Sonntag Jubiläum in Johannis Glandorf: Francis Meyer seit 25 Jahren an der Orgel

Von Frank Muscheid

Zwischen dem Einsatz an Registern
              und Tasten muss Francis Meyer der Gemeinde noch die Nummer des nächsten Liedes anzeigen. Zuhörer lenken – ein bisschen ist Orgelspielen wie Chorleitung. Foto: Frank MuscheidZwischen dem Einsatz an Registern und Tasten muss Francis Meyer der Gemeinde noch die Nummer des nächsten Liedes anzeigen. Zuhörer lenken – ein bisschen ist Orgelspielen wie Chorleitung. Foto: Frank Muscheid

Glandorf. In der katholischen St.-Johannis-Kirche findet die gebürtige Glandorferin Francis Meyer (43) seit 25 Jahren die richtigen Töne. Die Organistin feiert am Sonntag im Gottesdienst ihr Jubiläum, will auch als Grundschullehrerin in Glandorf Kinder für Musik und Gemeindearbeit begeistern: „Meine eigene Begeisterung lebt in den Kindern weiter. Das sieht man in ihren Augen, wenn sie an einer Aufführung teilhaben.“

„Es ist ein tolles Gefühl, wenn man an der Orgel sitzt und die Leute aus voller Kehle singen.“ Glandorf singe gut – wenn auch leiser als vor 25 Jahren: „Da konnte man kaum noch ein Register dazu ziehen, um die Musik lauter zu machen, so hat die Kirche gebebt. Dieses festliche Gemeinschaftsgefühl dabei ist einfach unersetzlich.“ Orgelmusik auf CD höre sie weniger, „das Ursprüngliche, das Selberspielen ist mir viel wichtiger – und auch Ausgleich.“ Bach sei ein Klassiker. Es fehle allerdings oft die Zeit, Neues einzuüben. Besondere Wünsche oder das geistliche Liedgut im neuen Gotteslob machten aber Lust auf mehr.

Spielen hat Francis Meyer während der Oberstufenzeit am Gymnasium Bad Iburg gelernt: „Ich habe mit 16 im Kirchenmusikseminar Osnabrück angefangen und hatte mit 18 den C-Schein als nebenamtliche Organistin und Chorleiterin.“ Samstags Theorie in Harmonielehre, Orgelbau, Liturgik und Chorleitung, in der Woche Einzelunterricht in Orgel, Klavier und Gesang. „Ich verstehe Jugendliche, die in ihrer knappen Freizeit lieber etwas mit Freunden machen. Es ist ein Hobby, das manchmal auch einsam macht.“ Der Lohn: In Glandorf kennt sie fast jeder. „Als Schülerin war der Dienst praktisch, ich habe Geld dazuverdient und hatte damals mehr Zeit zum Üben.“ Heute sei das Schulsystem ja vollgepackt. Sie selbst war, herangeführt von Maria Brockmeyer und Petra Schulke, mit 18 bei Beerdigungen, Hochzeiten und damals drei Gottesdiensten an den Wochenenden fest eingeplant im Dienst an der Vorenweg-Kersting-Orgel von 1829. Heute sind Wochenenden auch mal für Mann Carsten und die Söhne Frederik (14) und Henning (12) reserviert, mit denen sie im Elternhaus wohnt.

Viel Gutes erfahren

In der Grundschule fing sie 2008 nach einigen Jahren an der Georgsmarienhütter Marienschule an: „Auch als Lehrerin möchte ich unter anderem Kindern und Eltern, die Kirche nicht mehr so erleben, einen anderen Zugang dazu ermöglichen. Ich habe für mich ganz viel Gutes durch Kirchenmusik erfahren, das hat mich näher zum Glauben gebracht.“ Das vermittelt sie mit anderen Musikern der Gemeinde erfolgreich: „Wir haben den Luxus, viele Organisten zu haben, die zum Teil als Chorleiter oder im Musikunterricht Kinder und Jugendliche an das kirchliche Gemeindeleben heranführen.“

Singbares Tempo

Wichtig sei, an der Königin der Instrumente „dranzubleiben, um das Spielen nicht zu verlernen. Die unabhängige Koordination von Füßen und Händen ist nicht alles, sondern den Leuten ein singbares Tempo vorzugeben, sie sogar manchmal ein bisschen zum richtigen Tempo zu erziehen. Ich habe eine genaue Vorstellung, wie das Lied klingen muss.“ Klavier und Querflöte waren ihre Studieninstrumente während ihres Lehramtsstudiums von 1991 bis 1996 an der Uni Osnabrück. Zwei C-Organisten stammen aus den Reihen ihrer ehemaligen Schüler. Eine Jugendliche aus Glandorf arbeitet gerade am C-Schein, und „mit zwei Orgelschülern probiere ich nächste Woche, wie das Orgelspiel mit der Gemeinde zusammen funktioniert. Ich freue mich riesig über den Nachwuchs.“ Auch Pfarrer Ulrich Müller findet: „Wir sind mit acht Organisten und drei Chören sehr gut aufgestellt. Die Kirchengemeinde gratuliert Francis Meyer herzlich zum Jubiläum. Wir sind sehr dankbar für ihr einfühlsames Orgelspiel. Sie trifft immer den richtigen Ton und gibt den Menschen in der Kirche damit Trost und Hoffnung.“