen lohnt sich, denn die beiden Aufführungen am vergangenen Wochenende waren ein voller Erfolg. Was sich da auf der Bühne abspielte, war oftmals zum Schenkelklopfen. Es agierten allerhand kauzige Figuren, die die Handlung tiefer und tiefer in das Tal der Irrungen und Wirrungen manövrierten, am Ende aber, so geht Volkstheater eben, sich wieder auflösen und zum größten Teil beruhigte Protagonisten zurücklässt.

Doch von Anfang an: Schauplatz ist, wie der Titel vermuten lässt, eine schlichte Pommesbude auf dem Land. Schlicht deshalb, weil der Betreiber Willi Klorecke (Michael Bensmann) so überhaupt nicht an irgendwelchen Michelin-Sternen für gutes Essen interessiert ist und schon eine Bratwurst mit Pommes Frites für eine spektakuläre Mahlzeit hält. Nebenbei nimmt er es mit der Hygiene nicht ganz so genau, was vor allem Dauergast Opa Kurwilke, Albert Schönhoff in einer herrlichen Rolle, auszubaden hat.

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Preisgekrönte Wurst?

Willis Frau Emmy (Karin Mayland) möchte ein wenig Pfiff in den Grill bringen und entwirft deshalb besagte „Bratwurst Delüx“, mit der sie zusammen mit ihrer Freundin Ilse Daschmann (Monika Börger) einen Preis bei einem überregionalen Wettbewerb ergattern möchte, um das Dorf und die Frittenbude bekannter zu machen. Trittbrettfahrerin dieser Tourismusoffensive ist Friseuse Susanne Klaschke (Ricarda Ehrenbrink).

Tradition und Moderne vertragen sich aber häufig nicht, weshalb Emmy ihrem Willi nichts von ihrem Plan erzählt und ihn, als die Wettbewerbsjury zum Testen kommen will, mit einem vorgespielten Auftrag aus dem Haus schickt. Doch wer dann in den Grill kommt, ist nicht Frau Beringer (Mechtild Kemper) von der Jury, sondern das Ordnungsamt. Hygienekontrolleur Pierre Marschall (Raphael Ehrenbrink) ist schockiert über die Zustände, und Willi, der inzwischen mit seinem Freund Horst Daschmann (Andreas Bolke) zurückgekehrt ist, sieht die Frittenbude in ihrer Existenz bedroht. Der Kontrolleur ruft Dorfpolizist (Werner Kemper), ebenfalls ein Stammgast, der die Kontrolle der Küche durchsetzen helfen soll.

Tohuwabohu

Inzwischen war die Gemengelage auf der Bühne explosiv geworden und musste sich zwangsläufig entladen. Ehekräche waren die Folge, Schuldzuweisungen wechselten hin und her und ein großes Tohuwabohu brach aus. Die Charaktere agierten immer hektischer, was die Zahl der Missverständnisse noch erhöhte. Dabei flogen die Gags nur so hin und her. Die Situationskomik war an einigen Stellen wirklich tränentreibend und das Publikum schier aus dem Häuschen.

Spielleiterin Schönhoff und die Laiendarsteller haben ihre Sache richtig gut gemacht. „Bratwurst Delüx“ ist straff inszeniert und bietet ein Feuerwerk an Gags und Pointen – ein wirklich knackiges Vergnügen.

Hinter den Kulissen haben Josef Bensmann und Fabian Schröer als Bühnenbauer gewirkt, Paul Nefker war für die Malerarbeiten zuständig und Franz-Josef Spreckelmeyer für das Licht und den guten Ton. Den Kartenverkauf regelt Karl-Heinz Frenk.

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Weitere Termine

Weitere Aufführungstermine sind am 21., 26. und 28. Januar, sowie am 2., 3., 4., 10. und 11. Februar. Freitags beginnen die Vorstellungen um 19.30 Uhr, samstags und sonntags um 17 Uhr. Karten gibt es im Vorverkauf für 8 Euro bei Stock, Telefon 05401/9332.

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