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Glandorf "Wir haben unsere Schularbeiten gemacht"

09.12.2002, 23:00 Uhr

Sowohl auf Landes- als auch auf Kreisebene steht Glandorf in der Finanzstatistik vergleichsweise gut da: Der aktuelle Haushalt, der zu Beginn des Jahres noch ein Defizit auswies, konnte über den Nachtrag ausgeglichen werden. Die Verschuldung wächst zwar, hält sich aber trotz großer Investitionen in der Vergangenheit in überschaubaren Grenzen. Und die Personalkosten im Rathaus gehören zu den niedrigsten im Landkreis. Steht die Südkreisgemeinde also auf der Sonnenseite, während andere Kommunen von den Schwingen des Pleitegeiers überschattet werden?

So rosig möchte Michael Robbert, Fachdienstleiter für Zentrale Aufgaben und als Nachfolger des früheren Kämmerers zuständig für die Finanzen in der Gemeindeverwaltung, die Situation nicht interpretiert sehen. "Wir haben uns in den letzten Jahren noch so über Wasser gehalten, haben aber den Ausgleich immer nur durch Sachen geschafft, die wir nicht selber beeinflussen können", betont er. Im Verwaltungshaushalt gab es 1996, 1998, 1999 und 2000 hohe Fehlbeträge, die sich auf insgesamt rund 1,2 Millionen Euro beliefen. Nur 1997 sowie 2001 und 2002 konnte der Etat noch ausgeglichen werden. Im Gegensatz zu den über Jahre hinweg angehäuften Defiziten manch anderer Kommune handele es sich in Glandorf um Fehlbeträge, die im jeweils laufenden Haushaltsjahr entstanden, erklärt Robbert.

Dabei habe sich das Ausgabevolumen nur unwesentlich verändert: "Die Schwankungen in den Haushalten sind bedingt durch die starken Schwankungen bei den Gewerbesteuereinnahmen und damit verbunden die Zahlungen aus dem Finanzausgleich des Landes."Dass es Glandorf (noch) relativ gut geht, hat mehrere Gründe: Nach dem schon vorher in Eigenregie geführten Wasserwerk wurden 1996 auch die Teilbetriebe Schmutzwasser und Regenwasser der Gemeindewerke aus dem Gesamthaushalt ausgegliedert. Sie werden kostendeckend über Gebühren finanziert. Auch die Kindergartengebühren wurden rechtzeitig auf "zumutbare" Elternbeiträge angehoben, um höhere Defizite zu vermeiden.

Seit Jahren wird eine konsequente Sparpolitik verfolgt: Freiwillige Leistungen (z. B. Familienpass) wurden ausgesetzt, Zuschüsse an Vereine auf den Prüfstand gestellt, Investitionszuschüsse teilweise abgelehnt, vor allem aber die Personalkosten in der Verwaltung reduziert. Um die von der Gemeinde auszugleichenden Verluste im Hallenbad (jährlich 175000 bis 200000 Euro) zu verringern, bemüht sich ein Arbeitskreis um Kostenminimierung und Attraktivitätssteigerung.Trotz aller Sparmaßnahmen ist auch der Schuldenstand in Glandorf (einschließlich "Schattenhaushalt" Gemeindewerke) von 666, 20 Euro im Jahr 1996 auf 748,70 Euro je Einwohner im Jahr 2002 gestiegen. Die Pro-Kopf-Verschuldung liegt damit aber immer noch um 400 Euro unter dem Kreisdurchschnitt. Als Hauptgrund für den Schuldenanstieg nennt Robbert den Neubau der Grundschule und den Umbau der Ludwig-Windthorst-Schule zur Haupt- und Realschule."Wir haben unsere Schularbeiten gemacht", sagt Gemeindedirektor Hubert Schlotmann nicht ohne Stolz. Dennoch (oder gerade deshalb) werde die Südkreiskommune im nächsten Jahr mit 510000 Euro weniger Finanzzuweisungen wirtschaften müssen. Und Michael Robbert gibt zu bedenken, dass die Beschränkungen aufs Nötigste auch einen Investitionsstau zur Folge hatten: In den nächsten Jahren braucht Glandorf dringend ein neues Feuerwehrgerätehaus und ein neues Rathaus; auch im Straßenbau stehen Ausgaben an. Finanzieren könne die Gemeinde dies künftig nur über zusätzliche Kredite, deren Kosten im Verwaltungshaushalt erwirtschaftet werden müssten, so Robbert: "Der Spielraum ist ausgereizt. Mehr sparen können wir nicht."

Das Thema der Woche:Sind die Kommunen pleite?