Zuständig in Priesterausbildung Thilo Wilhelm ist neuer Regens im Bistum Osnabrück

Thilo Wilhelm spricht über seine Liebe zu seiner Heimat Hagen und seine Aufgabe als neuer Regens vom Priesterseminar Osnabrück. Foto: Swaantje HehmannThilo Wilhelm spricht über seine Liebe zu seiner Heimat Hagen und seine Aufgabe als neuer Regens vom Priesterseminar Osnabrück. Foto: Swaantje Hehmann

Hagen. Thilo Wilhelm macht Karriere im Bistum Osnabrück. Bischof Franz-Josef Bode hat ihn zum neuen Regens des Priesterseminars ernannt. Damit ist er für die Priesterausbildung verantwortlich. Wilhelm ist mittlerweile seit fast elf Jahren Priester und seit März 2017 in der Osnabrücker Domgemeinde St. Petrus tätig. Seine Heimat Hagen hat einen Anteil an dieser Karriere.

Dompfarrer Thilo Wilhelm ist 43 Jahre alt. Seine Leidenschaft ist schon lange der christliche Glaube. Dieser begleitet ihn seit seiner Kindheit und Jugend. Nach einem kleinen Umweg, einem abgeschlossenen BWL-Studium in Osnabrück, hat Thilo Wilhelm seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Seine starke Verbundenheit zum Glauben verdankt er, wie er selbst sagt, der katholischen Gemeinde St. Martinus Hagen.

Tiefe Verbundenheit zum Glauben

Als Kind katholischer Eltern war es für ihn „völlig normal“, am Sonntag die Messe zu besuchen, als Messdiener bereit zu stehen und Teil einer kirchlichen Jugendgruppe zu sein. Für Wilhelm war die Martinusgemeinde sein zweites Zuhause: „In den Messen, beim Messdienen oder im Jugendheim traf ich meine Freunde und wir tauschten uns aus. In der Zeit, wo es noch keine Handys gab, war das ziemlich praktisch.“

Wilhelm hatte als Jugendlicher nicht Popstars oder Sportler als Vorbilder. Es waren die Geistlichen in seiner Gemeinde, denen er nachgeeifert hat. „Die Kaplane waren nicht nur Autoritätspersonen, sie gehörten einfach zu unserer Jugendgruppe dazu - oft waren sie auch nicht viel älter als wir“, sagt Wilhelm.

Von BWL zur Theologie

Betrachtet man Thilo Wilhelms Freizeitbeschäftigung als Kind und junger Erwachsener, so liegt die Annahme nahe, dass ein Mensch, der viel Zeit in einer katholischen Kirchengemeinde verbringt und tief im Glauben verwurzelt ist, bestimmt Theologie studiert. Dem war aber zunächst nicht so. „Nach dem Abitur am Gymnasium Oesede hatte ich ein Theologiestudium gar nicht auf dem Schirm“, sagt Wilhelm. Seine Wahl fiel auf Betriebswirtschaftslehre, das Studium schloss er in Osnabrück mit einem Diplom ab. „Doch schon während dieser Zeit wurde mir klar, dass ich den Glauben zu meinem Beruf machen und noch ein Theologiestudium beginnen möchte.“ Sein Ziel: „Andere Menschen im Glauben zu begleiten und Seelen zu helfen.“

Bereut habe Thilo Wilhelm es nie, zunächst BWL studiert zu haben, sagt er. Im Gegenteil. „Mein Diplom hat mir viel Sicherheit gegeben. Falls ich gemerkt hätte, dass mir die Theologie doch nicht liegt, hätte ich beruflich Anschluss gefunden.“ Diese Sicherheit im Rücken begrüßten auch seine Eltern, die seinen Wunsch, katholische Theologie zu studieren und eventuell Priester zu werden, gelassen hinnahmen. „Meine Eltern hatten irgendwie schon geahnt, dass es mal in diese Richtung gehen könnte.“ Wichtig sei ihnen nur gewesen, dass er sich mit der Berufswahl sicher war. „Vor allem deshalb, da ich als katholischer Priester keine Familie gründen und Kinder bekommen kann“, sagt Wilhelm. Gesagt, getan: Wilhelm begann im Jahr 2001 sein Theologiestudium und wurde sechs Jahre später schließlich zum Priester geweiht.

