Zwischen Krise und Chance Milchpreis setzt Bauern im Osnabrücker Land unter Druck

Wie viel Milch schluckt der Markt? Bauern in der Region diskutieren morgen in Bramsche über die „Milchkrise“. Foto: ImagoWie viel Milch schluckt der Markt? Bauern in der Region diskutieren morgen in Bramsche über die „Milchkrise“. Foto: Imago

Glandorf/Osnabrück. So erfreulich der Aufschwung im Wirtschaftsjahr 2013/2014 für die Milchbauern in Niedersachsen auch war, jetzt geht’s bergab: Der Milchpreis sinkt und liegt im Osnabrücker Land bei 30 Cent pro Liter. „Kein Grund zur Panik“, sagt Friedrich Willms, Geschäftsstellenleiter beim Osnabrücker Landvolk. „Wir steuern auf eine Krise zu“, warnt dagegen Ansgar Stockhoff, Regionalchef für den Bund Deutscher Milchviehhalter (BDM). „Und zwar im Sturzflug.“

Obwohl sich alles um die Milch dreht, sehen etliche Landwirte im Landkreis Osnabrück schwarz. Denn der Preis für die Milch sinkt. Im Frühjahr hatte der Milchboom den Preis noch auf Rekordniveau getrieben . Laut Landwirtschaftskammer Niedersachsen brachte das weiße Gold den Bauern 40 Cent pro Liter ein. Das sieht nun anders aus. Experten rechnen im ersten Quartal 2015 mit 25 Cent pro Liter. Damit läge der Milchpreis zwar noch höher als im Krisenjahr 2009 (21,5 Cent pro Liter), die Produktionskosten seien aber um acht bis zehn Cent gestiegen, gab Hans Foldenauer, Sprecher des BDM, zu bedenken. „Es kann uns noch härter treffen als damals“, schlägt Stockhoff Alarm. Damals, in den Jahren 2008 und 2009 , riefen etliche Bauern in der Region zum Boykott auf, kippten ihre Milch weg, um zu demonstrieren, wie ihre Existenz mit dem Lebensmittel in den Abfluss rinnt.

„Von Krise sprechen wir jetzt nicht“, sagte Willms, auch wenn klar sei, dass der Preis weiter sinken werde. „Eine Branche wird auf den globalen Markt entlassen“, nennt er es. Mit dem Wegfall der Milchquote können Landwirte in der EU ab April 2015 ohne Grenze produzieren. Bahn frei für die Milch. Die Schwankungen des globalen Marktes lassen aber schon jetzt die Milchkannen im Osnabrücker Land wackeln. Die Produktion ist weltweit gestiegen – vor allem in Neuseeland, USA und Europa. „Alleine in der EU werden in 2014 rund sieben Millionen Tonnen mehr Milch produziert als im Vorjahr“, so Foldenauer vom BDM. Wenn jedes Limit wegfällt, werde das die Produktion weiter erhöhen, prophezeit er.

Nicht alle Bauern werden sich halten können. „Es wird einen Verdrängungswettbewerb mit der Tendenz zu größeren Betrieben geben“, sagt Willms vom Landvolkverband. „Es ist wichtig, dass die Milchindustrie gut vermarktet und verhandelt“, betont er. Die Region sei über Osnabrück hinaus wirtschaftlich stark aufgestellt. Niedersachsen steht mit knapp 800000 Milchkühen in gut 10000 Betrieben hinter Bayern an zweiter Stelle der deutschen Milchländer. Von etwa 30 Millionen Tonnen Milch in Deutschland stammten 2013 nach Angaben der Landesvereinigung Milchwirtschaft 5,95 Millionen Tonnen aus Niedersachsen.

Was hilft in der Krise?

„Wir müssen jetzt auf den neuen Ist-Zustand reagieren. Keine Milchquote bedeutet auch mehr Entwicklungschancen“, sagt Willms. Eine Freiheit, auf die sich die Milchbauern im Osnabrücker Land eingestellt hätten: mit mehr Stallbauten und mehr Vieh. „Das kann nicht die Lösung sein“, sagt Stockhoff, Herr über 80 Milchkühe, der vorerst nicht expandiert hat.

Denn der Markt kann die Milch schon jetzt nicht mehr schlucken. Die Nachfrage der Chinesen, die die Milchwirtschaft zunächst beflügelt hatte, lässt nach. Außerdem hat Russland einen Importstopp verhängt, der auch Deutschland hart trifft. Trotzdem wird weiter gemolken, was das Zeug hält. Während die einen sagen, der Markt regele sich selbst, fordert der BDM für ein schnell verderbliches Gut wie die Milch andere Spielregeln. „Der Milchmarkt bräuchte im Minimum ein Instrument, mit dessen Hilfe die Milchproduktion in einer Marktkrise befristet gedeckelt werden kann“, so Foldenauer. „Niemandem ist damit geholfen, wenn in einer Krise Gelder von der EU fließen“, sagt Stockhoff. Er will an den Kern. „Wir müssen bei der Milch anpacken“, fordert er eine limitierte Produktion über begrenzte Lieferrechte. Das sei ein Schutz für alle Landwirte. „Sonst geht es für uns im Sturzflug in den Teich.“

Am kommenden Samstag, 13. Dezember,11 Uhr, lädt der Bund Deutscher Milchviehhalter unter dem Titel „Milchkrise“ zu einer Diskussion ins Gasthaus Penterknapp (Osnabrücker Straße 64, Bramsche)


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