Kampf gegen Windmühlen Pandalis will Mitarbeiter aus Glandorf abziehen

Von Stefanie Adomeit

Mit einem eigenen Brunnen und einer Fotovoltaikanlage ist die Firma Dr. Pandalis-in Averfehrden autark. Nicht beeinflussen kann der Unternehmer näherrückende Windräder.Foto: Stefanie AdomeitMit einem eigenen Brunnen und einer Fotovoltaikanlage ist die Firma Dr. Pandalis-in Averfehrden autark. Nicht beeinflussen kann der Unternehmer näherrückende Windräder.Foto: Stefanie Adomeit

Glandorf. Einen leichten Stand hatte Unternehmer Dr. Georgios Pandalis in Glandorf nie. Seit 30 Jahren erforscht der gebürtige Grieche Pflanzen und entwickelt daraus bio-zertifizierte Arzneimittel, Medizinprodukte und Nahrungsergänzungsmittel. Höchst erfolgreich. In Averfehrden baute er seinen Firmensitz auf – und wahrscheinlich bald wieder ab.

Der Wissenschaftler, der zahlreiche Patente hält, setzt auf die Urheimische Medizin: Sein Credo: Dem Menschen bekommt das am besten, was seinem Körper seit Generationen vertraut ist. Erstes Produkt war deshalb ein Präparat aus Bärlauch, einer in Mitteleuropa lange vergessenen Pflanze. Ein Flaggschiff des Unternehmens ist heute „Cystus 052“, ein Pflanzenextrakt aus einer Zistrose, der gegen alle Arten von Viren wirkt.

Schweinemäster klagte

Pandalis‘ Wunsch, den Glandorfer Betrieb zu erweitern, scheiterte vor drei Jahren. Nicht an Gemeinde und Landkreis, diese fanden den Plan gut, neben dem Averfehrdener Hauptsitz eine eingeschossige Lager- und Produktionshalle zu bauen. Ein Landwirt verklagte die Gemeinde – mit dem Argument, dass Dreiblatt und Wegwarte seine Tiere schädigen könnten. Das Oberverwaltungsgericht folgte ihm, erklärte den Bebauungsplan für ungültig und verlangte umgekehrt Pandalis ab, für 200 Pflanzen nachzuweisen, dass diese durch die Ammoniakdämpfe der gemästeten Schweine nicht geschädigt würden. Praktisch unmöglich.

Deshalb zog Pandalis einen Teil seiner Unternehmensgruppe, die Firma Teutopharma, ins nahe Nordrhein-Westfalen ab. Im interkommunalen Gewerbegebiet Versmold-Borgholzhausen rollte man dem Bio-Unternehmer den roten Teppich aus. Hier entstanden 600 Quadratmeter Produktionsfläche, eine neun Meter hohe Lagerhalle und 500 Quadratmeter lichtdurchflutete Büro- und Sozialräume. In puncto Energie ist das Unternehmen dank Fotovoltaik autark.

Gewerbesteuer fällt weg

Bedauerlich für Glandorf, weil das Unternehmen Null Emissionen erzeugte und einen ordentlichen Batzen Gewerbesteuer zum Gemeindehaushalt beiträgt. Pandalis hat einen Jahresumsatz von etlichen Millionen.

Der Nebensitz am Glandorfer Füchtenweg aber blieb. Bis jetzt. Denn zu den sieben Glandorfer Windrädern sollen weitere vier in der Schweger Wüste in Averfehrden hinzukommen. Bevor diese etwa 600 Meter entfernt in Betrieb genommen werden, will der 65-jährige Pandalis alle Angestellten aus Averfehrden abziehen und den Standort schließen. „Ich kann nicht zulassen, dass meine Mitarbeiter in der Nähe von Windrädern arbeiten. Dann lege ich Averfehrden still.“

Rotorblätter am Turm

Biologe Pandalis sieht vor allem den Infraschall kritisch. Dieser entsteht immer dann, wenn das Rotorblatt am Turm einer Windkraftanlage vorbeistreicht und dabei Luft komprimiert. Es gibt Studien, die nahelegen, dass nicht hörbarer Infraschall das vegetative Nervensystem beeinflusst. Andere Wissenschaftler glauben nicht daran. Sie meinen, was man nicht hört, könne auch nicht schaden.Auch alle gültigen Schutznormen wie die Technische Anleitung (TA) Lärm gehen davon aus, dass nur solcher Schall schaden kann, der vom Ohr wahrgenommen werden kann.

Untersuchungen der Ludwig-Maximilians-Universität München widersprechen dieser Auffassung: „Die Annahme, tiefe Töne würden vom Ohr nicht verarbeitet, weil sie nicht oder schwer hörbar sind, ist falsch“, so der Neurobiologe Markus Drexl zu der Studie: „Das Ohr reagiert sehr wohl auch auf sehr tieffrequente Töne.“Und es brauche Zeit, um sich von diesen Tönen zu erholen.

Dänische Studie

Das Umweltbundesamt hat in einer anderen Untersuchung festgestellt, dass die Indizien für gesundheitliche Gefahren von Infraschall-Emissionen ernst zu nehmen seien und dringend besser erforscht werden müssten. Noch in diesem Jahr soll eine große dänische Studie veröffentlicht werden.

Ein Mittel zum Schutz vor Infraschall wären größere Abstände von Windrädern zu Wohnhäusern. Diese aber sind sehr unterschiedlich geregelt. In Bayern hat der Abstand die zehnfache Gesamthöhe des Windrades zu betragen. In Dänemark sind 2000 Meter Pflicht. Im Landkreis Osnabrück sind es im Außenbereich wie in Averfehrden 500 Meter Abstand zu Häusern. Das reicht Georgios Pandalis für seine Mitarbeiter nicht.

Dass er solchen Ankündigungen Taten folgen lässt, hat er in Griechenland bewiesen. Hier verlegte er einen Firmensitz, weil in der Nähe eine Hochspannungsleitung geplant wurde.


Infraschall

Infraschall ist tieffrequenter Luftschall mit weniger als 16 Hertz. Ein Hertz ist eine Schwingung pro Sekunde. Dieser Schall, also eine Druckänderung in der Luft, überträgt sich über weite Entfernungen, sehr tiefe Frequenzen werden auch durch geschlossene Gebäude hindurch übertragen und können auch als Vibration spürbar sein.

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