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Straßenkunde: Schmale Straße Haarweg in Glandorf führt mitten durch Ackerland

Von Claudia Ix | 03.12.2015, 13:00 Uhr

Von der Münsterstraße aus führt der Haarweg als kleine Straße zwischen Bäumen, Feldern und Höfen bis zum Kuhlbach.

Die Bezeichnung „Haar“ kam und kommt bei Straßen- und Flurbezeichnungen in Glandorf häufig vor. Neben dem Haarweg findet man die Bezeichnung Haarkamp, Averfehrdener Haar und „Up de Haar“ (früher Schweger Haar). Averfehrdener und Schweger Haar sind heute allerdings nicht mehr gebräuchlich. Stattdessen heißen die Gebiete Averfehrdener und Schweger Wüste.

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Sprachforschung

Der Historiker Dr. Christof Spannhoff aus dem Nachbarort Lienen hat für das Heimat-Jahrbuch Osnabrücker Land 2015 einen Bericht über die Herkunft des des Namens Haar als Flur- und Straßenname geschrieben. Er schildert darin ausführlich die verschiedenen Theorien, welche Bedeutung der heutige Flurname Haar haben könnte: den Hinweis auf einen Höhenzug oder eine Anhöhe zweifelt er an, weil auch münsterländische Gebiete den Namen tragen, die nicht an einer Anhöhe liegen. Im niederdeutschen Sprachraum kann Har auch Schlamm, Morast oder Kot heißen.

Schlussfolgerung

Spannhoff kommt zu folgender Schlussfolgerung: „Das in Flur- und von diesen abgeleiteten Siedlungsnamen auftretende Wort Haar ist etymologisch an germanisch *herw-, *heru- (etwa in gotisch harius, altenglisch heoru, ´Schwert`), ablautend *harw-, *haru- `scharf´ anzuschließen, das auch in mittelniederdeutsch haren, hären, `dengeln, schärfen`, niedersächsisch har-hamer, här-hamer `Hammer zum Aushämmern der Scharten, Dengeln, Schärfen der Sense`, har-spet `Amboss zum Schärfen der Sense`, har-tau, har-güg `Gerät zum Schärfen der Sense´, mittelhochdeutsch hart(w)e `scharf´ vorliegt. In den Örtlichkeitsnamen (Toponymen) nördlich der Mittelgebirge bedeutet es in den allermeisten Fällen `Ecke, Winkel, Rand, Grenze´ als Benennung von Ödland- und Heideflächen und konnte somit auch metonymisch für `abgelegenes Gelände´ gebraucht werden. In einigen Fällen dürfte auch die später entwickelte Bedeutung `trocken, trockene Stelle´ anzusetzen sein.“

Erst in neueren Karten verzeichnet

Der Glandorfer Haarweg selbst ist erst auf neueren Karten verzeichnet. „Diese Straße verläuft zwischen zwei auch heute noch bekannten Flurbezeichnungen: Harthnickel und Vor der Haar. Sie wird daher ihren Namen bekommen haben“, vermutet Frank Niermann, 1. Vorsitzender von „KultgourGut!“Glandorf. Niermann selbst vermutet, dass die Glandorfer „Haar-Gebiete“ eher Winkel oder trockene Stellen bezeichneten.

Viel Ackerland

Auch heute noch sind die Gebiete, die in Glandorf mit „Haar“ bezeichnet werden, hauptsächlich Ackerland und, genau wie der Haarweg, dünn besiedelt. Am Haarweg finden Spaziergänger oder Radwanderer eine kleine, idyllisch gelegene Rastecke mit Holztisch und Bänken. Anders ist das an der Straße „Auf dem Haarkamp“. Hier befindet sich heute das Glandorfer Industriegebiet mit Möbelhandelsgeschäft, Maschinenbauunternehmen, Autowerkstatt oder Metzgerei.