Sorgfältig und selbstständig Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik

Als Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik baut Michael Scharmann unter anderem Formwerkzeuge in Spritzgießmaschinen ein. Foto: Danica PieperAls Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik baut Michael Scharmann unter anderem Formwerkzeuge in Spritzgießmaschinen ein. Foto: Danica Pieper

Glandorf. Ob Auto, Haushaltsgerät oder Computer: Kunststoffteile sind überall. Als Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik stellt Michael Scharmann im M. Faust Kunststoffwerk in Glandorf die unterschiedlichsten Kunststoffteile her – ein Beruf, der Sorgfalt erfordert, dem Auszubildenden aber schon früh selbstständiges Arbeiten ermöglicht.

Am Anfang war die Butterdose. In der Schule fragte ein Lehrer Michael Scharmann und seine Mitschüler, ob sie denn wüssten, wie eine Butterdose hergestellt wird. „Darüber habe ich mir nie Gedanken gemacht“, erzählt der 20-Jährige. Die Frage hat jedoch sein Interesse geweckt. Er informierte sich weiter und lernte so den Beruf des Verfahrensmechanikers für Kunststoff- und Kautschuktechnik kennen. Mehr aus Glandorf im Netz

Spritzguss

Hinter dieser recht abstrakten Bezeichnung steckt eine ausgesprochen praktische Arbeit. Seine Ausbildung absolviert Michael Scharmann im M. Faust Kunststoffwerk in Glandorf, ein inhabergeführtes Unternehmen mit rund 90 Mitarbeitern aus der kunststoffverarbeitenden Industrie mit eigener Entwicklung, Konstruktion, Formenbau und Fertigung. Der Auszubildende ist hier an der Produktion von technischen Kunststoffteilen beteiligt, die mittels Spritzgussverfahren hergestellt werden. Dazu füllt man Kunststoffgranulat über einen Trichter in die Spritzgießmaschine, wo es erwärmt, geschmolzen und in ein Formwerkzeug gespritzt wird. Verfahrensmechaniker wählen unter anderem das richtige Material aus, programmieren und bedienen die High-Tech-Anlagen, bauen die Spritzgusswerkzeuge ein und aus und überprüfen die Qualität der Kunststoffteile.

Obwohl Michael Scharmann gerade erst das erste Ausbildungsjahr abgeschlossen hat, kann er schon einen Großteil seiner Aufgaben eigenständig erledigen. „Wir legen sehr viel Wert auf selbstständiges Arbeiten“, erklärt Ausbilder Daniel Hoppmann. Sein Auszubildender ist froh, dass Faust ihm schon so viel Verantwortung überträgt und er bereits an der Maschine stehen kann: „Die Anlagen sind sehr bedienerfreundlich. Als Frischling kann man sich da sehr gut hineinfuchsen.“ Das bedeutet jedoch nicht, dass Michael Scharmann ganz auf sich allein gestellt ist. Seine älteren Kollegen stehen ihm mit Rat und Tat zur Seite.

Selbstständigkeit

Faust möchte seinen Auszubildenden jedoch nicht nur früh selbstständiges Arbeiten ermöglichen, sondern sie auch mit allen Bereichen der Kunststoffverarbeitung vertraut machen. In dem Familienunternehmen erhalten Kunden alles aus einer Hand: von der Entwicklung eines Teils bis hin zu Produktion und Vertrieb. Angehende Verfahrensmechaniker erhalten daher auch Einblicke in die Qualitätssicherung, die Materialvorbereitung oder den Werkzeugbau.

Apropos Werkzeugbau: Faust stellt einen Großteil seiner Formwerkzeuge selbst her. Das Kunststoffwerk bildet daher auch Werkzeugmechaniker aus – in diesem Jahr übrigens erstmals eine Frau. Die Auszubildenden lernen, wie sie anhand von 3D-Modellen durch Drehen, Fräsen, Schleifen, Bohren oder Erodieren Werkzeuge herstellen. Auch sie erhalten Einblicke in andere Abteilungen, darunter auch die Spritzerei.

Zukunftsbranche

Wer sich für eine Ausbildung zum Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik interessiert, sollte einen guten Hauptschulabschluss sowie gute Mathe- und Physikkenntnisse mitbringen. Michael Scharmann schätzt die Chancen, die die Kunststoffverarbeitung bietet: „Das ist eine Zukunftsbranche, sie entwickelt sich ständig weiter.“ Faust etwa konstruiert regelmäßig neue Teile. Hoppmann und sein Auszubildender finden es nur schade, dass Berufe in der Kunststoffverarbeitung bisher eher unbekannt sind. Auf der Ausbildungsmesse „Azubis werben Azubis“ am 1. September zeigte der Ausbilder Schülern daher live, wie die Herstellung von Kunststoffteilen funktioniert – damit sich keiner mehr fragen muss, woher die Butterdose kommt.

Freie Ausbildungsstellen finden sich unter jobs.landkreis-osnabrueck.de oder auf der „Azubis werben Azubis“-Messe (Infos: ilek-sol.eu).


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