Schindeln gegen die Feuchtigkeit Glandorfs Windmühle muss saniert werden


Glandorf. Ein Aquarium mit Faulpilzen und Holzwürmern: Laut Gutachter Christoph Probst steht es um das Glandorfer Wahrzeichen, die Windmühle, zurzeit nicht gut. Etwa 500000 Euro könnte eine Sanierung kosten.

Glandorfs Mühle ist in die Jahre gekommen. Dass die Zeit mittlerweile ihren Tribut fordert, überrascht daher wohl niemanden mehr. „Nur dass der Faulpilz schon so weit ins Holz gedrungen ist, habe ich nicht erwartet“, sagt Hubert Schlotmann, zweiter Vorsitzender des Windmühlenvereins, auf Anfrage der Redaktion. Im Bau- und Planungsausschuss hatte es nun einen umfassenden Bericht dazu gegeben. Das bedeutet auch: Glandorf hat es schwarz auf weiß. Die Mühle muss restauriert werden. „Das liegt nicht daran, dass sie schlecht gewartet worden wäre“, betont der Restaurator des Büros Probst Projektierung GmbH. Im Gegenteil.

Ein isoliertes Aquarium

Doch eine Mühle ist eigentlich eine Werkhalle, die damals vom Müller nicht nur täglich genutzt und gelüftet wurde, sondern auch beständig gewartet – und zwar in einem Ausmaß, wie es heute kaum noch möglich ist. Besonders augenscheinlich sind die Spuren an den Mühlenblättern und am Putz zu sehen. „Die Putzschäden kommen hauptsächlich vom Tropfwasser, das von der Galerie und dem Dach heruntertropft“, so der Experte. Ein Kunststoffanstrich sollte das Problem eigentlich lösen – und hat doch alles viel schlimmer gemacht. „Hier wurde von außen ein Aquarium isoliert“, sagt Probst. Denn der Piepsteinbau der Mühle nimmt besonders viel Feuchtigkeit auf. Durch die Kunststoffschicht kann das Wasser jedoch nicht mehr nach außen treten.

Schimmel und Nagekäfer

Das Ergebnis ist beim Betreten des alten Gebäudes zu sehen. An den Wänden setzt sich mittlerweile Salz ab. „Wenn Sie das einmal zusammenfegen würden, hätten sie schnell ein Pfund zusammen“, sagt Christoph Probst. Das Salz ist Teil der Bausubstanz. Das Wasser zieht durch das Gemäuer, löst das Kristall heraus und trägt es nach innen. Der Putz nimmt Schaden. Doch das ist nicht alles. Denn die Wand lebt. Schimmelpilze und Rost haben sich festgesetzt. Besonders betroffen sind die Holzbalken. Schädlich sei der Pilz vor allem für das Holz. Denn er weicht das Material auf. Die perfekte Umgebung für den Gescheckten Nagekäfer. Die Hinterlassenschaften des Tierchens haben die Restauratoren überall gefunden. Wie weit er genau verbreitet ist, können die Restauratoren hingegen nicht mit Sicherheit sagen. Aus Erfahrung weiß Christoph Probst aber, dass die Larven fleißige Esser sind. „Die Mühle löst sich von innen auf“, warnt er. Mehr aus Glandorf im Netz

Schindeln an der Mühle?

Deshalb sollten möglichst bald Maßnahmen ergriffen werden. „Wir setzen uns in den kommenden Wochen noch einmal mit den Planern zusammen“, sagt Frank Scheckelhoff, Leiter des Fachbereichs Bauen und Umwelt der Gemeinde Glandorf. Denn die Sanierungsmaßnahmen könnten durchaus umfassend sein: Die Windmühlenflügel und die Mühlengalerie müssten ersetzt, die Wände trocken gelegt und die Schädlinge bekämpft werden. Zudem rät der Experte zu vorbeugenden Maßnahmen: So sollte die Mühle zwangsbelüftet oder temperiert werden. Zudem schlägt Christoph Probst vor, Schindeln von der Galerie bis zum Giebel zu legen. „Ich weiß, das klingt gewöhnungsbedürftig“, sagt er. Doch die Platten würden Luft an das Gemäuer lassen und es zugleich schützen. Er denkt dabei auch an Holzschindeln, wie sie bei Holländischen Windmühlen häufig zu finden sind. Auch die zuständige Denkmalschutzbehörde des Landkreises wäre nicht grundsätzlich dagegen, auch wenn „die Notwendigkeit noch nicht abschließend geklärt“ sei, so die Pressestelle des Landkreises. Die Kosten für die Sanierungsmaßnahmen lägen zurzeit bei 437711,36 Euro.


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