Zurück zur Erwachsenenbildung Schwerer Abschied für Glandorfs Flüchtlingskoordinatorin

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Glandorf. Ab August wird Simone Gangei wieder in einer Erwachsenen- und Weiterbildungseinrichtung tätig sein. Eineinhalb Jahre hat sie nun als Sozialarbeiterin Flüchtlinge in Glandorf betreut. Die Menschen werden ihr fehlen.

Eigentlich ist das ja gar nicht Simone Gangeis Art: „Ich mag es lieber geregelt“, sagt sie und lacht. Und tatsächlich sie ist lange Zeit den geraden Weg gegangen: Magisterstudium für Soziologie und Literaturwissenschaft, Beruf, Kinder, Wiedereinstieg in Teilzeit. Vor eineinhalb Jahr machte sie es dann einfach anders. Die Zeit war reif. Sie kündigte ihre feste Stelle bei der Katholischen Erwachsenenbildung in Osnabrück. Letzten Anstoß dazu gab die Stellenausschreibung ihrer Heimatgemeinde Glandorf: Gesucht wurde eine Flüchtlingskoordinatorin. „Ich habe immer gerne Menschen geholfen“, sagt die Sozialarbeiterin für Flüchtlingsangelegenheiten.

Integration der Frauen

Während sie das noch sagt, flitzen mit einem mal zwei kleine Mädchen in den Versammlungsraum in die Kripplein Christi, die evangelische Kirche Glandorfs. Ihre Haarbänder: pink und lilafarben. Ihr Ziel: die Spielkiste. Ihre Mutter folgt ihnen auf dem Fuß. Sie hat einen Fragebogen dabei, es geht um die Anmeldung bei einem Mutter-Kind Kursus. Die junge Mutter ist eine von mehreren Frauen mit Fluchterfahrung, die sich regelmäßig in der von Simone Gangei (und ihren beiden ehrenamtlichen Kolleginnen Vera Sprengkamp und Hala Othmann) ins Leben gerufenen Gruppe treffen. „Die Männer sammelten Kontakte, gingen schnell vor die Tür“, erinnert sich die Flüchtlingskoordinatorin an den Beginn des Projektes. Die Frauen blieben zu Hause bei ihren Kindern. Die drei Frauen schlugen kurzerhand vor, die Kleinen einfach mitzubringen. Seitdem findet das Treffen wöchentlich statt. Dabei geht es um alles, was auf der Seele brennt: Kochen, nähen, die Zahnpflege, die Schulbildung der Kinder – aber auch berufliche Perspektiven werden ausgelotet.

Kein 20-Stunden-Job

Doch das war nur ein Teil von Simone Gangeis vielfältigen Aufgaben: „Jeder Tag ist anders“, berichtet sie. Da kann es darum gehen, Formulare für die Aufenthaltsgenehmigung auszufüllen, bei der Ausländerbehörde nachzuhaken. Auch ganz alltäglich Dinge stehen auf der Liste: „Ein älterer Herr kommt gar nicht mehr nach draußen, er ist gesundheitlich angeschlagen, kann die Sprache nicht“, berichtet sie. Sie denkt über unkomplizierte Hilfe nach – und macht damit den Unterschied. Kleinere Katastrophen halten sich dagegen nur selten an Bürozeiten: „Es kann passieren, dass am Sonntagnachmittag ein Kind ins Krankenhaus gebracht werden muss“, berichtet Gangei. Die Glandorferin war dann da, half wenn Hilfe nötig war. Doch es kommt auch viel zurück: „Erst letztens kam einer der Flüchtlinge vorbei und hat mir einen ganzen Stapel frischgebackenes Fladenbrot gebracht“, berichtet sie – und das nur, weil sie einmal erwähnte, dass sie das Brot mag.

Der Kontakt bleibt

Nach eineinhalb Jahren Flüchtlingsarbeit sucht Simone Gangei nach einer neuen Herausforderung. Ab August kehrt sie zurück in die Bildungsarbeit und wird das Bildungsbüro für den südlichen Landkreis aufbauen. Was ihr fehlen wird, sind die Menschen, die sie kennen gelernt hat. „Auch wenn ich mich auf die neue Aufgabe freue“, betont Simone Gangei. Ganz verabschieden möchte sie sich nicht. Mit der Frauengruppe möchte sie sich auch in Zukunft noch wöchentlich treffen.


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