Außenklimastall in Glandorf Schweinemäster Hannemann geht mit neuem Konzept voran

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Bernd Hannemann hat einen neuen Außenklimastall in Betrieb genommen, in dem 800 Läuferschweine in 26 Buchten solange gefüttert werden, bis sie mit etwa 50 Kilogramm in die Mastabteilung wechseln. Foto: Harald PreuinBernd Hannemann hat einen neuen Außenklimastall in Betrieb genommen, in dem 800 Läuferschweine in 26 Buchten solange gefüttert werden, bis sie mit etwa 50 Kilogramm in die Mastabteilung wechseln. Foto: Harald Preuin

Glandorf. Bernd Hannemann hat viel um die Ohren: 40 Mutterkühe, deren Nachwuchs, die Bullenmast und die Schweinemast. Der Landwirt aus Averfehrden setzt auf Wachstum: In den ersten Januartagen hat er einen neuen Schweinestall in Betrieb genommen, einen Außenklimastall.

Das Konzept bedeutet viel Licht, Luft und Platz für die Tiere. Es funktioniert ohne Zwangsbelüftung, da die Außenwände mit großen Jalousien geöffnet oder verschlossen werden können, je nach Außentemperatur in schmalen oder breiteren Schlitzen. So kann Außenluft einströmen und die wärmere Abluft im Sog der Kaminwirkung durch Öffnungen im Dachbereich austreten.

Luftaustausch dient Tierwohl

Der natürliche Luftaustausch dient dem Tierwohl. „Guter Luftaustausch bedeutet, dass Geruchs-, Schadgas- und Staubkonzentrationen niedrig sind sowie tierangepasste relative Luftfeuchten vorherrschen“, attestierte das Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft, Darmstadt, in einer Studie. Wer Hannemanns Stall mit den 800 Läufern betritt, kann riechen, dass der Luftaustausch funktioniert.

Platz für 860 Schweine

Bernd Hannemann (48) hat seinen Stall nach den Erfordernissen des Tierwohl-Programms ausgerichtet. Platz ist für 860 Schweine – jeweils ein Quadratmeter steht jedem Schwein zur Verfügung. In der konventionellen Haltung stehen jedem Tier etwa 0,75 Quadratmeter zur Verfügung, sagt der Glandorfer. Nach der Tierschutznutztierhaltungsverordnung kann er mehr Tiere einstallen, doch Hannemann will mit etwas mehr Platz die biologischen Leistungen und die Gesundheit der Schweine verbessern.

Wärmendes Mikroklima

Der neue Stall ist in 28 Buchten aufgeteilt, in denen die Schweine unterschiedliche Klimabereiche vorfinden, weshalb auch vom Zweizonenstall die Rede ist. In frei zugänglichen Kisten sorgen isolierte Wände und Decken für ein wärmendes Mikroklima. Hier liegen die Tiere auf geschlossenen Spaltenböden. Hier gibt es Raufen mit Stroh, das auch auf dem Boden relativ trocken bleibt, weil Schweine im Ruhebereich nicht koten.

Wohlfühlklima in der Kuschelzone

Die Kuschelzone – hier herrscht Wohlfühlklima – ist durch einen Gummilappenvorhang begrenzt, der den warmen Liegebereich von der kälteren Aktivitätszone trennt, wo die Tiere Futter und Wasser finden. Hier laufen die Tiere auf Spaltenböden, durch deren Schlitze (18 Millimeter breit) Kot und Urin abfließen.

Basis für das Futter ist die eigene Ernte. Der Hof liegt inmitten der 34 Hektar Eigenflächen. 110 Hektar hat Hannemann dazu gepachtet. 50 Hektar davon sind Grünland, die seinen 40 Mutterkühen der Rassen Charolais und Limousin Futter liefern, meist direkt von der Fläche, denn die Rinder bleiben samt Nachwuchs die meiste Zeit des Jahres auf der Weide. Die Wiesen und der Maisanbau liefern aber auch Nahrung für die 300 Mastbullen der Hannemanns. Das Getreide wird über den örtlichen Landhandel veredelt, der nach Hannemanns Rezeptur das Futter für Ferkel und Schweinemast liefert.

Tierplatz kostet etwa 370 Euro

Die Baukosten für den Außenklimastall hat Hannemann durch viel Eigenleistung erträglich gestaltet. Ein Tierplatz kostete etwa 370 Euro, inklusive Fütterungsanlage mit Breiautomaten, Tränkewassersystem und das Beschäftigungsmaterial wie Scheuerbalken mit Ketten und einem Beißholz am Ende für das Wohlbefinden der Tiere. Da der Luftaustausch auf natürliche Weise erfolgt, war eine Zwangsbelüftungsanlage nicht notwendig.

Dass der Hof Hannemann, der 1980 nach der Flurbereinigung aus der Ortslage aussiedelte, heute nur von eigenen Flächen umgeben ist, erweist sich zumindest beim Thema Geruchsbelastung als Vorteil. Der Außenklimastall wurde nach den Vorgaben des Bundesimmissionsschutzgesetz realisiert. Ein Nachteil der Hoflage sei trotz des stabilen Grundwasserstandes der Sandboden, der den Regen zu schnell für Mais- und Getreidewurzeln tief abführt: Wegen der partiellen Trockenschäden im Sommer muss Hannemann einen Teil seiner Felder beregnen, mit Wasser – und das klingt beinahe paradox – aus dem Hofbrunnen, der sich aus dem Grundwasser speist.

Besucher müssen in Schutzbekleidung schlüpfen

Den neuen Stall wird demnächst ein Zaun umgeben, der auch Wildtiere fern halten soll, die Krankheitserreger übertragen könnten. Für Schweinezüchter sind die hohen Hygieneauflagen heutzutage eine Selbstverständlichkeit. Selbst Besucher müssen in Schutzbekleidung schlüpfen, bevor sie einen Schweinestall betreten dürfen.


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