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Vom Wert der Freundschaft Pfarrer Höne ist in Glandorf angekommen

Von Andrea Pärschke, Andrea Pärschke | 05.06.2018, 18:51 Uhr

Seit einigen Wochen lebt Pfarrer Stephan Höne nun mitten in „Gefühlt bin ich schon viel länger hier“, berichtet er von dem warmen Willkommensgruß in seiner neuen Gemeinde. Doch manchmal kommen auch unerwartete Gäste an die Tür des alten Pfarrhäuschens: Zum Beispiel, die Zeugen Jehovas.

Doch egal, wer es ist. Wenn sich die Tür öffnet, steht vor ihnen der neue Pfarrer, meistens im schwarzen Hemd und Kollar, fast immer linst seine Hündin Laika zwischen seinen Beinen hindurch. Wer da wohl kommt? An diesem Vormittag ist es keine Überraschung. Und so warten auch schon zwei Becher dampfenden Filterkaffees auf der Terrasse. „Früher hieß es oft: Pfarrer mit Kollar sind erzkonservativ“, ist sich Stephan Höne mit einem herzlichen Lächeln der Strenge bewusst, die die traditionelle Kleidung für viele bedeutet – und distanziert sich gleichzeitig davon: Denn für ihn bedeutet der Kollar nur eins: Sich in der Öffentlichkeit als Priester zu zeigen – und damit auch immer als Pfarrer ansprechbar zu sein, sich Begegnungen öffnen. „Das geht natürlich auch ohne“, sagt er – gerade in Gemeinden, in denen jeder jeden kennt, in Orten wie Glandorf, in der Kirche und Pfarrhaus mitten im Ortskern sind. Stephan Höne mag es so: „Das gehört einfach dazu“, sagt er. „Das Priesteramt ist eine Lebenseinstellung.“

Der Franziskaner-Orden

Eine Einstellung, die Stephan Höne nicht von heute auf morgen gefunden hat. „Ich bin nicht den geraden Weg gegangen“, sagt er. Und so begann er nach den Jahren an der Möser-Realschule in Osnabrück, zunächst eine Lehre im Groß- und Außenhandel bei Frommeyer und Ziegemeyer. Nach dem Abschluss trat er dann dem Orden der Franziskaner bei, holte sein Abitur nach und begann in Münster sein Theologiestudium.

Die Zeugen Jehovas

„Wir haben dort viele Praktika gemacht“, erinnert er sich. Vier Wochen stand er am Fließband: Seit dem weiß er, was es heißt körperlich und vor allem monoton zu arbeit – und trotzdem immer Leistung bringen zu müssen. Das prägt, öffnet den Blick und baut Berührungsängste ab. „Wer denkt, dass es eine einzig heilbringende Meinung gibt, hat schon verloren“, sagte Stephan Höne auch vor einigen Tagen als die Zeugen Jehovas bei ihm anklingelten, um mit ihm über Jesus zu sprechen. Das gelte jedoch im gleichen Maße für die katholische Kirche: Vielfalt zulassen, ohne die eigene Identität zu verlieren.

Glaube als Heilmittel

Seine Zeit als Student führte ihn schließlich auch näher zu sich selbst: „Das Gemeinschaftsleben in einem Orden ist nicht leicht“, so Höne. Er liebt seine Freiheit, die die Klostermauern engten ihn schließlich zu sehr ein. Er wurde erst Kaplan in Wallenhorst und Meppen und später als Pfarrer in Merzen, wo er drei Kirchengemeinden zu einer zusammengeführte. „Nach der Priesterweihe dachte ich, jetzt veränder ich die Welt“, erinnert er sich. Doch auch Priester sind Menschen, denen alles einmal zu viel wird. Für Stephan Höne mündeten das vor einigen Jahren im Burn Out. Als Heilmittel erwies sich schließlich auch sein Glaube, bei dem es auch darum gehe sich selbst, andere, alle Menschen in all ihren Facetten und in ihrer Begrenztheit anzunehmen. „Das ist ein Ziel, ein gutes, vorurteilsfreies Miteinander in der Gemeinde“, sagt er und lächelt. Es ist nich immer alles nur ernst, es soll auch Spaß machen.

Ruheoasen

Seinen eigenen „Begrenztheiten“ begegnet er mit Ruheoasen, die er auch in Freundschaften findet, in der Sauna, bei angeregten Gesprächen, früher – häufiger als heute – beim Squash. Und natürlich ist da auch noch Laika, eine „Kleine Münsterländerin“. Wie aufs Stichwort steht Laika bereit, die Leine im Maul. Drei mal täglich geht er mit ihr spazieren, entspannt, lässt seine Gedanken schweifen. Das löst vielleicht keine Probleme – aber bringt Energie für neue Aufgaben.