Naturerlebnis und Aufklärung Aktion „Gemeinsam Jagd erleben“ im Raum Osnabrück

Von Carolin Hlawatsch


Osnabrücker Land. Mit Vorurteilen und Klischees aufräumen und zeigen das die Jagd aktiver Naturschutz und ein schützenswertes Kulturgut ist, das ist Ziel der Aktion „Gemeinsam Jagd erleben“, organisiert vom Deutschen Jagdverband (DJV). Dabei können Interessierte seit Mai 2015 einen Jäger ins Revier begleiten. Unsere Mitarbeiterin und Natur-Journalistin Carolin Hlawatsch ließ sich nun die Vielfalt des Waidwerks von Stefan Farwick, Mitglied der Jägerschaft Osnabrücker-Land e.V. und Leiter des Glandorfer Hegerings Heide aufzeigen.

„Ab jetzt am besten nur noch im Flüsterton“, bekomme ich Anweisung vom Jäger, als wir aus dem Auto steigen. Schon auf dem Weg zum Hochsitz gibt es die ersten Spuren der heimischen Tierwelt zu entdecken. Im Kornfeld haben Tiere Pfade gezogen, sogenannte Wildwechsel und auf dem Boden erkenne ich einen tierischen Abdruck. „Das ist vermutlich die Fährte eines Damwilds“, klärt mich Stefan Farwick auf. Auf dem Hochsitz, von dem aus man einen Blick über eine herrliche Streuobstwiese mit angrenzendem Gewässer hat, stelle ich das Fernglas ein. Und tatsächlich, da mümmeln Feldhasen in der Abendsonne. „Die sind aber zu weit weg, um sie zu schießen. Außerdem erlegen wir nur die wenigsten Tiere“, flüstert Stefan Farwick. Vor dem Schuss müsse klar sein, dass es sich um kein führendes Elterntier handelt und das sich die Tierart nicht gerade in der Schonzeit befindet. Ich freue mich für die Hasen und beobachte weiter.

Jägerlatein

Geduld und Naturbegeisterung muss man schon mitbringen, damit die zwei oder auch drei Stunden auf dem Hochsitz Spaß bringen. Für mich vergehen sie wie im Flug, denn es ist ein ganz besonderes Erlebnis, Tiere in freier Wildbahn zu beobachten. Und gerade, dass man auch mal eine halbe Stunde auf eine Sichtung warten muss, macht den Nervenkitzel aus. Ein Reh im Wildpark haut mich kaum aus den Socken, aber wenn es plötzlich, inmitten dieses Glandorfer Biotops auf der Bildfläche erscheint, ist das etwas anderes. „Auch Marder, Fuchs und Dachs sowie Fasan, Enten und verschiedene Gänsearten kann man hier mit etwas Glück antreffen“, erzählt der Jäger. Sogar eine Rohrweihe habe hier schon gebrütet. Das Gewässer mit der Schilfumrandung locke viele Enten und Teichhühner an. Federwild wird nie auf dem Wasser geschossen und Hasen nie, wenn sie sitzen, lautet ein ungeschriebenes Gesetz der Jagd, lerne ich und dazu viele Begriffe aus der Jägersprache wie Blume, Äser, Licht oder Pürzel. Das Jägerlatein bringt mich manches Mal zum Schmunzeln, nennt man doch die Ohren des Rotwilds Lauscher, den Penis des Wildschweins Pinsel oder die Nase des Rehs Windfang.

Kein Schuss fällt

Zum Abschuss eines Tieres kommt es an diesem Abend nicht, so brauche ich die Ohrenschützer gar nicht aufzusetzen. Diese wären sonst ein Muss, denn ein Gewehrschuss kann einen Pegel von 150 bis 160 Dezibel erreichen. Auf dem Rückweg kann wieder lauter und mehr gesprochen werden. So erfahre ich über vielfältige Aufgaben, die Jäger übernehmen und diskutiere über Aspekte wie Tierbestandsdezimierung oder Wildtierzufütterung die oft an der Jagd kritisiert werden. „Das Töten von Tieren macht nur einen geringen Anteil der jagdlichen Tätigkeit aus“, erklärt Stefan Farwick, der aber das Erbeuten und Essen von heimischem Wildfleisch als eine Motivation für die Arbeit als Jäger nicht abstreiten möchte. Es würden nur so viele Tiere einer Art bejagt, wie langfristig auch nachkommen. Nachhaltigkeit sei bei der Jagd ein groß geschriebenes Wort. Durch die Bejagung würden Wildschäden an landwirtschaftlichen Kulturen und Bäumen im Wald eingedämmt, die durch zu viele Tiere auf zu engem Raum entstehen. Zur Aufgabe des verantwortungsvollen Jägers gehöre auch das Einschätzen der Tierbestände und das Weitergeben dieser Daten an die Wissenschaft für die Umsetzung von Naturschutzmaßnahmen. Der Einsatz bei Wildunfällen und das Anlegen von artenreichen Blühstreifen als Lebensraum und Nahrungsangebot für die heimische Tierwelt sind weitere Aufgaben der Jäger.

Wild auf dem Grill

Am Folgetag lege ich mit Freunden das Wildfleisch auf den Grill, das ich vom Jäger geschenkt bekommen habe. Es ist lecker, fettarm, reich an Mineralstoffen und eben richtig bio. Beim Essen diskutieren wir über die Jagd und ich merke wieder, was für ein emotionales und hochsensibles Thema das ist.

Jägerschaft

Wer sich selbst ein Bild von der Jagd machen und dazu einmal einen Jäger in die Natur begleiten möchte, kann sich an die Jägerschaft Osnabrücker-Land e.V. wenden: www.ljn.de/jaegerschaften/osnabrueckland. Weitere Informationen und Kontaktmöglichkeiten gibt es auch unter www.jagdverband.de