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Diözesanversammlung zur Bildung Kolping-Kritik am G-8-Abitur

Von Stefan Buchholz | 18.09.2011, 13:50 Uhr

Kontra für die Bildungspolitik: Bei der Diözesanversammlung des Kolpingwerkes in Glandorf kritisierten Praktiker das neu eingeführte Abitur nach acht Gymnasialjahren und die Finanzierung der Schulen. Der katholische Verband hatte das Thema „Niemand darf verloren gehen – gerechte Bildung eröffnet Chancen fürs Leben“ in den Vordergrund seiner Tagung gestellt.

Die Antwort des niedersächsischen Kultusstaatssekretär Stefan Porwol auf die Frage nach dem Sinn des um ein Jahr verkürzten Abiturs (G8) belebte schlagartig die Diskussion. „Es kann nicht falsch sein, was überall um uns herum erfolgreich ist“, meinte Porwol. Und der Staatssekretär legte noch einen drauf: „G8 ist nicht mehr umkehrbar.“ Da platzte Podiumsteilnehmer Jan-Hendrik Kuntze von der Kolpingjugend doch der Kragen. „Müssen wir immer nur auf Rankings schielen, und wo bleibt die Qualität?“ Die sei konstant geblieben, antwortete Porwol. Die Abschlussnoten hätten sich nicht verändert.

Widerspruch löste auch sein Verweis aus, das Land könne nur zur Hälfte die Schulsozialarbeiter bezahlen. Den Rest müssten die Träger vor Ort übernehmen. Rektorin Hildegard Oevermann von der Osnabrücker Thomas-Morus-Schule hielt dagegen: „Wer Schulden zur Rettung des Finanzsystems übernimmt, sollte auch Schulden im Bildungsbereich machen können. Das Geld würden diejenigen abzahlen, denen es auch zugutekommt.“

Einigkeit auf dem Podium dafür bei der frühkindlichen Bildung. Für die seit Jahren beobachteten elementaren Mängel in Rechtschreibung, Rechnen und Lesen seien auch die Eltern in die Pflicht zu nehmen. „Das gilt ebenso, wenn es um menschlich-soziale Umgangsformen wie beispielsweise das Grüßen geht“, schilderte Oevermann Praxisprobleme. Die Verantwortung der Eltern hatte Staatssekretär Porwol im Vortrag ebenfalls angemahnt. „Jedes fünfte Kind ohne Migrationshintergrund hat heute Defizite in der Sprachbildung.“ Deren Förderung sei eine Querschnittsaufgabe, da Sprachkompetenz Bildungserfolg sowie Integration in Beruf und Gesellschaft bedeute, sagte Porwol.

Lob verteilte er für das pädagogische Berufsbildungsprogramm „kolping@ school“. Zwei dieser Kooperationen mit Schulen stellte Projektleiterin Sandra Rickermann vor. Dabei arbeiten Kolpingmitglieder im handwerklichen Bereich mit Grundschülern in Belm und unterstützen die Berufsorientierung im Sekundar-eins-Bereich in Emsbüren.

Am Abend wurden fünf Kolpingfamilien für besondere Aktionen von der verbandsinternen „Stiftung 2000 – Hans-Tegeler-Stiftung“ geehrt. 1. Preis an Kolping Wallenhorst (Kinderkreuzweg), 2. Preis an Westrhauderfehn (Leseprojekt Grundschule), 3. Preis an Osnabrück-Eversburg (Lese-Opa), 4. Preis an Haren (Mitgliederwerbung via Segeltörn), 5. Preis Bohmte (Familiennachmittag ).