Unterschriftenaktion Glandorfer: Rohrweihe gibt neue Hoffnung


Glandorf. Das hätte sich die Rohrweihe wohl selbst nicht träumen lassen: „Sein Nest hat uns wieder neue Hoffnung gegeben“, berichtet Christel Steinhorst. Sie kämpft dafür, dass keine Windräder in Glandorf gebaut werden. Die Gemeinde sieht dagegen keinen Grund die Pläne erneut zu ändern.

„Sehen Sie, wie der Vogel gleitet?“, fragt Christel Steinhorst. Fasziniert beobachtet sie, wie er über ein Feld in der Averfehrdener Wüste fliegt – er flattert nicht, er schwebt. Ein Künstler der Lüfte – aber vor allem: Hoffnungsbote. Denn Christel Steinhorst ist keine Ornithologin. Sie ist Sprecherin betroffener Anwohner zukünftiger Windgebiete in Glandorf. Die vergangenen drei Jahre haben sie allerdings zur Vogelexpertin gemacht. Denn gegen die Windräder ist die Ornithologie eine scharfe Waffe. Noch Anfang des Jahres ist die Grenze eines der drei Gebiete verschoben worden, da in der Nähe der Horst des Roten Milans gefunden wurde. Nun hofft die Bürgerinitiative, dass das Gleiche noch einmal geschieht. Denn das Rohrweihen-Pärchen hat einen strategisch günstigen Nistplatz gewählt. Dieser sichert vielleicht nicht nur seinen Küken das Überleben, sondern könnte auch einen Teil der Glandorfer Idylle erhalten: „In einem Radius von einem Kilometer rund um den Nistplatz darf kein Windrad errichtet werden“, berichtet Christel Steinhorst und wirft noch einen Blick durch das Fernglas.

Ausschuss entscheidet am Dienstag

Die Gemeinde Glandorf teilt diese Ansicht dagegen nicht. „Wir haben das Nest in unsere Überlegungen einbezogen“, sagt Frank Scheckelhoff, Leiter des Fachbereichs Bauen und Umwelt. Seine Abteilung hat gemeinsam mit anderen Experten die nun dritte Version der Änderung des Flächennutzungsplanes vorbereitet. Am Dienstagabend wird der Ausschuss darüber sprechen. In der nächsten Ratssitzung werden die Ratsherren dann voraussichtlich entscheiden. Stimmen sie der Änderung des Flächennutzungsplanes zu, wäre der Weg frei für die Windräder. „Würden wir diese Gebiete nicht für die Anlagen freigeben, dann würden die Windräder an einer anderen Stelle in Glandorf gebaut werden“, sagt Frank Scheckelhoff.

Zufallsfund

Derweil fliegt die Rohrweihe zum Nest und füttert aus der Luft. „Ein bisschen abenteuerlich wahr es schon, das Nest zu finden“, sagt Christel Steinhorst, die häufig die Gebiete durchstreift und nach geschützten Vögeln Ausschau hält. Der Vogelhorst war allerdings ein Zufallsfund. Beinahe wären die Eier sogar unter die Räder gekommen. Denn der Besitzer des Feldes mähte gerade gemeinsam mit einem Bekannten die Wiese, als ein Vogel direkt vor ihnen hochflatterte. Sie machten Fotos vom Nest, Naturschutzverbände bestätigten den Fund. „Die Anwohner haben danach einen Zaun um das Nest herum aufgestellt“, berichtet die Sprecherin der Bürgerinitiative. Über eine Kamera beobachten sie den Vogel den ganzen Tag, denn so ein Nest am Erdboden kann auch mir nichts dir nichts verschwinden.

Unterschriftenaktion

„Dass doch noch ein Vogel bei uns nachgewiesen werden konnten, hat mir noch einmal richtig Auftrieb gegeben“, berichtet die Glandorferin, die gemeinsam mit den anderen Anwohnern seit drei Jahren vor Gerichte zieht, Einwendungen verfasst und Aktionen durchführt. Bislang ohne Erfolg. „Natürlich frustriert das auch schon mal“, sagt sie. Aber auf den letzten Metern aufgeben? Niemals: Eine Unterschriftenaktion ist geplant. Wer daran teilnehmen möchte, kann dies morgen vor dem Combi-Markt tun.

Idylle

Christel Steinhorst lenkt nun ihr Auto zurück zum Hof. Das Auto kriecht im Schritttempo durch das Gebiet Auf dem Bohlen. Man kann erahnen, dass hier einmal ein Weg war. Ansonsten: Wildnis. Am Waldrand blickt ein Reh auf, dreht, als es das herannahende Auto hört. Grast weiter, Absolute Stille. Kaum vorstellbar, dass hier bald mehrere 200 Meter große Windräder stehen. Nicht zu vergessen die Zufahrtsstraßen, die die Anlagen verbinden. „Hier ist eine Idylle“, sagt Christel Steinhorst. Auch zukünftige Generationen sollen sie genießen. Aufgeben gilt nicht.


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