Neue Aufgabe als Regens

Nach beruflichen Stationen in Haren und Georgsmarienhütte ist er seit März 2017 Pfarrer in der Osnabrück Domgemeinde St. Petrus. Außerdem hat ihn Bischof Bode zum Regens des Priesterseminars ernannt. In dieser Position kümmert sich Thilo Wilhelm um angehende Priester des Osnabrücker Priesterseminars, dem Ausbildungsort der katholischen Priester. Wilhelm begleitet sie während und nach ihrem Studium. „In Osnabrück werden in diesem Frühjahr zwei junge Männer zum Priester geweiht“, sagt Wilhelm. Das sei besonders erfreulich, da es in Osnabrück im vergangenen Jahr keine Priesterweihe gab. „Als Regens berate und helfe ich, entscheide aber auch, wer zur Priesterweihe zugelassen wird.“

Priesterausbildung im gesamten Bistum Osnabrück

Wilhelm ist als Regens für die angehenden Priester im gesamten Bistum Osnabrück zuständig. Teile der Priesterausbildung werden im Priesterseminar Osnabrück vermittelt. Rund 20 Prozent seiner Arbeitszeit müsse er für die Tätigkeit als Regens aufwenden. Trotzdem bleibt Wilhelm aber noch genug Zeit für seinen Job als Dompfarrer: „Wir sind hier in Osnabrück ein gutes Team, alle ziehen an einem Strang und sind gut organisiert“, sagt er. „Wichtig ist mir, dass ich in meiner Aufgabe als Regens, den angehenden Priestern ihren kommenden Arbeitsalltag nahe bringen kann. Dabei kann ich ihnen als Dompfarrer gut vermitteln, wie zum Beispiel die Arbeit als Seelsorger in der Praxis aussieht“, sagt Wilhelm.

Heimatliebe Hagen

Seelsorger, Pfarrer und Regens: Thilo Wilhelms Tage sind gut ausgefüllt. Trotzdem verliert er seine Heimat nicht aus dem Blick. „Ich versuche, mindestens einmal die Woche in Hagen zu Besuch zu sein“, sagt er. Dort lebt seine Familie, darunter seine Eltern und die beiden Geschwister. Auch viele seiner Freunde seien in Hagen anzutreffen. „Hagen ist einfach Heimat für mich“.

Wenn Wilhelm „seine“ Kirchengemeinde in Hagen besucht, fallen ihm auch Unterschiede zu seiner neuen Heimat Osnabrück auf. „Auf dem Dorf wird der Glaube teilweise noch anders gelebt. Kirchliche Veranstaltungen sind selbstverständlicher als in der Stadt.“ In Hagen sei das Zusammenspiel zwischen Kirchengemeinden, Politik und Vereinen besonders eng. Das sei in einer größeren Stadt wie Osnabrück teilweise schwieriger zu koordinieren. Auf die Frage hin, ob es einen Unterschied zwischen Osnabrück und Hagen gibt, hat Wilhelm eine deutliche Antwort: „Die Hagener sind unglaublich stolz auf ihre Gemeinde und zeigen das auch. Das finde ich sympathisch, auch, wenn das für Außenstehende oft schwer zu verstehen ist.“

Aber egal ob als Priester auf dem Land oder in der Stadt: Einen Rat hat Pfarrer Wilhelm für alle (angehenden) Priester: „Das Wichtigste ist, dass man die Nähe zu den Menschen sucht. Als Priester kann man durch den Glauben der Anderen auch viel für sich lernen.“


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