Keks und Popcorn für Schweinchen Teuto-Süd in Glandorf versorgt Tiere mit Kraftfutter

Von Stefanie Preuin

Großbetrieb für Kraftfutter und Co.: In Glandorf überwacht Heribert Uphues (links) den Ablauf im Futtermischwerk der RWG Teuto-Süd. Foto: Stefanie PreuinGroßbetrieb für Kraftfutter und Co.: In Glandorf überwacht Heribert Uphues (links) den Ablauf im Futtermischwerk der RWG Teuto-Süd. Foto: Stefanie Preuin

Glandorf. Ferkel taugen für viele Bilder. In der Werbung werden sie als niedlich und süß wie Marzipan beschrieben oder als Glücksschwein mit vierblättrigem Kleeblatt dargestellt – zumindest zu Neujahr. Wer einen anderen als Ferkel bezeichnet, meint in der Regel das vollgekleckerte Gegenteil von Reinheit. Dass kleine Schweinchen auch Leckermäulchen sind, weiß Heribert Uphues (56).

Der Geschäftsführer der Raiffeisenwarengenossenschaft Teuto-Süd in Glandorf ist seit 24 Jahren im Geschäft, das auch Lieblingsspeisen für kleine Grunzer anrührt. Kraftfutter für die Aufzucht enthält Milchpulver, Zucker und andere schmackhafte Komponenten wie Schokopellets und gemahlene Kekse.

Enthalten ist auch Getreide, das, für diesen Zweck wärmebehandelt, wie Popcorn aufgequollen ist. Uphues betreibt mit seiner Mannschaft ein Kraftfuttermischwerk, das auf individuelle Wünsche von Züchtern und Mästern eingeht.

Die Anlage läuft rund um die Uhr. Um Kraftfutter herzustellen, braucht kein Mensch einzugreifen, Kollege Computer hat seine maschinelle Mannschaft im Griff.

Da öffnen sich wie von Geisterhand gesteuert Schieber, dort kontrolliert eine Feinwaage die Zutatenmenge, ein Mischer wirbelt das Gemenge durcheinander, bevor eine Schnecke das Ganze in Silos befördert – exakt nach Auftrag. Kraftfutter hat heute viele Rezepturen, individuell bestellt und zubereitet – ein Mann am Bildschirm überwacht die aktuelle Produktion.

Für Sauen und Mastschweine wird ein spezielles Futter gemischt. „Eine Sau braucht Gerste, Weizen, Mais, daneben Sojaschrot und Rohfasern“, erläutert Uphues, ein Laktationsfutter mit viel Energie, wie der Fachmann sagt. Schließlich sollen die kleinen Säuger, immerhin zwölf bis 14 rosa Ferkel pro Wurf, auch satt werden. Drei Wochen lang werden sie von den Muttersauen gestillt.

Hauptbestandteil des Kraftfutters aus Glandorf ist Getreide aus der Region. Raiffeisenkunden liefern ihre Ernte und beziehen im Gegenzug Kraftfutter für ihren Viehbestand. Züchter und Mäster können sich dabei bei der Raiffeisenwarengenossenschaft Teuto-Süd von vier Agrar-Ingenieuren beraten lassen, um das Futter auf die Tiere individuell abzustimmen.

Mineralstoffe, Eiweiße und Aminosäuren, Sojaschrot aus Süd- und Nordamerika, aber auch öliges Rapsschrot und Maishäcksel haben ihre Anteile im Kraftfutter. Um die Sojabohnen für die Schweine so richtig schmackhaft zu machen, werden sie vor dem Mahlen getoastet.

Schweinezüchter, die sich der Erzeugergenossenschaft (EGO) angeschlossen haben, füttern ihre Tiere nach den Rezeptvorgaben des Auftraggebers, der eine gleichbleibende Fleischqualität in die Kühltheken der Lebensmittelgeschäfte und Fleischereien bringen will.

Kraftfutter hatte vor 24 Jahren in Glandorf eine Größe von 12000 Tonnen im Jahr, heute sind es 67000 Tonnen – ein Ergebnis von Kundenzuwachs und größeren Ställen.

Da rund 40 Prozent der Kraftfutteranteile zugekauft werden müssen, hat die Kontrolle der Produkte eine große Bedeutung. Neben Dokumentationen und Rückstellproben erfolgen unangekündigte Schadstoffkontrollen durch das Institut für Agrar- und Umweltanalytik (Lufa) und das Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves). Die Rechnungen dafür machten im Jahr bis zu 100000 Euro aus, kalkuliert Heribert Uphues.

70 Mitarbeiter hat die Raiffeisen Teuto-Süd, die am Hauptsitz und in den Betriebsstätten in Bad Iburg, Versmold, Versmold-Loxten, Sassenberg-Füchtorf, Borgholzhausen, Lienen und Lienen-Kattenvenne tätig sind. Sieben Lastwagen-Züge, davon drei Tankzüge, kreisen in einem Radius von 25 Kilometer um Glandorf, wobei Ackerfrüchte auch schon einmal in bis zu 100 Kilometer Entfernung vom Osnabrücker Südkreis aufgeladen werden.

Gut 40 Millionen Euro Umsatz hat die Raiffeisenwarengenossenschaft Teuto-Süd im Jahr 2014 erwirtschaftet. Und so soll es weitergehen. „Gerade haben wir die Weichen für ein neues Kraftfuttermischwerk am Dortmund-Ems-Kanal in Ladbergen mit drei Partner gestellt“, blickt Heribert Uphues in die Zukunft. Dies ist die Antwort auf die steigende Lkw-Maut und schwankende Treibstoffpreise. Sojabohnen aus Übersee und Getreide aus Mecklenburg-Vorpommern werden demnächst über den Dortmund-Ems-Kanal als Schiffsfracht angeliefert.

Das ist auch zum Vorteil für den Stammsitz der Raiffeisenwarengenossenschaft Teuto-Süd in Glandorf, wo dadurch in Zukunft weniger Lkw-Verkehr zu erwarten sein dürfte.


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