Amtsgericht Bad Iburg tagt Schlägerei bei Oktoberfest Dissen: Prozess läuft

Von Danica Pieper

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Nahe der neuen Brücke über den Noller Bach wurde das Ehepaar von den jungen Leuten überfallen. Archivfoto: Achim KöppNahe der neuen Brücke über den Noller Bach wurde das Ehepaar von den jungen Leuten überfallen. Archivfoto: Achim Köpp

Dissen/Bad Iburg. Es war eine Tat, die fassungslos macht: Auf dem Heimweg vom Dissener Oktoberfest wurden im Oktober vergangenen Jahres ein Vater und sein Sohn von einer Gruppe junger Erwachsener zusammengeschlagen und schwer verletzt. Gegen vier mutmaßliche Täter hat jetzt der Prozess vor dem Amtsgericht Bad Iburg begonnen.

Insgesamt rund 15 Personen sollen an dem Überfall auf den damals 36-jährigen Dissener und seinen 15-jährigen Sohn beteiligt gewesen sein, vier mutmaßliche Täter müssen sich jetzt vor dem Amtsgericht Bad Iburg verantworten . Zum Auftakt des Prozesses stellten die Männer im Alter von 20 bis 24 ihre Sicht der Dinge dar. Der erste Angeklagte gab an, am Tatabend stark betrunken gewesen zu sein und sich nicht erinnern zu können, ob er jemanden verletzt hat. Der zweite Angeklagte, der im Gegensatz zu den drei anderen nicht in Dissen, sondern in Bohmte wohnt, gab zu, dass Opfer geschlagen und getreten zu haben. Er sei sehr betrunken gewesen und habe sich zudem über seine verlorene Mütze geärgert. Er vermutete, dass der Vater möglicherweise im Besitz seiner Mütze sei, und sei deshalb auf ihn losgegangen. Zunächst wollte er nichts zu weiteren Tätern sagen, nachdem die Staatsanwaltschaft ihn jedoch mit einer früheren Aussage bei der Polizei konfrontierte, gab er an, dass die drei anderen Angeklagten an dem Überfall beteiligt gewesen seien.

Der dritte Angeklagte gab zu, bei der Tat dabei gewesen zu sein, bestritt jedoch, jemanden geschlagen oder getreten zu haben. Wer auf den Vater und seinen Sohn eingeschlagen habe, wisse er nicht. Auch der vierte Angeklagte bestritt, jemanden geschlagen zu haben, hundertprozentig ausschließen konnte er es jedoch nicht: „Ich kenne mich nicht, dass ich jemanden schlage.“ Zur Rolle der anderen drei konnte er nichts sagen.

Der 37-jährige Dissener sagte aus, dass er sich am Tatabend mit einer Gruppe Jugendlicher unterhalten habe, als der Bohmter zu ihm gekommen und ihm Schläge angedroht habe. Als er sich später mit seiner Frau auf den Heimweg machte, sei ihm plötzlich jemand in den Rücken gesprungen. Als er sich umdrehte, sah er den Bohmter mit erhobenen Fäusten. Er habe einen Angriff abgewehrt, woraufhin der Bohmter zu Boden ging und sein Basecap verlor. Der Vater reichte ihm die Mütze und bat ihn, ihn in Ruhe zu lassen. Daraufhin sei dieser zurück zur Sporthalle gegangen, doch kurz darauf seien 15 bis 20 Personen auf ihn zugekommen, die auf ihn eingeschlagen und ihn getreten hätten. Zudem sei er mehrfach mit dem Tode bedroht worden. Er habe zeitweise das Bewusstsein verloren und sei erst wieder zu sich gekommen, als er die Schreie seines Sohnes hörte, konnte sich aber nicht aufrichten, um ihm zu helfen: „Das war das Schlimmste“, erklärte der Feuerwehrmann, der nach wie vor in medizinischer und psychologischer Behandlung ist. Er meinte, dass die Täter allesamt auf seinen Sohn übergegangen seien, während seine Frau aussagte, dass sich die Gruppe aufteilte: Die eine Hälfte habe den Sohn weggezerrt, während die andere weiter auf den Vater einschlug.

Der Sohn kam dazu, nachdem ein Telefonat mit seinen Eltern unterbrochen wurde. Nachdem er mehrmals zurückgerufen habe, habe seine Mutter sich schließlich gemeldet und gesagt, dass der Vater gerade überfallen werde. Er machte sich daraufhin auf den Weg zum Tatort, wo er von mehreren Personen geschlagen, getreten und in ein Gebüsch gestoßen wurde. Zudem wurde ihm das Hemd vom Oberkörper gerissen. Irgendwann sei es ihm gelungen zu fliehen. Wer ihn verprügelte, konnte der 16-Jährige nicht sehen. Auch die Eltern konnten nicht mit absoluter Sicherheit sagen, dass die Angeklagten zugeschlagen haben.

Vater und Sohn erlitten bei dem Überfall Schädel-Hirn-Traumata, Prellungen und Schürfwunden. Bis heute leiden beide unter Schmerzen und Schlaflosigkeit. Die Familie sagte aus, dass einige Wochen nach der Tat zwei- mal bei ihnen eingebrochen wurde. Es sei nichts gestohlen worden, jedoch wurden Möbel verrückt, und die Eingangstür stand offen. Da sie sich in dem Haus nicht mehr sicher fühlten, zogen sie um.

Zu den weiteren Zeugen gehörte ein 18-jähriger Dissener, der während der Prügelei anwesend war. Er sei jedoch zu schockiert gewesen, um einzugreifen. Auch habe er aus Angst vor den Tätern sich zunächst nicht getraut, der Polizei Namen zu nennen. Er habe es sich dann aber anders überlegt und sagte aus, dass die vier Angeklagten den 37-Jährigen geschlagen und getreten hätten. Auf die Frage der Verteidiger, warum diese dies hätten tun sollen, erwiderte er: „Das frage ich mich auch.“

Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.


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