Kartenpuzzle und Lupenblick Ausstellung über historische Landkarten in Glandorf

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Einmal das Bistum zusammenpuzzeln? Die unterhaltsame Annäherung an alte Landkarten ließ sich auch Bürgermeisterin Magdalene Heuvelmann in der von Frank Niermann und Karl-Heinz Krützkamp (von links) gestalteten Ausstellung nicht nehmen. Foto: Petra RopersEinmal das Bistum zusammenpuzzeln? Die unterhaltsame Annäherung an alte Landkarten ließ sich auch Bürgermeisterin Magdalene Heuvelmann in der von Frank Niermann und Karl-Heinz Krützkamp (von links) gestalteten Ausstellung nicht nehmen. Foto: Petra Ropers

Glandorf. Alte Landkarten sind überholt und langweilig? Den eindrucksvollen Gegenbeweis tritt derzeit der Heimat- und Kulturverein Kultour-Gut Glandorf an. Im Hause Krützkamp laden alte Kostbarkeiten der Landvermessung und Kartografie zum Staunen und Studieren ein.

Mit einem Vortrag in der historischen Windmühle führte Frank Niermann, Vorsitzender von Kultour-Gut und gemeinsam mit Karl-Heinz Krützkamp Initiator der Ausstellung , in das Thema ein. Das beschäftigte die Landvermesser und Kartografen bereits vor Jahrhunderten. Auf der Basis ihrer Arbeit fertigten Kupferstecher und Zeichner aufwendig gestaltete Karten – „gestochen scharf und mit gespitzter Feder“, wie der Untertitel der Ausstellung verrät.

Als deren ältestes Exponat – ein Kupferstich-Original von 1590 – entstand, nahmen die Kartografen ihre Arbeit allerdings noch nicht allzu genau: Das Augenmaß ersetzte die exakte Messung, die erst später von geodätischen Geräten ermöglicht wurde. „Mit der Zeit wurden die Karten immer feiner und kunstvoller in ihrer Darstellung“, sagte Frank Niermann. „Einige Karten sind so filigran gearbeitet , dass ihre Finesse mit bloßem Auge kaum zu erkennen ist.“

Für den anschließenden Bummel durch die Ausstellung hielt Kultour-Gut deshalb gleich eine ganze Reihe nützlicher Lupen bereit. Die aufwendig kolorierte Karte der Bistümer Osnabrück und Münster aus dem Jahre 1578 brauchte ein derartiges Hilfsmittel allerdings nicht. Ihre sechs Teile brachte der Verein eigens zur Ausstellung auf ebenso viele Sitzwürfel, die nun zum historischen Karten-Puzzeln einladen. Doch es sollte noch bis zum Jahre 1788 dauern, dass Glandorf selbst detailliert in die große Welt der Kartografie aufgenommen wurde.

Begeistert waren die Landbesitzer von der Landesaufnahme nicht, diente sie doch in erster Linie der Einschätzung der zu zahlenden Steuern. Kultour-Gut präsentiert zur Ausstellung den vollständigen Zyklus aus insgesamt elf Karten, die jeden Hof und jede Parzelle erfassten. Ein genauer Blick lohnt sich, denn die Aufmessung erfolgte mit einer Präzision, die noch heute beeindruckt. Davon zeugt ein Experiment, das Frank Niermann eigens für Ausstellung verwirklichte.

Er verband mehrere handgezeichnete Karten mit aktuellen Katasteraufnahmen. Das Ergebnis ermöglicht den Ausstellungsbesuchern den direkten Vergleich beider Karten. Doch wie kam es überhaupt zu einer derartigen Genauigkeit? In seinem Vortrag schlug Niermann einen informativen Bogen über die Kunst der Geodäsie, der Landvermessung und -aufzeichnung. Dabei zeigte sich: Schon die Römer nutzten einfache Geräte, um Winkel zu bestimmen und Entfernungen zu messen.

Später sah das Mittelalter allein Gott als den wahren Geometer. Erst im 16. Jahrhundert rückten die Geografie und die Geodäsie als Wissenschaften in den Vordergrund. Messgeräte wurden erfunden und verfeinert, Lehrbücher geschrieben, Karten zur Kunst erhoben. „Heute reicht ein Klick auf Google Maps, um jede Karte frei verfügbar zu haben“, sagte Niermann und verwies auf den vorläufigen Endpunkt der Entwicklung. Wer die in Feinstarbeit ausgestalteten Landkarten betrachtet, mag das durchaus bedauern.

Die Ausstellung „Glandorf auf alten Landkarten“ ist erneut am Samstag, 29. November und 6. Dezember, von 14 bis 18 Uhr sowie am Sonntag, 30. November und 7. Dezember, von 11 bis 18 Uhr im Hause Krützkamp zu sehen.


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