Glandorfer diskutieren Kosten für Großtagespflege Was darf die Betreuung des zweiten Kindes kosten?

Meine Nachrichten

Um das Thema Glandorf Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Wie werden die Beiträge für die Kinderbetreuung möglichst gerecht berechnet? Eine Frage, die die Glandorfer momentan diskutieren. Foto: dpaWie werden die Beiträge für die Kinderbetreuung möglichst gerecht berechnet? Eine Frage, die die Glandorfer momentan diskutieren. Foto: dpa

Glandorf. Kindergarten, Krippe, Großtagespflege – die Gemeinde Glandorf kennt viele Modelle für die Betreuung der Kleinsten. Familien müssen aber je nach Betreuungsangebot unterschiedlich tief in die Tasche greifen. Die Ermäßigung für das zweite Kind bleibt ein Knackpunkt. Das muss gerechter gestaltet werden, zeigte sich der Ausschuss einig. Aber wie? Das bleibt umstritten.

Ein Beispiel: Eine Glandorfer Familie mit zwei Kindern im Alter von zwei und vier Jahren möchte die Kinder betreuen lassen. Der vierjährige Lukas besucht den Kindergarten, die zweijährige Hanna wird in der Krippe betreut. Während die Eltern für Lukas den vollen Beitrag zahlen, gibt es für Hanna 50 Prozent Ermäßigung. Gäbe es ein drittes Kind, müssten die Eltern für dieses Kind gar nicht zahlen. Anders wäre das, wenn Hanna nicht in der Krippe, sondern in der Großtagespflege, der „Kinderstube“, untergebracht würde. Dann gäbe es keine Ermäßigung für sie – obwohl sie immer noch zweites Kind einer Familie ist.

Der verworfene Ansatz: Warum nicht einfach alle Einrichtungen gleichbehandeln, und auch in der Kinderstube für das zweite Kind den halben Beitrag ansetzen? Eine einfache Idee, die im komplexen System nicht greift. „Es sind zwei Paar Schuhe, zwei unterschiedliche Systeme“, sagte Gabriele Stockhoff vom Familienservicebüro. „ Anders als Kindergarten und Krippe muss die Kindertagespflege strikt nach den Richtlinien des Landkreises abgerechnet werden.“ Es gibt keinen gemeindeeigenen Fixbeitrag pro Monat, den alle Kinder zahlen, sondern individuelle Kosten, die spitz abgerechnet werden können. Eltern zahlen also stundenweise.

Der neue Antrag der SPD: „Wir fordern eine Umkehrung der Rabattierung“, sagte Karsten Jochmann (SPD) im Ausschuss. Wenn die Kosten für die Tagespflege vom System her nicht angerührt werden dürfen, müsse eben das Kind im Kindergarten die Ermäßigung von 50 Prozent erhalten. Grundsätzlich befürworteten viele Ausschussmitglieder die Idee, alle Familien mit mehreren Kindern zu entlasten. Kritik am SPD-Ansatz gab es trotzdem.

Mindeststundenzahl: „Was, wenn Eltern ihr zweites Kind in der Kinderstube nur für ein paar Stunden anmelden, um den Rabatt im Kindergarten zu bekommen?“, fragte Ausschussvorsitzender Michael Brandmann (CDU). „Man müsste eine Mindeststundenzahl festlegen, ab der die Ermäßigung greift“, so Jochmann. „Wenn wir das machen, dann müssen wir schauen, ob die Stundenzahl auch tatsächlich erreicht wird“, gab Reinhold Hothnaier (UWG) zu bedenken. Schließlich variiere die Stundenzahl in dem flexiblen Modell. „Wer will das verwalten?“

Sozialstaffel: Reinhard Lefken (CDU) gab zu bedenken, dass die Beiträge in der Kinderstube bereits nach einer Sozialstaffel und damit einkommensabhängig abgerechnet werden. „Wir müssen vorsichtig sein, wenn wir da von ,vollem Beitrag‘ sprechen“, sagte er. „Wir haben eine Sozialstaffel und die Spitzabrechnung in der Kinderstube. Wir als Gemeinde müssen nicht auch im Kindergarten die 50-Prozent-Ermäßigung möglich machen“, sagte er.

Der nächste Schritt: „Wo müssten wir die neue Regel festschreiben? Müssten wir die kirchlichen Träger dann miteinbeziehen?“, fragte sich Brandmann. Die Verwaltung soll das mit Fachwissen prüfen, war der Ausschuss sich einig. Sie wird nun einen Vorschlag auf Basis des SPD-Antrags ausarbeiten und prüfen, ob die angedachte Ermäßigung über das Kindergartenkind juristisch wasserdicht und machbar ist. „Ich kümmere mich darum“, sagte Gabriele Stockhoff. Ansonsten könnten noch andere Instrumente wie der Familienpass in den Blick genommen werden, um Rabatte zu ermöglichen.


Kosten im Überblick

Kindergarten: 103,60 Euro /Monat

Krippe: 159 Euro/Monat

2. Kind: 79,50 Euro

3. Kind: 0 Euro

Großtagespflege: Familieneinkommen (brutto) unter 37500 Euro: 1 Euro pro angefangene Stunde;

bis 50000 Euro: 1,50 Euro pro angefangene Stunde;

über 50000 Euro: 2 Euro pro angefangene Stunde

Vergleich:

Krippenkind (25 Stunden pro Woche): 159 Euro/ Monat

Kind in Großtagespflege: (25 Stunden pro Woche): je nach Einkommen: 100 Euro, 150 Euro, 200Euro/Monat

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN