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VOS um Treffen bemüht Bus lässt Rollstuhlfahrerin in Glandorf stehen

Von Anne Spielmeyer | 19.01.2015, 15:55 Uhr

Es ist nicht das erste Mal, dass Heike Thomsen an der zentralen Haltestelle ZOB am Parkring in Glandorf stehen gelassen wurde. „Das war schon öfter so“, sagt die 25-Jährige, die seit einem schweren Verkehrsunfall im Rollstuhl sitzt.

Momentan entscheidet jeder Fahrer der Verkehrsgemeinschaft Osnabrück (VOS) selbst, ob er sie sicher befördern kann oder nicht. „Ein unhaltbarer Zustand“, finden beide Seiten. Denn jedes Warten an der Bushaltestelle gleicht einem Poker: Nimmt der Bus sie mit, oder lässt er sie stehen? In der vergangenen Woche ist es wieder passiert. „Ich wollte nach Oesede fahren, aber der Busfahrer hat mich nicht mitgenommen“, erzählt Heike Thomsen. Auch nicht auf Nachfrage. Die Busse nach Oesede fahren nicht im Zehn-Minuten-Takt, sondern stündlich. Ihren Termin beim Hörgeräteakustiker konnte die 25-Jährige damit vergessen.

Regelmäßig aufgeschmissen

Mehrmals die Woche fährt sie mit dem Bus nach Georgsmarienhütte – um Besorgungen zu machen oder Termine wahrzunehmen. „Wenn ein Busfahrer die Rampe nicht ausklappt, bin ich aufgeschmissen“, beklagt sie die Situation. „Es kann so nicht weitergehen.“

Die Verkehrsgemeinschaft Osnabrück sieht das ähnlich: „So, wie es momentan läuft, soll es nicht sein“, sagt VOS-Sprecher Marco Hörmeyer. Warum läuft es dann so? Das Problem von Heike Thomsen sei den Fahrern und der Verkehrsgemeinschaft bekannt, aber noch nicht gelöst. „Für uns ist die Sicherheit aller Fahrgäste maßgeblich“, erklärt Hörmeyer. Wie sicher der Transport sei, liege im Zweifelsfall im Ermessen jedes einzelnen Busfahrers. „Manche Fahrer sind bei dem großen elektronischen Rollstuhl unsicher“, erklärt der Sprecher.

Bremstest könnte helfen

Wenn Heike Thomsen mitfahre und ihr E-Rolli beispielsweise nicht richtig gesichert sei, könne sie sich selbst oder andere Fahrgäste gefährden. „Ich ziehe immer die Handbremse an, wenn ich zusteige“, versichert Thomsen. Reicht das, wenn der Bus stark bremsen muss? Um das zu klären, strebt die VOS ein Treffen mit der 25-Jährigen an. „Ein spezieller Fahr- und Bremstest wäre hilfreich“, so Hörmeyer. In der Vergangenheit sei immer eine Lösung gefunden worden. Die Mitarbeiter hätten sich schon in schriftlicher Form an sie gewandt – „bisher leider ohne Erfolg“, bedauert Hörmeyer.

Heike Thomsen dagegen sagt, sie habe noch keine Post erhalten. „Ich fände ein Treffen sehr gut. Sonst geht es ja nicht voran“, betont sie. „An mir soll es nicht scheitern.“ Einer schnellen Lösung, die die junge Frau weder an der Haltestelle noch im Regen stehen lässt, dürfte nun nichts mehr im Weg stehen...