Vielfältiger als viele meinen Stefan Farwick setzt sich für die Natur in Glandorf ein

Von Carolin Hlawatsch

Mit seinen Deutsch Drahthaar-Hündinnen Biene (links) und Hilla hat Stefan Farwick, wie er sagt, viel mehr Jagderlebnis, denn sie nehmen mit ihren feinen Sinnen ganz andere Dinge wahr, als es dem Menschen möglich ist. Foto: Carolin HlawatschMit seinen Deutsch Drahthaar-Hündinnen Biene (links) und Hilla hat Stefan Farwick, wie er sagt, viel mehr Jagderlebnis, denn sie nehmen mit ihren feinen Sinnen ganz andere Dinge wahr, als es dem Menschen möglich ist. Foto: Carolin Hlawatsch

Glandorf. Früh morgens, um vier Uhr in den Wald zu gehen und die erwachende Natur zu erleben, das begeisterte den Glandorfer Stefan Farwick schon als 14-Jährigen. Die dann zu entdeckenden Tierarten, das gut zu vernehmende Gezwitscher zahlreicher Vögel verstärkten sein Naturinteresse. Heute sind es bereits mehr als 20 Jahre, die er sich aktiv für den Naturschutz einsetzt und als Jäger ehrenamtliche Aufgaben wie das Anlegen von ökologisch wertvollen Flächen, Wildtiermanagement und Öffentlichkeitsarbeit übernimmt.

„Was macht der nur so früh da draußen?“, fragte sich Stefan Farwick und begleitete aus lauter Neugierde 1989 seinen Schwager Klaus Dallmöller das erste Mal ins Jagdrevier. So bekam er eher zufällig, als einziger von sechs reitsportinteressierten Geschwistern, die auf einem landwirtschaftlichen Betrieb (heute Pferdebetrieb) in Glandorf/Sudendorf aufwuchsen, den Anreiz, als Jäger tätig zu werden. Vier Jahre später büffelte Stefan Farwick schwer für das sogenannte „grüne Abitur“ und erlangte schließlich als 18-Jähriger den Jagdschein.

Nachhaltigkeit

„Das Töten von Tieren macht nur einen sehr geringen Anteil der jagdlichen Tätigkeit aus“, erklärt Stefan Farwick, der aber das Erbeuten und Essen von heimischem Wildfleisch als eine Motivation für die Arbeit als Jäger nicht abstreiten möchte. Es würden nur so viele Tiere einer Art bejagt, wie langfristig auch nachkommen. Nachhaltigkeit sei bei der Jagd ein großgeschriebenes Wort. Durch die Bejagung würden Wildschäden an landwirtschaftlichen Kulturen und Bäumen im Wald eingedämmt, die durch zu viele Tiere auf zu engem Raum entstehen.

Datensammlung

Aufgabe jedes Jägers sei es, Tierbestände einzuschätzen und Veränderungen in seinem Revier anzugeben. Einmal im Jahr sammelt Stefan Farwick, der seit 2013 Hegeringleiter des Hegerings Heide ist, Wildtiererfassungs-Formulare aller Mitglieder des Hegerings ein und übermittelt die Daten an die Tierärztliche Hochschule in Hannover. Diese Daten dienen der Wissenschaft beim Umsetzen von Naturschutzmaßnahmen .

Auf etwa 84 Prozent der Landesfläche Niedersachsens wird die Jagd von und 60000 Jagdscheininhabern ausgeübt. Die Landesjägerschaft Niedersachsen e.V. ist eingeteilt in Hegeringe. Einer davon ist der Hegering Heide, der wiederum 19 Jagdreviere umfasst, darunter das Revier Sudendorf, in dem Stefan Farwick zusammen mit neun weiteren Jägern aktiv ist. „Der südliche Landkreis Osnabrück ist ein gutes Niederwildrevier mit Fasan, Hase, Rebhuhn und Schnepfe. Auch der Fuchs und eingewanderte Arten wie Marderhund, Mink und Waschbär leben hier“, erklärt Stefan Farwick.

Nachwuchs in Sicht

Derzeit haben diese Tiere mit der Aufzucht ihres Nachwuchses begonnen. Einige Arten wählen dafür den Boden anstatt Höhlen oder Baum-Nester. Zu deren Schutz kontrollieren Jäger in ihrem Revier, ob in der Brut- und Setzzeit vom 1. April bis zum 15. Juli Hunde an der Leine geführt werden. Zudem arbeiten sie mit Landwirten zusammen, um Wildtiere zu retten, die in Feldern brüten oder liegen und sonst der Mahd zum Opfer fallen. „Dafür empfehlen wir den Einsatz von akustischen Wildrettern, die mit einer Sirene das Wild aufschrecken, bevor es die Mähmaschine erreicht hat“, erklärt Stefan Farwick, der zusammen mit seinen beiden Deutsch Drahthaar-Hündinnen Hilla (11) und Biene (3) im Mai und Juni vor der Mahd die Wiesen nach Rehkitzen absucht um sie vor den Maschinen zu retten.

Mehr als ein Hobby

Der Einsatz bei Wildunfällen und das Anlegen von artenreichen Blühstreifen als Lebensraum und Nahrungsangebot für die heimische Tierwelt gehören ebenfalls zu den vielfältigen Aufgaben Stefan Farwicks. „Die Jagd ist viel mehr als ein Hobby“, betont er, dem es genau wie vielen seiner Kollegen ein Anliegen ist, über den Nutzen der jagdlichen Tätigkeit aufzuklären. So hat der Deutsche Jagdverband am ersten Mai die Aktion „Gemeinsam Jagd erleben“ ins Leben gerufen, bei der Interessierte einen Jäger ins Revier begleiten können.

Wer mehr über die Aktion erfahren möchte kann sich im Internet unter www.ljn.de/jaegerschaften/osnabrueckland erkundigen.